Plettenberger muss sich ab 2. August verantworten

Prozess um totes Pflegekind am Landgericht Hagen ist terminiert

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In der Notaufnahme des Klinikums Hellersen schöpfte eine erfahrene Ärztin bei der medizinischen Versorgung des 17 Monate alten Pflegekindes aus Plettenberg Verdacht auf eine Fremdeinwirkung. Der Pflegevater steht nicht zuletzt deshalb bald in Hagen vor Gericht.

Plettenberg -  Im größten Saal des Hagener Landgerichtes soll am 2. August der Prozess um das am 3. Januar getötete Pflegekind aus Plettenberg starten.

In den nächsten Tagen muss das Gericht noch prüfen, ob die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stichhaltig sind, doch das dürfte in diesem Fall wohl eher Formsache sein.

Marcus Teich, Vorsitzender Richter am Hagener Schwurgericht, handelte mit den beiden Anwälten des 30-jährigen Angeklagten aus Plettenberg insgesamt sechs Verhandlungstermine aus, die sich von Anfang bis Ende August erstrecken.

Nach dem Prozessauftakt am Freitag, 2. August, um 9.30 Uhr in Saal 201 – vorbehaltlich dem entsprechenden Abschluss des Zwischenverfahrens – geht es am 7., 9., 21. und 26. August jeweils um 9 Uhr in Saal 201 weiter.

Mögliche frühere Misshandlungen berücksichtigt

Verteidigt wird der Plettenberger von zwei Anwälten – dem Attendorner Rechtsanwalt Christoph Hilleke und Nikolai Odebralski aus Essen. Angeklagt wird der 30-Jähriger wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen (im August/September 2018) und wegen Totschlags in Tateinheit mit der Misshandlung von Schutzbefohlenen (am 3. Januar 2019).

Damit wird bei der Anklage berücksichtigt, dass der Pflegevater aus Plettenberg dem gerade einmal 17 Monate alten Pflegekind möglicherweise schon Monate vor seinem gewaltsamen Tod schreckliche Qualen zugefügt hat.

Besagte Vorwürfe beziehen sich nach Aussage von Landgerichts-Pressesprecher Bernhard Kuchler auf den Zeitraum zwischen August und September 2018. Die rechtsmedizinischen Ermittlungen ergaben, dass der Pflegevater das Kleinkind dabei „mindestens grob angefasst“ haben soll, was zu einem gebrochenen rechten Unterarm und einer Fraktur (Bruch) des linken Schienbeins führte.

Psychiatrischer Sachverständiger

Im Verlauf des im August beginnenden Prozesses soll auch ein psychiatrischer Sachverständiger angehört werden, der etwas zur Schuldfähigkeit des Angeklagten sagen soll.

Die Anklage wegen Totschlags, für den ein Strafmaß von fünf bis 15 Jahren Haft vorgesehen ist, fußt auf den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen, den rechtsmedizinischen Gutachten und einem Teilgeständnis des Angeklagten. Der Plettenberger hatte zunächst monatelang alles abgestritten. Später erklärte er sich dann über seinen Rechtsanwalt und gab an, „sich nicht genau erinnern zu können“.

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Ärztin schöpfte Verdacht

Die Pflegeeltern hatten das Pflegekind am Tattag zunächst selbst ins Plettenberger Krankenhaus gebracht. Von dort wurde es ins Lüdenscheider Klinikum gefahren, wo eine erfahrene Ärztin bei der Versorgung des Kleinkindes Verdacht schöpfte. Als der 17 Monate alte Junge für den Flug per Rettungshubschrauber in die neurochirurgische Abteilung der Uniklinik Essen transportfähig gemacht wurde, gab es einen wichtigen Vermerk der besagten Ärztin in der Patientenakte. Darin verwies sie darauf, dass die Verletzungssymptome auf eine Fremdeinwirkung hindeuten.

Aufgrund dieses entscheidenden Hinweises wurden die Pflegeeltern aus Plettenberg kurz nach der Ankunft in Essen von der Polizei festgenommen und müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Kampf um das Leben des Kleinkindes

Um das Leben des Kleinkindes wurde unterdessen in der Neurochirurgie des Uniklinikums Essen weiter gekämpft, doch um 4.44 Uhr erlag das Pflegekind dort am 3. Januar seinen schweren Kopfverletzungen, die ihm mit dem Rohr eines Staubsaugers zugefügt worden sein sollen. Zudem wurde ein Schütteltrauma diagnostiziert.

Je nach Verlauf des Schwurgerichtsverfahrens, in dem zunächst der Pflegevater angeklagt ist, muss auch die Pflegemutter noch mit einer Anklageerhebung rechnen.

Quelle: wa.de

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