Begründung des Pflegevaters: "Er war frech"

Zeuge sah Flecken im Gesicht: Wurde getötetes Pflegekind schon früher geschlagen?

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Vor dem Landgericht Hagen wird der Prozess gegen den Pflegevater am Mittwoch fortgesetzt.

Am Mittwoch wird um 9 Uhr vor dem Hagener Landgericht der Prozess gegen den wegen Totschlags angeklagten Plettenberger fortgesetzt. Der 30-Jährige soll seinem Pflegekind am 2. Januar so schwere Verletzungen – unter anderem mit einem Staubsauger-Endrohr – zugeführt haben, dass es in der darauf folgenden Nacht im Uniklinikum Essen verstarb.

Hagen/Plettenberg – Am zweiten Prozesstag könnte möglicherweise der psychiatrische Sachverständige Nikolaus Grünherz etwas zur Einschätzung des Angeklagten sagen, der am ersten Prozesstag auf eine Aussage verzichtet hatte. Doch für die sorgten zum Auftakt einige der sechs aufgerufenen Zeugen. 

So sagte eine 46-jährige Bürokauffrau aus, dass sie die Familie im Vorfeld der Tat rund zehn Mal besucht habe und diese einen glücklichen Eindruck gemacht habe. Das Pflegekind habe Probleme mit den Bronchien gehabt und sei entwicklungsverzögert gewesen. „Es hat lange gedauert, bis er sitzen konnte“, sagte die Zeugin, die von Verletzungen im Vorfeld aber nichts mitbekommen habe. 

Zeugin sah keine Überforderung

Dass der Junge eine Zeit lang nicht gekrabbelt sei – in diesem Zeitraum erlitt er möglicherweise Frakturen des Ellbogens und Schienbeins – habe ein Arzt damit erklärt, dass er „krabbelfaul“ sei. Der Angeklagte habe sich zwar viel um das Kind gekümmert, es aber auch manchmal aus einer Spielsituation herausgerissen. Dass er überfordert gewirkt habe, konnte die Zeugin allerdings nicht bestätigen. Den Angeklagten beschrieb sie in der Tatnacht am Krankenhaus auf Nachfrage des Gutachters als „sehr ruhig. Er hat nicht viel gesagt und war in sich gekehrt“, so die Zeugin. 

Bemerkenswert war in dem Zusammenhang die Aussage eines 48-jährigen Plettenbergers, der ein freundschaftliches Verhältnis zum Angeklagten gepflegt habe. „Er hatte für alles eine Lösung, war charakterstark und stets hilfsbereit“, so der Zeuge. Dass die Familie in Geldnot gewesen sei und deshalb auf das erhöhte Pflegegeld für das entwicklungsverzögerte Kind angewiesen war, konnte der Nachbar nicht erkennen. Gewundert habe ihn allerdings ein Satz des Pflegevaters, als er ihn einmal auf einige Flecken im Gesicht des Pflegekindes angesprochen habe. „Er war frech“, soll der Angeklagte damals gesagt haben. 

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Quelle: wa.de

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