Plädoyers laufen

Todesfahrt im Sauerland: Staatsanwalt fordert Haftstrafen für Raser

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Die Bundesstraße 229 zwischen Beckum und Hövel glich am Abend des 1. August 2018 nach dem heftigen Unfall einem Trümmerfeld.

Beckum/Arnsberg – Der Raserprozess im Landgericht Arnsberg befindet sich nach einem wahren Hindernislauf von fast 20 Verhandlungstagen auf der Zielgeraden.

Gegen den Widerstand der Verteidiger der beiden Angeklagten erklärte die Schwurgerichtskammer die Beweisaufnahme am Donnerstag für geschlossen. 

Staatsanwalt Klaus Neulken brachte nach den vielen Nebelkerzen, die im Laufe des immer undurchsichtiger werdenden Prozesses um ein mögliches illegales Autorennen mit Todesfolge gezündet worden waren, ein wenig Licht und Ordnung in die Geschehnisse. 

Illegales Rennen: Vorwurf bestätigt?

„Der Vorwurf hat sich für mich in allen Punkten bestätigt“, leitete der Staatsanwalt seine Sicht der Dinge ein. Aufgrund zahlreicher Zeugenaussagen sah er es als erwiesen an, dass der 57-jährige Angeklagte aus Soest nach der Teilnahme an einem Fahrtraining mit dem Rennfahrer Walter Röhrl mit seinem Porsche unterwegs war zu seiner damaligen Freundin in Balve. Schon vor dem Eintreffen in Hövel hätten sich erste Provokationen zwischen ihm und dem zweiten Angeklagten aus Hemer (42) ereignet. 

In der Folge habe es Überholvorgänge zwischen dem Porsche und dem Audi des Hemeraners auf der Strecke zwischen Hövel und Beckum gegeben. Der Staatsanwalt hatte keine Zweifel, „dass von einem illegalen Autorennen auszugehen ist“. Mehrere Zeugen hätten beide Fahrzeuge „direkt hintereinander gesehen“. 

"Brutal, rücksichtslos, halsbrecherisch"

Kurz vor der Kollision des Audifahrers mit dem unbeteiligten VW der fünf Unfallopfer habe der Hemeraner erfolglos versucht, den Porsche zu überholen. Bei der „brutalen, rücksichtslosen und halsbrecherischen Fahrt beider Angeklagter“ habe er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und sei auf die Gegenfahrbahn gedriftet. Aufgrund der Rennsituation zwischen den Fahrzeugen sei davon auszugehen, dass der 57-jährige Porschefahrer, der kurz darauf in einer Radarfalle in Beckum geblitzt wurde, im Rückspiegel den Unfall bemerkt haben müsse. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Der Staatsanwalt beantragte deshalb eine Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Teilnahme an einem illegalen Autorennen. Durch seine Teilnahme habe der 57-Jährige die Kollision mitzuverantworten. „Das Verhalten des Angeklagten kann nicht weggedacht werden – ohne ein Rennen wären die schlimmen Folgen nicht eingetreten.“

Der Staatsanwalt beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten für den Soester und sprach sich gegen eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung aus. Der 42-jährige Hemeraner müsse aufgrund seines Fahrfehlers, der die Kollision verursachte, höher bestraft werden. Ihm sei zwar kein Vorsatz nachzuweisen, aber „ganz grobe Fahrlässigkeit“. 

Lebenslänglicher Entzug der Fahrerlaubnis?

Aufgrund einer vorangegangenen Verurteilung wegen einer Trunkenheitsfahrt hätte der 42-Jährige gewarnt sein können, ein derart „unnötiges, überflüssiges und verwerfliches Rennen“ zu unterlassen. Für den 42-Jährigen beantragte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten und eine Sperre für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis von fünf Jahren. Die höchste zeitliche Fahrerlaubnissperre, die einen Autofahrer treffen kann, beantragte Neulken auch für den Angeklagten aus Soest. 

Opferanwältin Simone Hammecke-Klüter ging noch einen Schritt weiter: Sie beantragte für beide Angeklagte einen „lebenslänglichen Entzug der Fahrerlaubnis“ sowie Haftstrafen von fünf und sieben Jahren“. Ihr Kollege Frank Teuber blickte aus Sicht der Opfer auf das bevorstehende Ende des achtmonatigen Verhandlungsmarathons: „Die Vertreter der Nebenklage sind froh, dass das Verfahren jetzt zum Abschluss kommt.“ 

Am 20. Januar geht es weiter

Die Plädoyers der beiden Verteidiger sind für den 20. Januar (ab 10 Uhr) geplant.

Mehr zum Raserprozess lesen Sie hier!

Quelle: wa.de

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