Gottesdienste und Fastenbrechen

Ramadan in Corona-Zeiten: Wie Muslime den Fastenmonat begehen dürfen

Der Ramadan findet erneut unter strengen Corona-Regeln statt. Das Fastenbrechen in geselliger Runde ist Muslimen kaum möglich. Was erlaubt ist und was nicht.

Hamm - Die Stimmung in den Gemeinden ist zum Beginn des Fastenmonats Ramadan gedrückt, wie Ayman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sagte. Viele seien traurig, dass der Ramadan 2021 wegen des Coronavirus nun zum zweiten Mal unter strikten Hygiene-Auflagen begangen werde. „Der gesellige Teil des Ramadan fällt damit fast komplett weg“, so Mazyek. (Coronavirus in NRW)

RamadanFastenmonat der Muslime
Anzahl Tage30
ZeitraumDienstag, 13. April, 2021 - Mittwoch, 12. Mai, 2021

Ramadan 2021 und Corona: Viele Muslime traurig über Umstände - geselliger Teil fällt fast ganz weg

Mazyek betonte, die muslimischen Gemeinden setzten die Corona-Regeln für Abstand und Hygiene „sehr gut“ um. „Es ist fast ein wenig traurige Routine“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es gebe nur einige wenige Muslime, die der Auffassung seien, dass das Gebet ohne Maske und Hygiene-Regeln vor Corona schütze. Das sei „natürlich eine religionsferne Behauptung“, betonte Mazyek.

Der Bundesvorstand der Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) hat sich am Mittwoch, 14. April, ebenfalls geäußert. In der Pressemitteilung heißt es, dass der Fastenmonat Ramadan, der „für alle Muslime weltweit eine Zeit der inneren Einkehr, des sich bewusst Seins und der Barmherzigkeit“ sei, im zweiten Jahr hintereinander mit deutlichen Einschränkungen gelebt werden könne.

Ramadan 2021 in Corona-Zeiten: Ditib mit Empfehlungen und Regeln zu Fastenbrechen und Gottesdiensten

Hygienekonzepte für Gottesdienste und religiöse Angebote, die Ditib mit anderen islamischen Religionsgemeinschaften im Koordinationsrat der Muslime entwickelt habe, würden stetig angepasst, heißt es weiter. Dass der Ramadan nun mitten in die dritte Corona-Welle fällt, mache mehrere Anpassungen nötig.

Laut der Ditib findet deshalb der abendliche Iftar - das gemeinsame Fastenbrechen - in den Moscheen nicht statt. Die Empfehlung der Ditib ist es demnach, auch das Fastenbrechen zuhause auf den Familienkreis zu begrenzen.

Ramadan in Corona-Zeiten: Ditib streicht in Landkreisen mit Ausgangssperre Präsenz-Gottesdienste

Gemeinschaftliche Koran-Lesungen (Mukabele) werden demnach online angeboten. Das Teravih-Gebet (ein spezieller nächtlicher Gottesdienst) werde auf circa ein Drittel reduziert und ohne gemeinschaftlichen Gesang abgehalten.

Eine Besonderheit gilt dem Ditib-Bundesvorstand zufolge in Landkreisen mit besonders hohen Inzidenzen und daraus resultierenden Ausgangssperren. Dort sollen für die Dauer der Ausgangssperre keine Gottesdienste in Ditib-Moscheen angeboten werden - auch keine Teravih-Gebete.

Zwar gelten auch im Falle einer Ausgangssperre Gottesdienste als triftiger Grund, die Wohnung zu verlassen - dennoch erfordere die aktuelle Lage „von uns allen Entbehrung und Verantwortung“, so Ditib. Daher habe die Ditib eigenverantwortlich beschlossen, von der grundgesetzlich garantierten Möglichkeit keinen Gebrauch zu machen und ihre Gemeinden angewiesen, im Falle einer Ausgangssperre die Gottesdienste in den Ditib-Moscheen auszusetzen. Im Märkischen Kreis etwa hatten mehrere Ditib-Moscheegemeinden bereits am Dienstag angekündigt, die Moscheen ab 21 Uhr zu schließen.

Gläubige beten in der Khadija Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde beim Abendgebet zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan bei offenen Fenstern.

Ramadan und Corona: Muslime mit besonderer Aktion zum Fastenbrechen - „Iftar Delivery“

Da wie im Jahr 2020 auch in diesem Jahr das gemeinsame Fastenbrechen nach Anbruch der Dunkelheit wegen Corona kaum möglich sein wird, wollen etwa Mitglieder von Wuppertaler Moscheegemeinden erneut einen besonderen Service anbieten, sagte der Sprecher der Ditib Zentralmoschee Wuppertal, Muhammed Sönmez. Täglich sollen frisch gekochte Mahlzeiten an verschiedenen Standorten in der Stadt an Bedürftige - Muslime wie Nicht-Muslime - ausgeteilt werden. Unter dem Motto „Iftar Delivery“ wollen die ehrenamtlichen Helfer im Ramadan bis zum 12. Mai rund 15.000 Pakete mit Mahlzeiten liefern.

Der diesjährige Fastenmonat Ramadan hat am Dienstag, 13. April, begonnen. Er endet am 12. Mai. Der erste Tag des Festes des Fastenbrechens, der auf Arabisch Eid al-Fitr und auf Türkisch Bayram genannt wird, fällt damit auf den 13. Mai. Der muslimische Kalender richtet sich nach dem Mond, damit fällt der Ramadan immer auf einen anderen Tag des gregorgianischen Kalenders. Der Zeitraum kann von Land zu Land unterschiedlich sein.

Ramadan und Corona: Impfen laut Ditib auch während des Fastens kein Problem

Die Ditib-Bundesvorstand empfiehlt von Mittwoch übrigens allen Menschen eine Impfung gegen das Coronavirus. Auch im Ramadan sei das möglich - und während des Fastens nicht schädlich, heißt es. Die Hausärzte fordern unterdessen mehr Corona-Impfstoff. Weil die Praxen weniger Lieferungen erhalten als versprochen, warnen sie vor einem Stocken der Impfkampagne. (mit Material von dpa und epd)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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