Prozess: Patienten mit Kortison statt mit Homöopathie behandelt

PADERBORN - Eine Ärztin aus dem Raum Paderborn soll jahrelang ein kortisonhaltiges Mittel verabreicht haben, während ihre Patienten an eine homöopathische Behandlung glaubten. Am Donnerstag beginnt am Amtsgericht Paderborn die zivilrechtliche Aufarbeitung.

Als mögliche Nebenwirkungen von Kortison gelten Osteoporose, Pergamenthaut oder Star-Erkrankungen am Auge. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Die Vorwürfe gegen die Ärztin betreffen Behandlungen an Neurodermitis- und Allergiepatienten zwischen 2006 und 2010.

Jahrelang galt die heute 42-jährige Medizinerin als gute Adresse. Sie schien mit Alternativmedizin außerordentlich gute Ergebnisse zu erzielen. Den Verdacht, dass die Heilungserfolge nicht mit homöopathischen Mitteln zu erreichen seien, schöpfte zuerst eine Ärztin. Sie hatte ihren an Neurodermitis und Heuschnupfen leidenden Sohn zur Kollegin geschickt, war dann aber durch den raschen Erfolg misstrauisch geworden. Eine von ihr veranlasste Laboruntersuchung förderte Rückstände eines kortisonhaltigen Mittels zutage.

Dem Paderborner Amts- und Landgericht liegen zurzeit mehr als 50 Klagen vor. Den ehemaligen Patienten gehe es vor allem darum, für erst in der Zukunft auftretende Folgeschäden abgesichert zu sein, sagte Anwalt Andreas Carl, der den Großteil der Kläger vertritt.

Von Donnerstag an werden Pharmakologen, Kinderärzte, Orthopäden und Augenärzte zu dem Fall Stellung nehmen. Die Staatsanwaltschaft Paderborn ermittelt seit 2010 wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Zugleich geht die Staatsanwaltschaft, der 460 Strafanzeigen vorliegen, dem Verdacht des Betruges nach. Denn die Medizinerin hat ihre Behandlung jeweils als homöopathische Maßnahme abgerechnet. Die Ermittlungen sollen in Kürze abgeschlossen werden. - lnw

Quelle: wa.de

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