Nackt auf dem Plettenberger Bahnsteig

"Bahnverkehr" der besonderen Art im MK: Verwirrung um Handyvideo

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Ein Bahnverkehr der besonderen Art fand am Freitag mitten auf dem Eiringhauser Bahnsteig statt. Die Polizei ermittelt in dem Fall.

Seit dem Wochenende kursiert in Plettenberg – und womöglich auch weit über die Stadtgrenzen hinaus - ein Video mit pikantem Inhalt. Zu sehen ist ein junger Mann mit heruntergelassener Hose beim Liebesakt mit einer Frau. Mitten auf dem Bahnsteig.

Plettenberg - Die knapp einminütige Sequenz zeigt das wenig romantische Liebesspiel an einer Wartebank des zu dem Zeitpunkt leeren Bahnsteigs in Plettenberg-Eiringhausen. Die Bewohner eines gegenüberliegenden Wohnhauses wurden Zeugen des Schauspiels und filmten den „Bahnhofsverkehr“ vom Balkon aus. 

Was danach passierte, blieb lange unklar. Klar ist aber eins: das Video verbreitet sich rasend schnell in diversen Whatsapp-Gruppen der Stadt. Mittlerweile ist auch der heimischen Kriminalpolizei das Video bekannt. Kriminal-Oberkommissar Mario Schroer nahm die Ermittlungen auf, da zweifelsfrei eine „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ bestehe. Doch ungeachtet des Liebesaktes in der Öffentlichkeit habe sich auch der Verbreiter des Videos strafbar gemacht, denn es bestehe das „Recht am eigenen Bild“. Und das Video verbreitete sich tausendfach. 

"Öffentlichkeitsfahndung hat ja in gewisser Weise schon stattgefunden"

Von einer Öffentlichkeitsfahndung wollte der Kriminalbeamte nach erster Aktenlage absehen. „Die Öffentlichkeitsfahndung hat ja in gewisser Weise schon stattgefunden“, so Schroer. Dennoch nahm er die Ermittlungen auf, um auch den Urheber des Videos ausfindig zu machen. 

Und der Kriminal-Oberkommissar wurde fündig. So habe ein Ehepaar in Eiringhausen die beiden Personen am Bahnsteig beobachtet. Die junge Frau auf dem Bahnsteig sei sehr angetrunken gewesen. Als es dann zum Geschlechtsakt gekommen sei, hätten die Zeugen im ersten Moment eine Vergewaltigung befürchtet und das Treiben per Handy gefilmt. Was dann geschah, war einerseits bemerkenswert, hinterließ aber weitere Fragen. Denn der Videofilmer beließ es nicht bei den Aufnahmen, sondern begab sich direkt danach selbst zum Bahnsteig. 

Mit dem Abellio-Zug in Richtung Siegen verschwand der junge Mann nach dem öffentlichen Akt auf dem Bahnsteig.

Nach den Angaben der Polizei habe der kurz zuvor in den Geschlechtsakt verwickelte junge Mann in dem Moment – es war Freitag gegen 19 Uhr – alleine den Abellio-Zug in Richtung Siegen bestiegen. Der Zeuge alarmierte daraufhin die Polizei und meldet dort eine hilflose Person. Den dann eintreffenden Polizeibeamten sagte der Zeuge aber nichts von seinem Video und dem Anfangsverdacht einer Vergewaltigung.

Die alkoholisierte junge Frau machte in dieser Hinsicht ebenfalls keine Angaben und sagte, dass sie auf einen Bekannten gewartet habe. Da es ihr augenscheinlich besser ging, bestieg sie den nächsten Zug in Richtung Altenhundem. Sie erwartet nun eine Anzeige wegen der Erregung öffentlichen Ärgernisses. Weiterhin versucht die Polizei, den jungen Mann ausfindig zu machen.

Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz

Eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz droht der Ehefrau des Zeugen. Denn die verschickte das Video nach der Rückkehr ihres Mannes an zwei Freundinnen mit dem Hinweis: „Schaut mal, was in Plettenberg am helllichten Tag passiert.“ Danach, so der Polizeibeamte, hätten die Freundinnen das Video an eine Whatsapp-Gruppe im Oestertal weitergeleitet. Und danach wurde das Video massenhaft weiterversendet. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wird die Polizei prüfen, ob auch gegen die beiden Freundinnen ermittelt werde. 

Bei der Zeugin des Vorfalls, die das Video in die Welt setzte, sei bei der Befragung viel Einsicht zu erkennen gewesen, dass es besser gewesen wäre, das Video der Polizei zu zeigen, statt es zu verschicken – ohne zu wissen, was dann damit passiert.

Info: Erregung öffentlichen Ärgernisses

Paragraph 183a StGB (Erregung öffentlichen Ärgernisses) bestimmt nachfolgendes: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafe bedroht ist“.

Info: Recht am eigenen Bild

Gemäß Kunsturhebergesetz kann ein Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild eine Straftat darstellen. Im Kunsturhebergesetz wird das Recht am eigenen Bild in Paragraph 22 wie folgt definiert: Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Das Kunsturhebergesetz sieht bei einem Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild als Strafe entweder einen Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor. Was im Einzelfall droht, hängt dabei von den individuellen Umständen ab.

Nicht das erste Video, das für Ärger sorgte 

Schon einmal hatte ein Handyvideo in Plettenberg und darüber hinaus für großen Wirbel gesorgt. Darauf war zu sehen, wie ein Polizist bei einer Kontrolle einen jungen Mann getreten hatte. 

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Quelle: wa.de

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