Tod zwischen Balve und Sundern

Schlammschlacht ohne Ende: die Fortsetzung des Raserprozesses

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Ein trauriger Anblick: So sah eines der Unfallautos aus.

Eine Frau kam ums Leben, vier wurden schwer verletzt: Nach der Sommerpause geht der Prozess von den zwei Rasern weiter. Doch die Ergebnisse am ersten Tag nach der Pause sind ernüchternd.

Arnsberg/Soest/Balve – Der Raserprozess im Landgericht Arnsberg ist am ersten Verhandlungstag nach der Sommerpause nicht nennenswert vorangekommen: Nachdem die beiden Anwälte die Schwurgerichtskammer gut acht Stunden vor sich hergetrieben hatten, unterbrach der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel den Prozess erneut. Murrend und kopfschüttelnd ertrugen die Opfer der Kollision vom 1. August 2018 – bei dem eine Frau das Leben verlor und vier Menschen schwer verletzt wurden – und mit ihnen das hartnäckig verweilende Publikum ein Spektakel, das immer absurdere Züge annimmt.

Dabei hatte es in der Mittagszeit recht gut ausgesehen: Die Richter hatten für beide Angeklagte die Auszüge aus dem Bundeszentralregister der Straftaten verlesen, und der Vorsitzende schien geneigt, die Beweisaufnahme danach zu schließen. Drei Beweisanträge von Verteidiger Volker Cramer waren zurückgewiesen, was diesen nun dazu veranlasste nachzulegen: „Ich werde mindestens einen, wahrscheinlich zwei Anträge nachschieben müssen.“ Rechtsanwalt Constantin Kirschbaum schloss sich mit einem ähnlichen Ansinnen an.

Es ging dabei um Wegstrecken, Fahrwege und Sichtverhältnisse, weshalb die Kammer erneut Ortstermine anberaumen solle. Die Richter wiesen diesen Antrag mit Verweis auf das Fehlen präziser Ortsangaben zurück: „Es wird die Inaugenscheinnahme einer Rechtskurve beantragt, ohne zu sagen, welche das sein soll“, lautete eine der Begründungen der Richter. Außerdem fuhren sie fort: „Es fehlen Angaben, was richterlich in Augenschein genommen werden soll.“ Daraufhin machten sich die Anwälte ganze zwei Stunden lang auf den Weg, um ein bisschen empört die verlangten Daten in GPS-Qualität nachzuliefern und ihre Anträge wieder zu erneuern.

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Verteidiger Volker Cramer beantragte erneut die Vernehmung eines Polizeizeugens, dem er eine voreingenommene Pressearbeit unterstellt. Warum dieser Zeuge nicht vernommen wird, erschließt sich tatsächlich nicht so ohne Weiteres. Der Rechtsbeistand des 57-jährigen Soester Angeklagten erneuerte seine Vorwürfe, dass die Ex-Freundin seines Mandanten diesen in ein falsches Licht getaucht habe. „Ich möchte, dass die Kammer erkennt, dass die Zeugin den Eindruck erwecken wollte, der Angeklagte habe nur ein Hobby: "das Autofahren.“

Dass die Frage nach den ungefährlichen und sozialverträglichen Hobbys des 57-jährigen Soesters in einer scheinbaren Endlosschleife immer wiederkehrt, ist spätestens seit der Verlesung seines Auszugs aus dem Register der Verkehrsverstöße rätselhaft: 91 statt 50 Stundenkilometer in einer geschlossenen Ortschaft und 101 statt 70 Stundenkilometer außerhalb geschlossener Ortschaften dokumentieren hinreichend, dass der Angeklagte offenbar ein recht positives Verhältnis zum schnellen Fahren hat. „Ich habe mich außerordentlich geärgert, dass ich in die Radarfalle gefahren bin“, blickte der Soester auf die Ereignisse am 1. August 2018 zurück.

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