Selfies mit Patienten in der Notaufnahme - Klinikum feuert Pfleger

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An der UNi-Klinik Aachen wurden fünf Pfleger gefeuert, weil sie Selfies mit Patienten der Notaufnahme gemacht haben sollen.

AACHEN - Patienten in der Notaufnahme sind in der Regel nicht zu spaßigen Selfies mit dem Klinikpersonal aufgelegt. Im Aachener Universitätsklinikum müssen jetzt fünf Pfleger gehen.

Das Universitätsklinikum Aachen hat fünf Pflegekräften nach Selfies mit Patienten in der Notaufnahme gekündigt. Die Beschäftigten hätten mindestens zwei Selbstporträts mit Patienten und eine Videosequenz aufgenommen, teilte ein Sprecher der Uniklinik RWTH Aachen am Dienstag mit. Er machte aber keine Angaben dazu, ob die Menschen bei Bewusstsein waren. "Das ist eine absolute Grenzüberschreitung.

Man posiert nicht mit Schutzbefohlenen", sagte der Sprecher des Universitätsklinikums, Mathias Brandstädter. Nach Informationen von "Aachener Nachrichten" und "Aachener Zeitung" sollen Patienten für die Aufnahmen geschminkt und die Bilder über den Kurznachrichtendienst Whatsapp verbreitet worden sein.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Anfangsverdacht vorliegt

Die Staatsanwaltschaft Aachen prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt wie möglicherweise Beleidigung, Nötigung oder Verstoß gegen den Schutz vor heimlichen Bildaufnahmen. Das Klinikum wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu Einzelheiten äußern.

Weitere Informationen seien auch nicht aus Gründen des Persönlichkeitsrechts möglich. Laut Medienberichten sollen die Mitarbeiter für die Aufnahmen auch den Konsum von Drogen mit Gipspulver nachgestellt haben.

Durch das Fehlverhalten einzelner sei die engagierter Arbeit der Mehrheit in Misskredit geraten, stellte das Universitätsklinikum fest. Mit ihrem Verhalten hätten die Fünf gegen den Wertekanon des Hauses verstoßen, sagte Brandstädter.

Abhängigkeitsverhältnisse begünstigen Machtmissbrauch

Immer wieder komme es vor, dass Pflegekräfte und Ärzte schutzbedürftige Patienten in ihrer Würde verletzten, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Oft gebe es eine Gruppendynamik, bei der jeder den an anderen übertrumpfen wolle. Solche Fälle würden meistens nur aufgedeckt, weil Mitglieder aus dem Arbeitsteam eingriffen. "Problembewusstsein ist der erste Schritt, so etwas zu verhindern", sagte Brysch. Mitarbeiter müssten ermutigt werden, solche Probleme offen anzusprechen. Immer dann, wenn Menschen in einem "verletzlichen Abhängigkeitsverhältnis" seien - also auch in Alten-, Behinderten- oder Kinderheimen - sei die Gefahr groß, dass Helfer ihre Macht ausspielten.

Das 1985 eröffnete Universitätsklinikum Aachen ist eine der großen medizinischen Einrichtungen Europas. Das Haus mit 34 Fachkliniken deckt die komplette medizinische Versorgung ab.

Quelle: wa.de

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