100.000 Euro für junge Frau:

Rekord-Schmerzensgeld für Vergewaltigung

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Nach Angaben des Gerichts handelt es sich um das bislang höchste in Deutschland zugesprochene Schmerzensgeld

WUPPERTAL - Eine vergewaltigte junge Frau hat am Dienstag in Wuppertal ein Rekord-Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen bekommen. Das Wuppertaler Landgericht ging mit der Summe noch über die Forderung der 20-Jährigen hinaus.

Bei der Summe handelt es sich nach Gerichtsangaben um das höchste bislang in Deutschland zugesprochene Schmerzensgeld für ein Vergewaltigungsopfer. "Wir sind zwar gehalten, uns an vergleichbaren Fällen zu orientieren. Die bisherigen Zahlungen erscheinen uns aber einfach zu niedrig", sagte der Vorsitzende Richter. Der Anwalt des Vergewaltigers will die Entscheidung anfechten (Az.: 16 O 95/12).

Das Gericht würdigte die besonders schwerwiegenden Umstände der Tat: Die Frau werde dauerhaft beeinträchtigt sein. Dem müsse das Gericht Rechnung tragen. Ihr Anwalt hatte 80.000 Euro gefordert.

Die heute 20-jährige Frau war als Schülerin im Alter von 16 Jahren in Solingen entführt, tagelang gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt worden. Zur Tatzeit war sie im vierten Monat schwanger. Nach ihrer Flucht aus der Gewalt des Sexualverbrechers musste das stark traumatisierte Mädchen lange psychologisch betreut werden.

Der Täter war 2009 zu zwölfeinhalb Jahren Haft wegen Geiselnahme und Vergewaltigung verurteilt worden. Gutachter stuften ihn als besonders gefährlich ein. Weil er Ersttäter war, konnte das Gericht aber keine Sicherungsverwahrung gegen ihn verhängen. Der Sexualverbrecher stammt aus wohlhabendem Elternhaus.

Die Klägerin war im Mai 2009 auf dem Schulweg überfallen und verschleppt worden. Sie wurde vier Tage im Haus des damals 29-Jährigen gefangen gehalten, dann gelang ihr die Flucht.

Das Wuppertaler Landgericht war schon bei seinem Strafurteil über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinausgegangen und hatte ein "unfasslich anmutendes Tatgeschehen" angedeutet. Der arbeitslose Verkäufer hatte die Schülerin mindestens viermal stundenlang vergewaltigt.

Obwohl die Schülerin ihrem Peiniger sagte, im vierten Monat schwanger zu sein, hatte der 29-Jährige nicht von ihr abgelassen. Er werde sie nie wieder gehen lassen, hatte er ihr eröffnet. Für das ungeborene Kind soll der Sexualverbrecher auch Pläne gehabt haben: "Wird es ein Junge, dann töte ich ihn. Wird es ein Mädchen, missbrauche ich auch das." Im Prozess hatte der Vergewaltiger gesagt, er habe das Baby nicht töten wollen, falls es ein Junge wird, sondern in eine Baby-Klappe legen wollen.

Der psychiatrische Gutachter hatte vor dem Solinger eindringlich gewarnt: Der Mann habe die Tat genossen und sich ihm gegenüber sehr erschreckend geäußert: "Hätte ich gewusst, wie toll das ist, hätte ich so etwas schon viel früher getan." Der Mann sei ein schizoider Einzelgänger, der keine Reue zeige und sehr geplant handele. In seiner Wohnung fanden die Ermittler sogar eine Art Drehbuch für die Geiselnahme.

Die Tat hatte sich in einer Wohnung im Elternhaus des Täters abgespielt. Die Eltern einen Stock tiefer hatten von dem grausamen Geschehen nichts mitbekommen. Aus dem Fenster hatte der Vergewaltiger die Polizisten bei der Suche nach dem vermissten Mädchen beobachtet. Die Schülerin hatte sich in ihr nur 300 Meter entferntes Elternhaus retten können, als der Täter das Haus wegen einer Familienfeier verlassen hatte. Er war noch während der Feier festgenommen worden.-dpa

-dpa/lnw

Quelle: wa.de

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