Nach Häme auf Youtube

Polizei gibt zu: Rap-Video war keine gute Idee

[UPDATE 18 Uhr] DÜSSELDORF - Das umstrittene Rapper-Werbevideo für eine Ausbildung bei der NRW-Polizei hat nach massenhaftem Spott für Einsicht bei den Verantwortlichen gesorgt. Bei künftigen Werbeaktionen werde mehr Rücksicht auf das Selbstbild der Polizisten genommen.

Von Robert Vornholt

 „Peinlich, geschmacklos, abwertend“ – so klangen einige der vielen Reaktionen auf ein Rapper-Werbevideo der NRW-Polizei. Der Hip-Hop-Clip erntete aber nicht nur Hohn und Spott: Binnen einer Woche wurde der Kurzfilm, in dem zwei verkleidete uniformierte Polizisten erfolgreiche Bewerber mit abgehackten Sätzen im Job begrüßen, 700.000 Mal auf Youtube abgeclickt, berichtete Wolfgang Düren gestern im Innenausschuss des Landtages.

Der Abteilungsleiter Polizei im NRW-Innenministerium ließ deutlich durchblicken, dass er nicht gerade glücklich über die Inszenierung ist – und es eine ähnliche Neuauflage wohl nicht geben wird.

Mit „negative Begleiterscheinungen“ sei gerechnet worden, aber die Binnenwirkung in der Polizei sei unterschätzt worden, gestand Düren ein. Drei Clips (Kosten: 11.000 Euro) seien im Zusammenhang mit einem 2010 produzierten Kino-Werbefilm entstanden, von denen einer verschollen sei. Um mehr Interesse für das Bewerbungsverfahren 2014 der Polizei zu wecken, sei der Beitrag freigegeben worden. Vom 27. September bis zum 4. Oktober war der Hip-Hop-Clip im Internet aufrufbar, in diesem Zeitraum sei die Bewerberzahl von 4000 auf 8300 gewachsen.

Zwar habe das Video keinen direkten negativen Einfluss gehabt, aber es habe ein „hohes Maß an Irritationen“ ausgelöst, berichtete Düren von vielen Reaktionen, etwa per E-Mail-Zuschriften. Daraufhin seien drei Dialogveranstaltungen organisiert worden, um die Entrüstung zu kanalisieren. Fazit des Polizei-Abteilungsleiters: Das Berufs- und Selbstbild der Polizei solle nicht über Gebühr beansprucht werden, deshalb werde der Clip wohl nicht wieder verwendet.

„Nie wieder“ dürfe „der peinliche Clip“ eingesetzt werden, forderte der FDP-Landtagsabgeordnete Robert Orth. CDU-MdL Werner Lohn (Geseke) wertete die Erklärungen Dürens als Ministeriumsvertreter für einen „Offenbarungseid“, aber „Klartext wäre angebracht gewesen“. Er habe Zweifel, ob die gewünschten Bewerber tatsächlich mit dem Hip-Hop-Kurzfilm angesprochen worden seien.

Daran hatte auch der Piraten-Abgeordnete Frank Hermann Zweifel, der den Beitrag als „keine Bereicherung für die Rap-Kultur“ und als Verherrlichung von Waffen bezeichnete. Für die Ansprache von Jugendlichen sei der Clip aber „nicht schlecht“. Die Grünen-Innenpolitikerin Verena Schäffer „fand das Video gar nicht so schlimm“, denn schließlich müsse die Polizei um Nachwuchskräfte werben.

Sie haben das Video noch nicht gesehen? Dann schauen Sie doch mal hier, solange es noch verfügbar ist...:

Quelle: wa.de

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