Kaputtes Auto stand im Wald im Sauerland

Kehrtwende: 20-Jährige bestreitet Flucht vor Polizei - Bekannter (17) soll's gewesen sein

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Völlig neuer Sachverhalt: Dieser VW Touran wurde am 21. Januar offenbar doch nicht von einer 20-Jährigen aus Iserlohn gesteuert, sondern von einem 17-Jährigen aus Hemer.

[Update 15.16 Uhr] Völlig neuer Sachverhalt zur Verfolgungsfahrt aus Hemer und Balve vom 21. Januar: Der VW Touran wurde offenbar doch nicht von einer 20-Jährigen aus Iserlohn gesteuert, sondern von einem Freund (17) aus Hemer.

  • Eine Frau flüchtete vermeintlich vor der Polizei und stellte ihr defektes Auto im Wald bei Balve im Sauerland ab.
  • Einige Tage danach hat die 20-Jährige ihr anfängliches "Geständnis" jedoch revidiert.
  • Jetzt konzentrieren sich die Ermittlungen vierlmehr auf einen 17-Jährigen aus Hemer.

Balve/Hemer - Nächtliche Flucht vor der Polizei durch Hemer bis in den Wald auf der Stadtgrenze zu Balve, wo der Pkw mit aufgerissener Ölwanne liegen blieb: Diese Verfolgungsfahrt sorgte am 21. Januar für Aufsehen im Märkischen Kreis.

Acht Tage später hat die Polizei jetzt als Ergebnis der intensiven Ermittlungsarbeit einen gänzlich neuen Sachverhalt veröffentlicht. Denn am Steuer saß offenbar doch nicht die zunächst beschuldigte 20-Jährige aus Iserlohn, sondern ein 17-Jähriger aus Hemer.

Wie ist dieser neue Sachverhalt zustandegekommen? 

Die 20-jährige Iserlohnerin, gegen die Ermittlungen wegen eines illegalen Kraftfahrzeugrennens und eine Bodenverunreinigung laufen, sei von ihrer ersten Aussage abgerückt, so die Polizei.

"Sie gibt nun an, dass nicht sie, sondern ein 17-jähriger Bekannter am Steuer gesessen habe. Dieser sei in Hemer vor der Polizei davon gefahren und habe auch den Wagen ihrer Eltern in den Wald an der Stadtgrenze nach Balve gefahren", heißt es in einer Mitteilung von Mittwochnachmittag,

Die Polizei ermittele deshalb nun gegen den 17-jährigen Hemeraner: "Für ihn kommt eine Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis hinzu."

Die 20-jährige Iserlohnerin sei damit jedoch längst nicht aus dem Schneider, betonen die Ermittler. Denn: "Wer anderen die Fahrt ohne Fahrerlaubnis ermöglicht, dem drohen dieselben Strafen (Paragraf 21 Straßenverkehrsgesetz). Ihren Führerschein hat die 20-Jährige jedoch zunächst zurückbekommen."

Hier lesen Sie unsere Erstberichterstattung vom 21. Januar

Mit Vollgas flüchtete eine Autofahrerin im Sauerland mitten in der Nacht vor der Polizei. Ihr gelang es zwar, ihre Verfolger abzuschütteln. Doch das defekte Auto, das sie im Wald abstellte, führte die Ermittler auf ihre Spur. Nun drohen der jungen Frau bis zu zehn Jahre Haft. 

Nachdem sie einem Streifenwagen der Polizei die Vorfahrt genommen hatte, flüchtete mutmaßlich eine 20-jährige Pkw-Fahrerin am Freitag mit Vollgas durch Hemer. 

Die Frau aus Iserlohn entkam zwar, konnte aber nach Polizeiangaben noch am selben Tag ermittelt werden. Den Führerschein ist sie zunächst los. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens.

Verfolgungsjagd in Hemer und Balve

Alles begann am frühen Freitagmorgen um 1.15 Uhr, als ein dunkler VW einem Streifenwagen der Polizei an einem Kreisverkehr die Vorfahrt nahm. Der VW bog ohne zu blinken ab.

Die Polizeibeamtinnen wollten den Wagen anhalten. Doch die Fahrerin reagierte weder auf Anhaltezeichen, noch auf Lautsprecherdurchsagen und Blaulicht, sondern gab Gas. 

Fluchtauto hinterließ lange Ölspur

Dabei setzte die Verfolgte zwischendurch so hart auf, dass Funken sprühten und sich eine Radkappe verabschiedete. In einer Tempo 30-Zone brach der Streifenwagen zur eigenen Sicherheit die Verfolgung bei über 60 km/h ab. 

Rund um das Auto musste das von Öl verseuchte Erdreich abgetragen werden.

Trotz intensiver Suche mehrerer Polizeifahrzeuge blieb der Wagen verschwunden. Freitagmittag entdeckten Spaziergänger einen schwarzen VW Touran ohne Kennzeichen, aber dafür mit aufgerissener Ölwanne mitten im Wald an der Stadtgrenze zwischen Balve und Hemer. Er hatte eine mehrere hundert Meter lange Ölspur auf dem Waldwirtschaftsweg hinterlassen und war mit leerer Ölwanne im Wald stehen geblieben. 

Verseuchtes Erdreich weggebaggert 

Ordnungsamt, Feuerwehr Balve und Untere Wasserbehörde rückten aus. Ein Spezialunternehmen baggerte verseuchtes Erdreich ab und entsorgte es. Im Laufe der Arbeiten tauchten der Halter des Wagens und seine Tochter auf, die nach eigenen Aussagen gegenüber dem Ordnungamt und der unteren Wasserbehörde am Steuer gesessen hat. Der Touran musste abgeschleppt werden. 

Kamera-Aufnahmen ausgewertet

Einen Bezug zur nächtlichen Verfolgungsfahrt gab es zu diesem Zeitpunkt aus Sicht der Polizei noch nicht. Erst als Ermittler die Aufnahmen aus der Kamera im Streifenwagen auswerteten und die Kennzeichen feststellten, wurde der Zusammenhang deutlich. Die Beamten klingelten am Abend beim Halter.

Dessen Tochter gab gegenüber den Polizeibeamten an, sie habe am Steuer gesessen. Die Polizisten beschlagnahmten den Führerschein gegen ihren Willen.

Ermittlungen wegen illegalem Kfz-Rennen

Am Wochenende liefen die Ermittlungen weiter. Die Unterlagen liegen inzwischen bei der Staatsanwaltschaft. Es geht um das Ausrichten oder Durchführen eines nicht erlaubten Kraftfahrzeugrennens (Freiheitstrafe bis zwei Jahre oder Geldstrafe) und um Bodenverunreinigung (bis fünf Jahre Freiheitstrafe oder Geldstrafe), möglicherweise in einem besonders schweren Fall, weil der Pkw am Rand einer Wasserschutzzone stand (bis zehn Jahre Freiheitstrafe).

Quelle: wa.de

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