Rassistische Hetze in Duisburg: Sorge um Zuwanderer

+
Wohnkomplex in Duisburg

DUISBURG - Nach Hetze im Internet gegen südosteuropäische Zuwanderer in Duisburg gibt es Sorge um die Sicherheit der Menschen in einem Wohnkomplex. "Es sind eindeutige Provokationen, die bei den Menschen Angst auslösen", sagte Pfarrer Heiner Augustin von der evangelischen Kirchengemeinde im Viertel.

Weil zuletzt auch aus vorbeifahrenden Autos mehrfach rassistische Parolen gerufen und Drohgebärden angedeutet worden seien, habe sich eine Gruppe von Bürgern entschlossen, Nachtwachen zu bilden, berichteten Medien am Mittwoch.

Von verhetzenden Rufen, ausländerfeindlichen Anfeindungen und von Drohungen, den Wohnkomplex niederzubrennen, berichtete auch Annegret Keller-Steegmann, die die nächtlichen Beobachtungsposten vor knapp einer Woche initiiert hat. "Wir müssen den Leuten hier das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind." Keller-Steegmann, die sich mit Theater- und Kulturprojekten in dem Viertel engagiert, wünscht sich mehr Polizeipräsenz, auch wenn es zuletzt ruhiger geworden sei: "Die Leute würden sich sicherer fühlen, wenn es dort eine dauerhafte Polizeistreife gäbe."

Die Polizei habe die Situation genau im Blick, analysiere täglich die Lage, sagte Polizeisprecher Ramon van der Maat. Bisher sehe die Polizei keinen Bedarf, ihre Präsenz vor Ort zu erhöhen. Streifen seien mehrmals täglich vor Ort - und das schon seit Monaten. "Es gibt derzeit keinen konkreten Anlass, dass sich etwas hochschaukelt", sagte er auf Nachfrage.

Immer wieder hat der Wohnkomplex im eher gutbürgerlichen Stadtteil Rheinhausen als "Problemhaus" Schlagzeilen gemacht. Mehr als tausend Menschen - zumeist Roma, die vor der Armut in ihren Heimatländern geflüchtet sind - leben dort auf engstem Raum in heruntergekommenen Mietswohnungen. Anwohner klagen über Lärmbelästigung und Müllberge.

Die Kriminalitätsrate in Duisburg unter Einwanderern aus Rumänien und Bulgarien ist hoch - auch in anderen Vierteln: Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres ermittelte die Duisburger Polizei gegen knapp 3000 Tatverdächtige aus Bulgarien und Rumänien, zumeist wegen Diebstahldelikten, so van der Maat.

Auch Keller-Steegmann weiß um die Probleme, sprach von "großer Armut" und einer "humanitären Katastrophe". Müll, Lärm - all das sei die logische Folge, wenn man so viele arme Menschen auf engstem Raum zusammenpferche. Die Kriminalität einzelner falle dann auf das ganze Haus zurück - Nährboden für ausländerfeindliche Hetze. "Das Haus bietet eine Projektionsfläche für Menschen, die frustriert sind", sagte sie.

Die Situation habe sich verschärft, seit bekanntwurde, dass die Staatsanwaltschaft gegen Kommentatoren einer Facebook-Seite ermittelt, berichtet Pfarrer Augustin. Wie Medien berichtet hatten, waren zahlreiche Anzeigen bei der Polizei eingegangen - etwa auch wegen des Aufrufes, die Häuser anzuzünden. "Wir prüfen derzeit, ob ein Anfangsverdacht zu einer Straftat vorliegt", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag.

Erst am Montag stellte die Polizei einen 21-Jährigen, der aus dem Beifahrerfenster den Hitlergruß zeigte und fremdenfeindliche Parolen rief, als er an dem Wohnkomplex vorbeifuhr. Vergangene Woche hatten Unbekannte Wände rund um die Häuser mit rassistischen Schmierereien verunstaltet. Für die kommende Woche hat die islamfeindliche Bürgerbewegung Pro Deutschland eine Kundgebung vor dem Haus bei der Polizei angemeldet. "Wie wir uns dem angemessen gegenüberstellen, werden wir noch mit den Anwohnern beraten", sagte Keller-Steegmann. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare