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Planenschlitzer geschnappt - mögliche Tatorte in Hamm und Lüdenscheid

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Von: Lars Becker

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Mit solchen sichelförmigen Schnitten verschaffen sich die Täter einen Einblick auf die Ladeflächen der Lkw.
Mit solchen sichelförmigen Schnitten verschaffen sich die Täter einen Einblick auf die Ladeflächen der Lkw. © Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis

Hamm/Lüdenscheid - Die Polizei hat eine mutmaßliche Bande von "Planenschlitzern" ausgehoben. Geprüft wird, ob die rumänisch-stämmigen Verdächtigen für mehr als 200 Einzeltaten in ganz NRW verantwortlich sind, bei denen ein geschätzter Gesamtschaden von knapp einer Million Euro entstanden sein soll. Einzige Tatorte in Westfalen könnten auch die Raststätten Rhynern-Nord an der A2 (Hamm) und Schwiendahl an der A45 (Lüdenscheid) gewesen sein.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Diane Drawe, Leiterin der Pressestelle der Kreispolizeibehörde des Rhein-Kreises Neuss auf Anfrage, dass sich drei Tatkomplexe auf Hammer Stadtgebiet allesamt auf der Raststätte Rhynern-Nord abgespielt haben.

Im Oktober 2018 war ein ebenfalls aus Rumänien stammender und in Duisburg gemeldeter Planenschlitzer verurteilt worden, weil er ein Jahr zuvor 78 Fernseher von einem ebenfalls am A2-Rastplatz Rhynern-Süd geparkten Lkw stehlen wollte.

Es liegt zumindest der Verdacht nahe, dass der in Hamm verurteilte Rumäne aus der jetzt ausgehobenen Bande zuzuordnen sein könnte.

Zweiter Tatort im Stadtgebiet von Lüdenscheid

Der zweite Tatort in Westfalen, an dem die Bande zugeschlagen haben könnte, ist der Parkplatz Schwiendahl an der A45 in Fahrtrichtung Dortmund kurz vor der Anschlussstelle Lüdenscheid-Süd.

Hier sollen die Verdächtigen zwischen dem 6. und 8. April die Plane eines Lkw aufgeschlitzt und Beute gemacht haben.

Sichelartige Sichtschnitte gemacht

Die Mitte Januar 2019 eingerichtete Ermittlungskommission "Sichel" der Polizei im Rhein-Kreis Neuss und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfen laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Donnerstagmorgen darüber hinaus, ob die mutmaßliche Bande auch in Neuss, Wachtendonk und Erkrath aktiv war.

"Zu ihrer Beute gehören beispielsweise Babynahrung, Alkoholika und Metall. Der Name der Ermittlungskommission geht auf die sichelartigen Sichtschnitte zurück, die die Verdächtigen zu Beginn der Taten in Lkw-Planen geschnitten haben", so die Ermittler.

Insgesamt sieben Polizeibehörden involviert

Die zehn aktuellen Festnahmen und die damit verbundene mutmaßliche Aufklärung der Serie geht auf einen umfangreichen Polizeieinsatz in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auch mit Zivilkräften und einem Hubschrauber zurück. 

Beteiligt daran waren auch Beamte der Kreispolizeibehörden Aachen, Duisburg, Bochum, Bonn, Mettmann und Kleve.

Das passierte in der Nacht auf Donnerstag

Gegen 1.30 Uhr am frühen Donnerstag hätten Zivilkräfte einen verdächtigen Fiat Ducato observiert, der auf die Raststätte "Allenstein" in Gelsenkirchen an der A2 gefahren war. 

"Mehrere Verdächtige begaben sich offensichtlich zielgerichtet zu einem Lkw, öffneten die Plane und verluden Ware aus dem Lkw in den Fiat. Der angegangene Lkw hatte Zinn (in noch unbekannter Menge) geladen. An der Entladetätigkeit waren weitere Verdächtige beteiligt. 

Die mutmaßlichen Täter verließen mit dem Fiat Ducato und zwei BMW-Fahrzeugen den Parkplatz und fuhren über die A2. An der Anschlussstelle Duisburg-Baerl (A42) stoppten Polizisten den Fiat und nahmen den Fahrer fest. Der Wagen wurde samt Beute sichergestellt.

Sechs Personen aus zwei BMW festgenommen

Ein BMW mit zwei Insassen versuchte, sich dort der Kontrolle zu entziehen. Der Wagen fuhr bis zur Ottostraße, dort flüchteten der Fahrer und Beifahrer zu Fuß und der BMW rollte gegen einen geparkten Wagen. Die beiden Insassen dieses BMW konnten an der Ottostraße festgenommen werden. 

Unter Beteiligung eines Polizeihubschraubers nahmen die Zivilfahnder auch alle vier Insassen des zweiten BMW fest. Zu diesen Festnahmen kam es an der Anschlussstelle Duisburg-Homberg", teilten die Ermittler mit.

Wohnungen durchsucht und Beute sichergestellt

Und weiter: "Im Anschluss an die Festnahmen durchsuchte die Ermittlungskommission mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei gegen 5.30 Uhr fünf Wohnungen der Verdächtigen in Duisburg-Marxloh und Hochheide. Hierbei konnten drei weitere Verdächtige im Alter von 20, 31 und 38 Jahren festgenommen werden. 

Bei den Wohnungsdurchsuchungen stellten die Fahnder mögliche Beute unter anderem 27 Kisten Metaxa, Babynahrung, Kaffeepads sowie einen Elektro-Scooter sicher."

So kamen Ermittler auf die Spur der Bande

Erstmalig auf die Spur der mutmaßlichen Bande sei die Polizei nach einer Tat Ende 2018 in Dormagen-Nievenheim gekommen. Dort hatten die Tatverdächtige an den Raststätten Ost und West insgesamt 42 Lkw aufgeschlitzt und Tee entwendet.

Die Ermittlungskommission "Sichel" gehe nun der Frage nach, ob die Verdächtigen für insgesamt 31 Tatkomplexe mit mehr als 200 Einzeltaten (auch Versuche) in Betracht kommten. "Sofern sich dieser Verdacht bestätigt, wäre ein geschätzter Gesamtschaden von knapp einer Million Euro entstanden", heißt es abschließend.

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