Hannelore Kraft: Selbst von der Kanzlerin kam ein Glückwunsch

DÜSSELDORF/BERLIN - "NRW im Herzen" hatte die SPD auf ihre Wahlplakate mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gedruckt. Mit ihrem Triumph bei der Landtagswahl ist die 50-Jährige endgültig zur Herzdame der Sozialdemokraten geworden - nicht nur in NRW.

Von Claus Haffert

Selbst die Kanzlerin zog vor Hannelore Kraft den Hut. Der Wahlsieg der SPD in Nordrhein-Westfalen habe "ganz klar mit der Spitzenkandidatin zu tun", analysierte Angela Merkel am Montag die Gründe für das CDU-Debakel und schickte einen Glückwunsch an die andere starke Frau in der deutschen Politik. Ob sie sich Kraft als SPD-Kanzlerkandidatin wünsche, ließ die CDU-Chefin lieber offen.

So wie Merkel sehen es auch Wahlforscher, Medien und natürlich die Sozialdemokraten. Der SPD-Sieg an Rhein und Ruhr ist vor allem ein persönlicher Triumph der Ministerpräsidentin. Niemand hat vom Experiment Minderheitsregierung so profitiert wie Kraft. Die 50-Jährige schaffte es in nur zwei Jahren, sich das Image der "Landesmutter" zu erarbeiten.

Während ihr CDU-Herausforderer Norbert Röttgen im Wahlkampf Fehler um Fehler beging, eroberte Kraft Fußgängerzonen und Schrebergärten. Im Straßenwahlkampf stimmte sie auch schon mal in das Volkslied "Kein schöner Land in dieser Zeit" ein. Viele erinnerte dieser Wahlkampfstil an die SPD-Ikone Johannes Rau. Auch der verstand es, Angriffe der Opposition wegzumenscheln.

Kraft ist eine Frau aus dem Ruhrgebiet, Straßenbahnertochter, die erste in ihrer großen Mülheimer Familie, die Abitur gemacht hat. "In der Schule unterkriegen lassen war natürlich nicht", erzählt sie über ihre Schulzeit. "Also biss ich mich durch."

Erst 1994 trat sie in die SPD ein, sparte sich aber "die Ochsentour" durch Ortsvereine und Seilschaften. Schon 2000 kam sie in den Landtag, wurde gleich in ihrer ersten Wahlperiode Ministerin. Richtig los ging die Karriere nach dem Machtverlust der SPD bei der Landtagswahl 2005. Als nur noch Scherben aufzulesen waren, machten die verstörten Genossen sie erst zur Fraktions- und 2007 auch zur Landesparteivorsitzenden. Nach einer weiteren schweren SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 ging Krafts Aufstieg weiter - zur Vizechefin der Bundespartei.

"Trümmerfrau des SPD" wurde sie damals genannt. Wenig brachte Kraft als Oppositionsführerin im Landtag so auf die Palme, wie der Versuch von Jürgen Rüttgers, sich das Erbe von Johannes Rau anzueignen. Der CDU-Ministerpräsident hatte sich nach seinem Sieg 2005 zum "Vorsitzenden der Arbeiterpartei in Nordhrein-Westfalen" ausgerufen. Seit Sonntag ist klar: Die Erbin von Rau ist Hannelore Kraft. - lnw

Quelle: wa.de

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