Norbert Röttgen - die Allzweckwaffe der CDU

DÜSSELDORF/BERLIN  - An Norbert Röttgen werden hohe Erwartungen geknüpft: Nach dem beschlossenen Atomausstieg soll der Bundesumweltminister die Energiewende in Deutschland einleiten. In Nordrhein-Westfalen soll er am 13. Mai die Landtagswahl gewinnen und ein rot-grünes Wechselsignal für den Bund abwenden.

Von Georg Ismar und Bettina Grönewald

Von manchen wird der Herausforderer von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zudem als „Kronprinz“ für das Kanzleramt gehandelt. Dass der 46-jährige CDU-Bundesvize sich das zutraut, ist kein Geheimnis. Mit geschliffener Rhetorik, nüchternem Intellekt und fachlicher Tiefe hat sich der promovierte Jurist als einer der begabtesten Politiker Deutschlands profiliert. Er steht für einen Modernisierungskurs und Annäherung an die Grünen. Gerade bei den Konservativen in der Union ist er damit nicht immer wohlgelitten. Aus seinem Landesverband wurde unter anderem der umstrittene Vorstoß für flächendeckende Mindestlöhne lanciert. Nach Atomausstieg und Bundeswehrreform könnte damit ein weiteres CDU-Dogma über den Haufen geworfen werden. Entgegen der Kanzlerinnen-Linie sprach sich Röttgen im Wahlkampf zudem für eine Erhöhung der Pendlerpauschale aus. Bislang hatte der Umweltminister dagegen auf Alternativen zum Öl statt auf Subventionen gesetzt.

Röttgens Wahlkampfstart war holprig. Seine Weigerung, sich auch im Falle einer Niederlage klar für Nordrhein-Westfalen zu entscheiden, brachte ihm viel Kritik ein - auch aus den eigenen Reihen. Mit einem Trommelfeuer an Pressekonferenzen setzte er aber nach und nach erfolgreich andere Nachrichten. Kopf für Kopf stellte er sein Schattenkabinett vor und ersetzte damit zunehmend die Düsseldorf-Berlin-Debatte um seine Person. Bei seinem politischen Aufstieg hat der Vater von drei Kindern mehrere Parteifreunde ausgebootet. Zuletzt ließ er 2010 bei einer Urwahl um die Nachfolge von Jürgen Rüttgers als Landesparteichef Armin Laschet hinter sich. Mit dem mitgliederstärksten Landesverband sicherte er sich eine starke Hausmacht. Nun stellt sich der in Königswinter lebende Rheinländer erstmals einer breiten Öffentlichkeit zur Wahl. Sein Credo lautet: „Politik aus den Augen unserer Kinder machen.“ Röttgen war es, der nach den Kernschmelzen von Fukushima den Atomausstieg vorantrieb und in der schwarz-gelben Koalition mit durchsetzte. Der Ausgang der NRW-Wahl dürfte über seine weiteren Ambitionen entscheiden. Scheitert er und setzt auf seine „Rückfahrkarte“ nach Berlin, käme er zur Freude mancher „Parteifreunde“ als geschwächter Minister zurück. - dpa

Quelle: wa.de

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