Ölleck im Münsterland

Die münsterländische Idylle ist inzwischen Sperrgebiet

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Fachleute in Schutzkleidung untersuchen in Gronau den Austritt von Öl auf einer Weide.

GRONAU -Öl im Naturschutzgebiet, da klingeln alle Alarmglocken. Seit Wochen suchen Experten im Münsterland nach dem Leck. Bislang allerdings ohne jeglichen Erfolg.

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Die Namen der Wirtschaftswege klingen nach Idylle. Wo sich in Gronau-Epe in der Nähe zur holländischen Grenze Dachs- und Wacholderweg kreuzen, ist es seit drei Wochen aber vorbei mit der Ruhe. Abgesperrte Straßen, der Sicherheitsdienst schaut mürrisch, Warnschilder machen deutlich: Wer näher kommt, lebt gefährlich.

An drei Stellen ist hier Öl an der Erdoberfläche durchgesickert. Zuerst auf einer Rinderwiese, dann direkt im Naturschutzgebiet in einem angrenzenden Waldgebiet, zuletzt direkt auf dem Hof eines Landwirts. Die Tiere standen mit den Hufen in der Brühe. Nachdem sie das Öl-Wassergemisch getrunken hatten, mussten sie geschlachtet werden. Der Landwirt darf zwar auf sein Anwesen, geschlafen aber wird woanders. Die austretenden Benzol-Dämpfe sind lebensgefährlich.

In 1000 Metern Tiefe lagert Rohöl-Reserve

Warnschilder machen deutlich: Wer näher kommt, lebt gefährlich.

Tief unter der Erde lagert hier in 1000 Metern Tiefe ein kleiner Teil der deutschen Rohöl-Reserve. In einer Salzschicht sind durch den Abbau des Salzes Hohlräume entstanden. Die werden genutzt, um Öl zu lagern. Um den wertvollen Schatz auch nutzen zu können, sind die Hohlräume mit Rohrleitungen verbunden. Angebunden ist das Ganze auch über eine Pipeline an das bundesweite Netz. Hier soll alles dicht sein. Gutachter und Sachverständige haben alles überprüft. Diese Aussage galt aber auch bereits im Februar, als die Messtechnik für eine der Kavernen einen Druckabfall anzeigte. Der Betrieb ging damals nach einer Überprüfung weiter.

Am Geld soll die Suche nicht scheitern

Wo ist jetzt das Leck? Sickert das Öl ganz tief aus der Kaverne nach oben? Oder aus einem der Rohre, die nach oben führen? Über 100 Mitarbeiter und Experten sind auf dem Gelände unterwegs. In Schutzanzügen und zum Teil mit Atemschutz. "Gibt es irgendwo auf der Welt etwas, was wir hier gebrauchen können?", fragt Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) am Freitag die Verantwortlichen vor Ort.

Seit Anfang der Woche arbeitet sich ein Spezialbohrer in die Tiefe, um den Experten Hinweise auf die Ursache zu liefern.

Am Geld soll die Suche nicht scheitern, sagt der Minister, der auch für das Thema Energie verantwortlich ist. Noch aber sind die Experten ratlos. Es gibt Anzeichen, Vermutungen verdichten sich. Bei einer Bohrung fanden sich in 17, 31 und 53 Meter Ölspuren. Bei einer zweiten Bohrung war nach 25 Meter Öl in der Erde. Die Geologen müssen jetzt bewerten, was die Funde zu bedeuten haben. Eine der Kavernen rückt immer mehr in den Blickpunkt. Genau die, die bereits vor Monaten überprüft wurde.

Duin weist Forderungen nach schnellen Konsequenzen zurück

Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat Forderungen nach schnellen Konsequenzen nach dem Rohöl-Fund zurückgewiesen. "Es geht hier nicht um Spekulationen. Erst wenn wir die Ursache für diese Umweltverschmutzung kennen, können wir uns weiter unterhalten. Wenn es dann tatsächlich an der Salzlagerung liegt, bin ich der erste, der bereit ist zu diskutieren", sagt Duin.

Eine große Sorge gilt dem Grundwasser

NRW-Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD,li.) und Dezernent Peter Dörne schauen sich die Umweltverschmutzung durch Öl auf einer Weide an.

Eine große Sorge gilt dem Grundwasser. An den drei Stellen sind insgesamt bisher rund 52 Kubikmeter Öl ausgesickert. Das entspricht etwa drei Lkw-Ladungen. Nach Berechnungen der Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Bergbau-Behörde könnten bis zu 200 Kubikmeter Öl ausgelaufen sein.

"Das ist aber nur eine Schätzung über die mögliche Menge, wir wissen nicht, wieviel es tatsächlich sind", sagt Sprecher Andreas Nörthen am Freitag. Um den Fluss des Öls in Richtung Grundwasser zu verhindern, entsteht eine 1500 Meter breite und bis zu 3,50 tiefe Schutzwand. Ob das reicht? Schulterzucken bei den Experten. Täglich wird das Grundwasser an 31 Stellen kontrolliert. An vier Stellen wurde bisher Öl im Grundwasser nachgewiesen. - lnw

Quelle: wa.de

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