Schüler randalieren an Realschule in Soest - Zeugnisvergabe abgesagt

Egal ob Fensterscheibe oder Tischtennisplatte die Randalierer machten vor nichts halt. ▪

SOEST ▪ Unbekannte Rowdys haben in der Nacht zum Mittwoch auf dem Schulgelände der Hansa-Realschule in Soest gewütet – mit weitreichenden Folgen: Die Täter richteten nicht nur beträchtlichen Schaden an, die Schule hat nach Angaben von Schülern sämtliche Abschlussfeiern, ja sogar die Zeugnisübergabe abgesagt.

Bilder von den Verwüstungen:

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Die Spur der Demolierungen zieht sich quer über den gesamten Schulhof, berichtete die Polizei. Das Fenster zum Erste-Hilfe-Raum wurde eingeschlagen, die Lampen in der Fahrrad-Stellplatzanlage abgerissen und die Ständer verbogen, eine Leuchte am Lehrer-Parkplatz zerschlagen. Die Täter kletterten zudem auf die Flachdächer der Mensa und der Toilettenanlagen, verbogen hier die Blitzableiter und beschädigten die Lüftungsklappen. Und sie kippten drei schwere Tischtennisplatten aus Stein und Metall um, die dabei ebenfalls zu Bruch gingen.

Alles in allem dürfte sich der Gesamtschaden auf 5 000 Euro summieren, sagte ein Polizeisprecher.

Nach seinen Angaben gibt es keine Hinweise auf die Täter. Irgendwann zwischen 22 Uhr am späten Dienstagabend und 6 Uhr am Mittwochmorgen müssen sie zugelangt haben.

Dabei dürften die Täter offenbar in den Reihen der Abschluss-Schüler zu finden sein. In einem Brief an den Soester Anzeiger berichten Mitschüler, über „Facebook“ hätten sich einige Jugendliche zu einem sogenannten „Chaostag“ verabredet. Dabei sei von „Absperrbändern und Klopapier“ die Rede gewesen, die auf dem Schulhof eingesetzt werden sollten, nicht aber von Randale und Ziegelsteinen, mit denen Scheiben eingeworfen wurden.

„Dass die Täter-Gruppe so maßlos übertreibt, konnte ja keiner vorher ahnen“, heißt es weiter in dem Schülerbrief. Als einige Mitläufer merkten, wie sehr die Anführer auf Krawall gebürstet gewesen seien, hätten sie die Flucht ergriffen.

„Jetzt ist es zu spät, alles ist abgesagt, und selbst eine Entschuldigung der Verursacher gibt es nicht“, schreiben die Realschüler. Alle Schüler der Klasse 10 hätten sich am Mittwoch einem „Verhör der Klassenlehrer unterziehen“ müssen. Sie empfänden es als ungerecht, dass nun wegen einiger weniger Chaoten, die in den vergangenen Tagen schon mit Kreide und Lippenstifte Parolen wie „Scheiß Schule“ an die Wände geschmiert hätten, alle Abgangsschüler leiden müssen.

„Die Schulleitung vertritt die Meinung, dass so Konsequenz ausgeübt wird; die Schuld geben die Schulleitung und Lehrer der gesamten zehnten Stufe. Ist das nicht unfair?“

Der Leiter der Hansa-Realschule war bisher für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Andere Lehrer – um eine Stellungnahme gebeten – wollten nichts zu den Vorfällen sagen und verwiesen auf ihren Chef. ▪ hs

Stellungname der Realschüler im Wortlaut:

„Das Niveau hat das Gebäude verlassen“ - Passendes Abschlussmotto der 10. Stufe der Hansa-Realschule, wenn man bedenkt, was ein paar der Schüler in der letzten Nacht angerichtet haben. Chaos und Verwüstung war am Mittwochmorgen auf dem Schulhof zu betrachten: Umgekippte Mülltonnen, Absperrband, Klopapier, Biomüll, zerstörte Tischtennisplatten, zerschlagene Lampen und ein eingeworfenes Fenster. Und all das wurde von einer kleinen Gruppe angerichtet, die sich in der Nacht zuvor auf dem Schulhof traf.

Unter diesem kindischen und verantwortungslosem Handeln leidet jetzt die ganze Stufe: Der gesamte Abschluss, inklusive einen Ausflugstag, der Zeugnisübergabe in der Aula mit anschließendem Sektempfang und der Abschlussfeier im Soester Schlachthof wurde von der Schulleitung abgesagt. In einer Konferenz mit Schulleitung, Lehrern und Elternvertretern wurde das einstimmig entschieden. Doch was soll das bringen?

Die Schulleitung vertritt die Meinung, dass so Konsequenz ausgeübt wird. Allerdings war der Ausfall von den Abschlussfeiern doch genau das Ziel der Randalierer, die mit Lippenstift und Kreide Wörter wie „Scheiß Schule“ oder ähnliches an die Wände schmierten. Doch beweist dieses Absagen der Feierlichkeiten nicht genau das? Denn jetzt leiden die, die nichts mit dem Vandalismus zu tun hatten und sich eigentlich einen richtigen Abschluss wünschen: Die Schuld geben die Schulleitung und Lehrer der gesamten zehnten Stufe. Und ist das nicht unfair? Sollte man nicht eher nur die Täter bestrafen?

„Man hätte Zivilcourage zeigen müssen und Lehrer vorwarnen sollen“, hieß es von Seiten der Lehrer. Doch ob es irgendetwas verändert hätte, wenn die Lehrer im voraus gewarnt worden wären bezweifeln viele der Schüler. Zudem wurden alle Schüler von den Tätern zum Stillschweigen angestiftet. Und so hielten die meisten der Schüler, die dadurch eingeschüchtert waren und Angst vor den Reaktionen der Randalierer hatten, wirklich dicht.

In einer Facebookgruppe, in der zuvor organisatorische Dinge zum Abschluss unter den Schülern geklärt wurde, wurde dann auch der Chaostag geplant. In der Gruppe war von „Absperrband und Klopapier“ die Rede, nicht davon Fenster mit Ziegelsteinen einzuschlagen. Kann man deshalb den Schülern, die von dieser Planung wussten einen Vorwurf machen, weil sie es nicht so ernst genommen haben? Dass die Täter-Gruppe so maßlos übertreibt, konnte ja keiner vorher ahnen.

Viele der Schüler, die in der Nacht an der Schule waren, haben auch, als die ersten anfingen Sachschaden zu verursachen, die Flucht ergriffen, weil sie nichts mit den Zerstörungen zu tun haben sollten.

Jetzt ist es zu spät, alles ist abgesagt und selbst eine Entschuldigung der Verursacher gab es bis jetzt nicht. Denn Schaden anrichten können sie, die Verantwortung für ihre Taten wollen sie aber nicht übernehmen. Von ungefähr 20 000 Euro Schaden redete die Lehrerschaft, doch wer jetzt zahlen muss, ist noch unklar. Die Polizei wurde bereits am Morgen eingeschaltet. Zudem mussten alle Schüler der Klasse 10 sich einem Verhör der Klassenlehrer unterziehen, bei dem versucht wurde, die Verantwortlichen zu erfassen. Aber anstatt alle dingfest zu machen und sie mit einem Ausschluss von der Abschlussfeier oder sie als Strafe bis zum Ferienanfang zur Schule gehen zu lassen, wird nun die gesamte Stufe, in der die Mehrheit nichts mit alldem zu tun hatte, bestraft. So haben die Randalierer genau das erreicht was sie wollten: Keine Abschlussfeier und noch eher Ferien. Ob dieses Vorgehen der Schulleitung besonders effektiv ist, stelle ich in Frage. Meiner Meinung nach ist diese Bestrafung eher lächerlich, weil die die sie verdienen darunter überhaupt nicht leiden. Zwar bekommen die Täter Anzeigen, allerdings werden wahrscheinlich auch da nicht alle die den Sachschaden verursacht haben mit bestraft.

Die Reaktion der Schulleitung, die Schüler zu bestrafen ist zwar auch für uns durchaus verständlich, aber dabei sollte immer noch gerecht bestraft werden, was soviel heißt, dass nur die Täter unter der Bestrafung leiden sollten.

Wir bedanken uns auf jeden Fall bei den Verantwortlichen im Namen aller, die eigentlich einen vernünftigen Schulabschluss wollten, für ihr kindisches Verhalten. Euch verdanken wir jetzt alle, dass wir uns in 10 Jahren, auf dem ersten Klassentreffen an keine Abschlussfeier erinnern können, denn jetzt dürfen wir uns am Freitagmorgen die Zeugnisse im Sekretariat abholen. Dankeschön für das! Wir hoffen Ihr seid euch bewusst was Ihr angerichtet habt und, dass selbst wenn die „Bestrafung“ der Schule keineswegs eine ist, Ihr wenigstens die rechtlichen Konsequenzen tragen müsst.

Schüler der Klasse 10d

Quelle: wa.de

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