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Die Uhr tickt: Heimische Region will sich erneut für Leader-Förderung bewerben

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Von: Jona Wiechowski

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Dr. Frank Bröckling unterstützt die Leader-Region mit seinem Büro Planinvent. Am Montag betreute er die Stellwand-Station „Zusammen leben, sich engagieren und Freizeit gestalten“.
Dr. Frank Bröckling unterstützt die Leader-Region mit seinem Büro Planinvent. Am Montag betreute er die Stellwand-Station „Zusammen leben, sich engagieren und Freizeit gestalten“. © Wiechowski

Was wünschen sich die Menschen in der Region für die Zukunft in puncto Arbeit, Wohnen und Freizeit? Einen Hinweis darauf lieferte die Auftaktveranstaltung zur Leader-Bewerbung der Lenneschiene für die neue Förderperiode (2023 bis 2027). Am Wichtigsten: Die Attraktivität der heimischen Region steigern, damit vor allem die Jugend nicht fortzieht.

Plettenberg/Lennetal – Gut drei Dutzend Interessierte waren dazu am Montag, 25. Oktober, in die Böddinghauser Aula in Plettenberg gekommen. Ob die Region wieder den Zuschlag erhält, wird allerdings erst im kommenden Frühjahr entschieden – und bis dahin ist noch viel zu tun.

Im Eingangsbereich des Albert-Schweitzer-Gymnasiums pinnten die Teilnehmer kleine Zettel an drei Stellwände mit den Schwerpunkten Arbeit, Wohnen und Freizeit.

Drei Themen und ganz viele Stichpunkte

Nina Krah vom Büro Plan-invent, das die Region als externer Berater unterstützt, präsentierte im Anschluss, was zum Thema Arbeit zusammengekommen war. „Attraktivität für jüngere Generationen steigern“ stand auf den Karten ebenso wie „Familie und Beruf zusammenbringen“, „E-Bike-Sharing“ oder „schnelles Internet“. Ein wichtiger Punkt waren auch Co-Working-Spaces, also Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Berufe zusammen arbeiten können. Oder Pop-Up-Stores. Mit diesen Läden können zum Beispiel neue Händler ausprobieren, ob ihr Konzept funktioniert.

Clarissa Zell, Regionalmanagerin der Leader-Region Lenneschiene, warf einen Blick auf die Wohnen-Tafel. Sie nannte bezahlbaren Wohnraum und alternative Wohnformen als wichtige Themen. Eine zentrale Frage sei auch, wie junge Leute in den Kommunen gehalten werden können. Auf den Karten fanden sich einige Antworten – zum Beispiel öffentliche Sportgeräte, Mehr-Generationen-Spielplätze oder das Steigern der innerstädtischen Aufenthaltsqualität.

Einen Kulturbus, mehr Gastronomie oder eine Ehrenamtsbörse, damit sich interessierte Menschen besser vernetzen können: Viele Stichpunkte gab es auch an der Stellwand, die mit „Zusammen leben, sich engagieren und Freizeit gestalten“ überschrieben war. Weitere Begriffe waren Heimatpflege, Denkmalschutz und Radwegekonzept.

Durch das EU-Förderprogramm Leader konnten in den vergangenen Jahren vielfältige Projekte entlang der Lenne verwirklicht werden. Da verwundert es nicht, dass es eine erneute Bewerbung zur nächsten Förderperiode der beteiligten Kommunen Iserlohn (Letmathe), Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl, Plettenberg und Finnentrop gibt.

Clarissa Zell, Regionalmanagerin der Leader-Region Lenneschiene, erklärte, dass für die aktuelle Förderperiode noch Fördergeld übrig ist.
Clarissa Zell, Regionalmanagerin der Leader-Region Lenneschiene, erklärte, dass für die aktuelle Förderperiode noch Fördergeld übrig ist. © Wiechowski

Als Moderatorin Nina Krah die Frage nach dem „Warum“ der Neubewerbung stellte, waren die Antworten eindeutig. Die Region habe das Potential, das Geld noch mal auszugeben, war sich Werdohls Bürgermeister Andreas Späinghaus sicher. Er ist zugleich Vorsitzender des Leader-Vereins, der die Entwicklung der Region steuert und umsetzt.

Nach einem eher zögerlichen Start, was das Interesse an Förderungen anginge, habe das Programm nun Fahrt aufgenommen, meinte Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte, der auch Schatzmeister des Leader-Vereins ist.

Bewerbungen: Die Uhr tickt

Ludwig Rasche, stellvertretender Vorsitzender des Leader-Vereins, sprach von „unheimlichen Möglichkeiten“ – vor allem auch für Vereine, die so größere Projekte anpacken könnten. „In den letzten Jahren haben wir sehr gute Netzwerke gebildet“, ergänzte Heiner Burkhardt, Sprecher der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG), die über die Projekte entscheidet.

Die Zeit für die Bewerbung zur nächsten Förderperiode rennt. Bis zum 4. März 2022 müsse sie eingereicht sein, erklärte Dr. Frank Bröckling vom Büro Planinvent. Herausforderung: Die Bewerbung sei aufwändig, müsse nicht zuletzt konkrete Ideen enthalten, was in der Region wie gemacht werden soll.

Die Konkurrenz-Situation zu anderen Bewerbern schätzte Bröckling als „nicht schlecht für uns ein“. Ein Grund: Der Geldtopf sei diesmal größer. Glückt die erneute Bewerbung, könnte im Januar 2023 durchgestartet werden – die Strukturen seien noch aus der vergangenen Förderperiode vorhanden und könnten sofort wieder aktiviert werden.

Für den Zeitraum 2023 bis 2027 würde es wieder 2,7 Millionen Euro geben, so Bröckling. Dazu kämen jährlich 200 000 Euro für Kleinprojekte. Auch positiv aufgenommen: Statt aktuell 65 Prozent, sollen zukünftig 70 Prozent der Projekte durch Leader getragen werden.

Themen vertiefen mit Workshops

Konkret waren die ersten Ideen der Teilnehmer am Montag noch nicht – und das mussten sie auch nicht. An drei Abenden sollen die einzelnen Themen mit Workshops noch vertieft werden, so Bröckling.

Die Termine dafür sind immer montags, immer ab 18.30 Uhr – und zwar wie folgt: Am 8. November geht es in der Aula der Sekundarschule Nachrodt-Wiblingwerde ums Wohnen. Eine Woche später, am 15. November, heißt das Thema im Ratssaal Letmathe Arbeiten. Im Zeichen von Freizeit wird der dritte Workshop-Abend am 22. November stehen, der im Ratssaal Finnentrop stattfinden wird. Zusammengebracht werden die Themen dann am 29. November – der Veranstaltungsort soll noch bekannt gegeben werden. Zur besseren Planung der Veranstaltungen wird jeweils um Anmeldungen vorab per Mail (info@leader-lenneschiene.de) gebeten. An allen Abenden gilt die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet).

Kontakt

Wer Fragen hat, kann sich bei Regionalmanagerin Clarissa Zell im Regionalbüro in Werdohl unter Tel. 0 23 92 / 80 66 54 21 oder per E-Mail (c.zell@leader-lenneschiene.de) melden.

Was ist Leader?

Leader ist die Abkürzung von „Liaison entre actions de développement de l’ Économie Rurale“ (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Es handelt sich um ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Lokale Arbeitsgruppen erarbeiten vor Ort Entwicklungskonzepte. Ziel: Die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung unterstützen.

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