Tierschützer protestieren

Wildpferdefang in Dülmen ohne Zwischenfälle

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Fänger treiben im Merfelder Bruch bei Dülmen die Herde. Immer am letzten Samstag im Mai wird die Herde der frei lebenden Tiere zusammengetrieben um die einjährigen Hengste zu fangen

DÜLMEN -Ist es Tierquälerei, die Junghengste aus einer der letzten Wildpferdeherden in einer spektakulären Show einzufangen? Seit im vergangenen Jahr ein Fohlen getötet wurde, hat die Diskussion an Schärfe gewonnen.

Der Wildpferdefang in Dülmen ist diesmal ohne Zwischenfälle verlaufen. Im vergangenen Jahr war bei der Traditionsveranstaltung im Münsterland erstmals ein Fohlen umgekommen. Die kleine Stute wurde von einem älteren Tier so unglücklich mit dem Huf am Kopf getroffen, dass sie starb. Am Samstag ging jedoch alles glatt. Erstmals protestierten auf dem Gelände Tierschützer. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Tiere sind keine Ware".

"Wir möchten den Besuchern verdeutlichen, dass dieser eine Tag für die Pferde unheimlicher Stress ist", sagte die Sprecherin der Tierschützer, Sabine Hasselbeck-Grütering. "Es geht um dieses inszenierte Spektakel mit Volksfestcharakter." Die Pferde litten dabei Todesangst, könnten verletzt und sogar getötet werden.

Rudolf Herzog von Croÿ, dem die 400 Wildpferde gehören, bestritt die Vorwürfe. Nach seiner Überzeugung gibt es keine bessere Möglichkeit, die Junghengste aus der Herde auszusondern. Wenn sie in der Herde bleiben würden, käme es zu Rangkämpfen, die unterlegenen Hengste hätten keine Rückzugsmöglichkeit und würden von ihren Rivalen gegen die Zäune getrieben. Es stimme zwar, dass der Fang für die Tiere mit Stress verbunden sei, den hätten sie in der freien Natur aber auch regelmäßig. Damit könnten die Tiere umgehen.

Zudem sei er auf die Einnahmen aus dem Wildpferdefang angewiesen, sagte von Croÿ der Nachrichtenagentur dpa. "Das sind schon gewaltige Kosten, die dagegenstehen. Die Eintrittsgelder reichen bei weitem nicht, um die laufenden Kosten der Herde zu finanzieren."

Der Wildpferdefang erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit - die 15 000 Karten sind immer schon nach wenigen Minuten ausverkauft. Vor den Zuschauern werden die Pferde in einer Arena zusammengetrieben. Männer von umliegenden Bauernhöfen betätigen sich als Fänger: Mit bloßen Händen packen sie den Hals der jungen Hengste und versuchen, ihnen ein Halfter anzulegen. Diesmal wurden 28 Jährlingshengste eingefangen.

In den vergangenen Jahren ist der Herzog von Croÿ seinen Kritikern in mehreren Punkten entgegengekommen. So werden mittlerweile alle Fänger vom Veterinäramt und von Willa Bohnet, Dozentin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, geschult. Außerdem findet der Abtransport der versteigerten Hengste nicht mehr am selben Tag statt. Es gibt auch keine Brandzeichen mehr, stattdessen wird den Tieren ein Chip eingesetzt.

Bohnet sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie könne die Argumente der Tierschützer verstehen, aber genauso gut die des Herzogs von Croÿ, der die Einnahmen brauche. "Ich finde, dass das nichts Verwerfliches ist." Der Wildpferdefang sei vertretbar, sagte sie. Der Herzog habe in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Stress für die Tiere zu verringern. Bohnet stellte klar: "Wenn die Tierschützer mich fragen würden, würde ich sagen: Ich find's nicht gerechtfertigt, dass ihr da demonstriert. Das finde ich übertrieben." - dpa

Quelle: wa.de

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