Richterspruch am Landgericht Hagen

Messerangriff auf Altenas Bürgermeister: Das sagt Andreas Hollstein zum Urteil

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Der Angeklagte Werner S. mit seinem Anwalt

[Update, 16.37 Uhr] Altena - Das Urteil im Prozess um die Messerattacke auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein ist gesprochen. Werner S. muss nicht ins Gefängnis. Hollstein kritisierte das Urteil.

Der Angeklagte Werner S. wurde am Montagmittag vor dem Landgericht Hagen wegen schwerer Körperverletzung und Bedrohung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. S. (56) muss nicht ins Gefängnis. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Er muss 150 Sozialstunden leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Hollstein kündigte am Nachmittag in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz an, in den nächsten Tagen zu prüfen, ob er gegen das Urteil Revision einlegt. „Meine Frau und ich sind enttäuscht vom Urteil – und ich beziehe auch Familie Demir ausdrücklich in diese Wertung ein.“ Vater und Sohn Demir hatten in ihrer Imbissbude Hollstein geholfen, den Angriff von Werner S. abzuwehren.

Auch als Jurist sei für ihn nicht nachvollziehbar, wie geurteilt wurde. Vielleicht, so sagte er im Beisein seines Anwalts, habe die „abstrakte Atmosphäre des Gerichtssaales auch dazu beigetragen, den Tötungsvorsatz fallen zu lassen.“ Er bleibe dabei: Er habe an diesem Tag um sein Leben gerungen. Er habe Hass und Wut in einer solchen Intensität noch nie erlebt.

Man könne dieses Urteil als Einladung missverstehen, gegen Vertreter des Staates vorzugehen, wenn man vermeintlich triftige persönliche Gründe habe. "Und das darf es in unserem Rechtsstaat nicht geben", sagte Hollstein. Und weiter: „Ich stelle fest, der Staat hat für mich mit diesem Urteil seine Fürsorgepflicht gegenüber Amtsträgern sträflich vernachlässigt.“

Gericht: keine Tötungsabsicht feststellbar

Das Hagener Schwurgericht bewertete die Tat als eine Kurzschluss-Reaktion. Tötungsvorsatz vermochten die Richter bei dem 56-jährigen Angeklagten ebenso wenig zu erkennen wie ein rechtsradikales oder fremdenfeindliches Motiv. Die Hauptverhandlung habe "zweifelsfrei ergeben, dass es sich hier um eine ungeplante, spontane und völlig unüberlegte Tat gehandelt hat", hieß es beim Urteil.

"Die Kammer möchte ausdrücklich betonen, dass es sich bei dieser Tat um kein politisches Attentat gehandelt hat", erklärte Richter Jörg Weber-Schmitz. Als strafmildernd wertete das Gericht aus seiner Sicht falsche mediale Berichterstattung, nach der Werner S. aus Fremdenfeindlichkeit gehandelt habe. Die Richter sahen kein solches Motiv. Der Angeklagte sei verbittert über seine Lebensumstände gewesen.

Die zwei Hörstürze, die Andreas Hollstein laut eigener Aussage erlitten hatte, seien, so das Gericht, nicht mit letzter Sicherheit auf den Angriff zurückzuführen gewesen. Stattdessen kritisierte das Gericht unterschwellig Hollsteins hohe Medienpräsenz nach dem Vorfall. Er sagte dazu am Nachmittag deutlich: "Mit dieser Wertung macht der Staat deutlich, dass er gerne Opfer sieht, die in Selbstmitleid ertrinken und sich nicht wehren."

Andreas Hollstein

Die Hagener Strafkammer blieb mit dem Urteilsspruch unter der am Vormittag von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Der Verteidiger des arbeitslosen Altenaers hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat ursprünglich als Mordversuch angeklagt, eine Tötungsabsicht konnte laut Hagener Schwurgericht von Montag aber nicht festgestellt werden. Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung und Bedrohung. Der Angeklagte hatte die Tat gestanden, aber betont, dass er den Bürgermeister nicht verletzen wollte. Er habe sich finanziell in einer ausweglosen Situation befunden.

Lesen Sie hier alles zu der Messerattacke

Werner S. hatte Hollstein Ende November 2017 in einem Imbiss im sauerländischen Altena mit einem 22 Zentimeter langen Messer bedroht und eine Wunde am Hals zugefügt.

Hören Sie hier Hollsteins wichtigste Aussagen:

Quelle: wa.de

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