Ökobauern sehen in NRW viel Potenzial

HAMM ▪ Ökologisch, regional und saisonal: Immer mehr Verbraucher achten darauf, dass die von ihnen konsumierten Lebensmittel diese Voraussetzungen erfüllen. „Leider entwickelt sich der Ökolandbau in NRW trotzdem nur sehr bescheiden“, stellt Heinz Josef Thuneke fest. Das treibe die Importquote weiter an, bemängelt der Landesvorsitzende von Bioland. Bei der Wintertagung des Anbauverbands in Hamm berät er derzeit mit 150 Berufsgenossen die Potenziale des Ökolandbaus in Nordrhein-Westfalen.

„Der Käufer ist da“, weiß Thuneke. „Nicht zuletzte Discounter haben maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Bio-Konsums.“ Seit Anfang der 1990er Jahre griffen mehr und mehr Kunden zu ökologisch erzeugten Äpfeln, Möhren und Co. Aber: „Wir nutzen die Marktchancen nicht“, spricht Thuneke mehr in Richtung Landespolitik als zu seinen Kollegen. 30 bis 40 Prozent der Bioprodukte, die in Deutschland über den Ladentisch gehen, müssten importiert werden. Bei Obst und Gemüse seien es 50 Prozent. Zuletzt habe kaum noch ein konventioneller Bauer die Umwandlung seines Betriebs in einen Biohof gewagt.

„Wir sind froh, dass die rot-grüne Landesregierung jetzt neue Anreize schafft“, blickt Thuneke auf die finanzielle Unterstützung. Mit zukünftig 400 statt 324 Euro pro Hektar würden landwirtschaftliche Nutzflächen gefördert. Beim Anbau von Erdbeeren, Birnen und Spargel, also Dauerkulturen, steige die Förderung von 1400 auf 1800 Euro pro Hektar. „Das Programm Ländlicher Raum und die Agro-Gentechnick: Unserer Meinung nach wichtige Punkte werden jetzt angegangen“, fasst Thuneke zusammen. Aufgeweckt habe die Politik sicher auch die Studie von Professor Ulrich Köpke von der Uni Bonn zur „Förderung des ökologischen Landbaus“, speziell im Vergleich mit dem europäischen Ausland.

Bei der laufenden Tagung stellt Köpke seine Ergebnisse vor – und spricht den Bioland-Bauern damit aus der Seele. Indem er Markt- und Flächenentwicklung gegenüberstellt, zeigt Köpke auf, welche Bedeutung die Förderung des Ökolandbaus hat: „Der jüngste Dioxin-Skandal war ein Aufmerker. Die Bürger schauen wieder genauer hin.“ Auch wenn es noch viel Nachholbedarf gebe, die Wertschätzung für frische Lebensmittel steige.

„Wertschätzung ist das Zauberwort“, ergänzt Heinz Josef Thuneke – zumal angesichts härtester Discount-Rabatte kaum ein Verbraucher mehr den wahren Wert einer Kohlrabi oder Kartoffel kenne. Für diejenigen, die höhere Preise für Bio-Lebensmittel bemängeln, wolle der Anbauverband jetzt deren Entstehungsbedingungen transparenter machen. Mehr Handarbeit bei der Feldarbeit, eine andere Tierhaltung und besseres Futter, all das sei deutlicher an die Öffentlichkeit zu bringen. „Bio-Käufer wollen nämlich wissen, dass sie durch ihr Handeln etwas gutes tun“, weiß Thuneke. ▪ Von Pia Käfer

Quelle: wa.de

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