Interview mit Bernd Tönjes

RAG-Vorstand: Solange es Bergschäden gibt, regulieren wir

HERNE - Risse im Mauerwerk und feuchte Keller - Bergbaubetroffene im Ruhrgebiet beklagen, das Bergbauunternehmen RAG ziehe sich bei der Regulierung von Bergschäden zunehmend aus der Verantwortung.

Menschen, die vergeblich um Schadensersatz kämpfen, seien die Ausnahme, sagt dagegen Vorstandschef der RAG, Bernd Tönjes.

Herr Tönjes, der Interessenverband bergbaugeschädigter Immobilienbesitzer hat den Eindruck, die RAG erkenne vor allem dort, wo kein aktiver Bergbau mehr betrieben werde, Bergschäden immer zögerlicher als solche an. Wie stehen sie zu dieser Kritik?

Tönjes: Sie zitieren einen sehr kleinen, lokal ausgerichteten Verband. Zur Kritik selbst: Im Gegenteil. Wir sind schneller geworden. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für die Regulierung eines Bergschadens hat sich deutlich verkürzt. Das bestätigt auch der Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer, der als größter Interessensvertreter der Bergbaugeschädigten 20 000 Mitglieder vertritt.

Wie oft streitet die RAG mit Geschädigten um eine Regulierung?

Tönjes: In 99 Prozent aller Fälle läuft die Regulierung einvernehmlich. Einigen wir uns nicht sofort, kann dies auch vor einer unabhängigen Schlichtungsstelle beim Regionalverband Ruhr geregelt werden. Das waren 2012 rund 100. Die Kosten des Verfahrens tragen wir. In weniger als 20 Fällen im Jahr werden Gerichte bemüht.

Wieso ist es manchmal schwierig eindeutig zu bestimmen, wer für den Schaden aufkommen muss?

Tönjes: Schäden können vielfältige Ursachen haben. Viele der Schadensbilder, die wir täglich sehen, treten in sehr ähnlicher Form auch in Regionen auf, in denen es gar keinen Bergbau gibt. In unseren Abbaugebieten müssen wir im Zweifelsfall beweisen, dass es sich nicht um einen Bergschaden handelt.

Die NRW-CDU fordert eine Reform des Bergrechts, so dass in Zukunft Markscheider als unabhängig bestellte Sachverständige eingesetzt werden, um die wichtigen Karten zu führen. Ein guter Vorschlag?

Tönjes: Bei der Erstellung dieser Karten ist der Markscheider weisungsfrei. Dies ist bundesweit gesetzlich festgeschrieben. Die Tätigkeit des Markscheiders wird durch die Bergbehörde überwacht. Jedes große Bergbauunternehmen beschäftigt eigene Markscheider für diese Tätigkeiten.

Im Jahr 2018 ist für den Bergbau im Ruhrgebiet Schicht im Schacht. Die Berge arbeiten jedoch weiter. Wie lange stehen Sie für die Entschädigung etwaiger Bergschäden-Opfer gerade?

Tönjes: So lange, wie es Bergschäden gibt. - dpa

Quelle: wa.de

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