Die Linke im Stimmungstief - Lähmendes Entsetzen

Katharina Schwabedissen und Wolfgang Zimmermann

DÜSSELDORF - Schon im Vorfeld ist die Stimmung unter den Anhängern der Linkspartei nicht gerade überbordend. Bis kurz vor 18 Uhr - dem Zeitpunkt der ersten Prognose zur Landtagswahl - sitzen die meisten an diesem Sonntag noch vor der Kneipe in Düsseldorf-Unterbilk.

Von Michael Bosse und Eliza Cloppenburg

Viele diskutieren schon vor der Bekanntgabe der ersten Zahlen, warum es diesmal nicht zu einem Einzug in den Landtag reicht. „Ich glaube nicht, dass es reicht!“, sagt eine Besucherin. So schlecht ist die Stimmung, dass manche an diesem Wahltag schon über eine „4 vor dem Komma“ froh wären. Nicht im Landtag, aber immerhin achtbar geschlagen, das ist die Hoffnung unter den Genossen. Derweil klingt Bluesmusik aus der Kneipe - auch nicht gerade ein Stimmungsaufheller.

Als dann die erste Prognose über den Bildschirm flimmert, werden die schlimmsten Befürchtungen wahr. 2,5 Prozent in NRW, die Partei fliegt nach nur zwei Jahren wieder aus dem Landtag. Völlig konsterniert blicken die Linken-Anhänger auf die Leinwand. Den meisten schnürt der Schreck die Kehle zu, nur wenige sagen etwas: „Nein“, ruft einer. „Das gibt es doch nicht, ich will andere Zahlen“, sagt eine andere Besucherin lakonisch.

Aber nicht nur den Besuchern der Wahlparty verschlägt es die Sprache, auch die Prognose auf der Leinwand kommt ohne Ton daher. Wegen möglicher Rückkopplungen mit den übertragenden Fernsehteams war der Kommentar zum Wahlausgang schon vorab ausgestellt worden. Die Linken-Anhänger müssen das Elend in aller Stille über sich ergehen lassen, der ungetrübte Blick auf die Prozentzahlen schlägt umso ernüchternder auf die allgemeine Stimmung.

Linken-Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen spricht ihrer Partei Mut zu und setzt auf das Prinzip Hoffnung. „Unsere Themen waren richtig - und wir werden nicht aufhören“, ruft die 39-Jährige ihren Anhängern zu. Die Linke bleibe als politische Kraft in vielen Kommunalparlamenten. Zudem könne die Partei weiter „Widerstand leisten gegen die bestehende Politik“. Schon am kommende Wochenende wolle man sich an Bankenprotesten in Frankfurt beteiligen.

Für den stärksten Applaus und die meisten Emotionen sorgt an diesem Abend aber der Besuch des früheren Fraktionsvorsitzenden der Linken, Wolfgang Zimmermann. Wegen einer schweren Krebserkrankung hatte sich der 62-Jährige schon kurz nach Beginn des Wahlkampfs zurückgezogen. „Wir haben gemeinsam gekämpft und gemeinsam verloren“, sagt er mit geschwächter Stimme. Es gehe nun darum, gründlich zu analysieren, was zu dem Ergebnis geführt hat. Im Übrigen gelte: „Der außerparlamentarische Kampf geht weiter.“ Doch neben den Worten Zimmermanns rührt vor allem sein Erscheinen die Linken-Anhänger. „Hauptsache, dir geht es gut“ - sagt eine Genossin zu Zimmermann. Viele Menschen muss der 62-Jährige an diesem Tag umarmen.

Die Stimmung der Linken bewegt sich ansonsten in etwa auf dem Niveau ihres Wahlergebnisses. Doch ein kleiner Lichtblick bleibt: Sahra Wagenknecht erscheint gegen 19.30 Uhr und spricht ihren Anhängern Mut zu. „Eine Niederlage ist kein Ende“, sagt sie, die Genossen sollten sich davon nicht runterziehen lassen: „Die Linke wird gebraucht in Deutschland!“ Als Grund für die Niederlage macht sie auch die „Zerstrittenheit“ auf Bundesebene aus. Wagenknechts Worte heben die Stimmung zumindest zeitweise. „Sahra, Sahra“, ruft ein Besucher, andere stimmen nach der Rede der Frontfrau der Linken gar die Internationale an.

5,6 Prozent hatte die Linke bei der Landtagswahl 2010 erreicht und war erstmals als Fraktion in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. In dem zurückliegenden Wahlkampf hatte die Partei vor allem mit der Frage der sozialen Gerechtigkeit punkten wollen. Neben gebührenfreien Kita-Plätzen warb die Partei vor allem mit der Bekämpfung der Leiharbeit und einer Millionärssteuer. Doch beim Wähler fand sie damit kein Gehör. - dapd 

Quelle: wa.de

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