Ordensritter Lindner: "Du hast die Haare schön"

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AACHEN - FDP-Chef Lindner hat gewonnen - zumindest beim Saalpublikum der Ordensverleihung wider den tierischen Ernst. Vielleicht auch bei einem Grünen. Haarausfall verbindet schließlich.

FDP-Chef Christian Lindner kann Karneval. Die erste Büttenrede seines Lebens in Aachen ging am Ende fast im begeisterten Gejohle der Festgesellschaft unter. Als er bekannte, bei der eigenen Haarpracht etwas nachgeholfen zu haben - "Um liberales Wachstum zu generieren, ließ ich mir die Haare transplantieren" - sang der Saal spontan "Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön", und der Ritter swingte leicht mit. Lindner bekam am Samstagabend den Orden wider den tierischen Ernst.

Der Aachener Karnevalsverein nennt ihn Ritter Bambi, in Anlehnung an seinen Spitznamen aus der Politik. Doch damit soll nun Schluss sein: "Als Rehkitz muss ich den Platzhirsch geben." Als Hoffnungsträger hält er nach dem Wahldebakel der FDP im September die gelbe Fahne hoch und ging dafür nun sogar in Bütt. Der Lohn dafür ist die bundesweite Ausstrahlung der Lindner-Show an diesem Montagabend in der ARD (21.15 Uhr). So prominent ist die FDP nur noch selten im Programm vertreten, seit sie aus dem Bundestag flog.

Bei der Europawahl am 25. Mai geht es für die Liberalen um viel. Schafft die FDP nicht die für Europa notwendige Drei-Prozent-Hürde, wäre der Neuanfang verpatzt. "Du hast so viel auf den Schultern liegen, damit wird es eine Erleichterung sein", sagte der Präsident des Aachener Karnevalsvereins, Werner Pfeil, als er Lindner den Orden überreichte. Pfeil ist FDP-Kreisvorsitzender in Aachen - Parteifreunde unter sich.

Und so sieht sie aus, die außerparlamentarische Opposition auf der Karnevalsbühne: "Nun, kaum sind wir aus der Regierung raus, teilen die schwarzen Sheriffs wieder aus. Daten wollen sie auf Vorrat halten, sich in die Privatsphäre der Bürger schalten", spielte Lindner auf die Vorratsdatenspeicherung an. Die FDP hatte sich in der schwarz-gelben Koalition gegen die Vorratsdatenspeicherung gesperrt.

Der Grünen-Chef Cem Özdemir musste als Vorjahresritter die Laudatio auf Lindner halten. Der grüne Cem und der gelbe Christian - am Anfang zickten sie beide etwas herum. Lindner präsentierte den Zuschauern im Saal Özdemir als Bürgen für seinen Humor: "Ihn könnt Ihr - versag ich - erwürgen." Und Özdemir verstand seine Laudatio-Pflicht als gelb-blauen Kinnhaken.

Aber dann fanden sie doch ein paar Gemeinsamkeiten: die Kritik an den Rentenplänen der Großen Koalition, an der Vorratsdatenspeicherung und die Probleme mit dem Haarausfall: "Aber neben der anstehenden Ritterschaft verbindet uns eines jetzt schon: der Haarausfall", sagte Özdemir in seiner Laudatio. Während der Grüne auf die Entdeckung eines Öko-Mittelchens im Amazonas hofft, setzte Lindner auf eine eher technologische Lösung.

Zum Schluss sogar ein guter Rat für den Feuerwehrmann Lindner: Er solle gucken, dass ihm das Löschwasser nicht ausgehe. "Denn momentan müssten Sie wohl aus Mangel an Alternativen ihr eigener Nachfolger werden."

Das Angebot mit dem Erwürgen von Özdemir nahm Lindner dann auch noch zurück. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Cem und Christian sind jetzt Ritter der Aachener Tafelrunde. "Aachen schafft die gelb-grüne Wundermär", sagte Lindner. Und fast hätte man überhört, was er dann noch sagte: dass Karneval kein "leerer Wahn" sei.

Quelle: wa.de

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