Thema Pferdefleisch

Remmel: Herkunftsangabe für verarbeitete Produkte

DÜSSELDORF - Der Pferdefleisch-Skandal hat Lücken aufgedeckt. NRW-Minister Remmel fordert neue Regelungen für eine bessere Kontrolle.

Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) fordert im Lichte des Pferdefleisch-Skandals eine Herkunftsangabe für verarbeitete Produkte. "Hierzu muss es auf europäischer Ebene einen klaren Vorstoß geben", sagte Remmel am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. "Die verzweigten Lieferwege zeigen, wie notwendig ein solcher Schritt ist." Eine Herkunftskennzeichnung müsse für Fleisch- und etwa auch Eierprodukte eingeführt werden.

Johannes Remmel

Auch die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel müsse verbessert werden, sagte Remmel. "Behörden und Verbraucher müssen rasch und möglichst auf einen Blick nicht nur erkennen können, woher ein Produkt oder Rohstoff kommt, sondern auch, welchen Weg er bis in den Laden genommen hat." Pferdefleisch sei offenbar über die Umwege Zypern, Frankreich und Luxemburg nach Großbritannien und Deutschland gekommen. "Hier müssen Handel und Ernährungsindustrie umdenken."

Lesen Sie zum Thema weitere Berichte in unserem "Deutschland-Ressort".

Außerdem müsse eine Meldepflicht von Unternehmen bei gravierenden Verstößen gegen die Lebensmittelkennzeichnung eingeführt werden, forderte Remmel. Durch eine fehlende Meldepflicht hätten die Behörden erst spät von dem Pferdefleisch-Skandal erfahren. "Einige Unternehmen hatten schon Anfang Februar oder sogar früher erste Verdachtsmomente und stille Rückrufe der Produkte unternommen."

Remmel verwies darauf, dass die Behörden aufgrund einer Gesetzeslücke derzeit nicht die Möglichkeit hätten, die Verbraucher konkret über solche Kennzeichnungsverstöße zu informieren. "Da von den Produkten nach bisherigem Stand keine akuten Gesundheitsgefahren ausgehen, ist eine Nennung rechtlich nicht zulässig."

Remmel bedauerte, dass die von ihm vom Handel geforderte zentrale Internet-Plattform über Rückrufe und Verkaufstopps für Kunden nicht eingerichtet werde. Die Verbraucher müssten auch selbst überprüfen können, ob sie noch verdächtige Produkte in ihren Kühlschränken haben. "Die Gespräche zwischen den Verbänden und Firmen sowie den Behörden sind vorerst gescheitert. Ich verstehe nicht, warum der Handel den Verbrauchern hier nicht entgegenkommt."

Es müsse auch geprüft werden, ob der Bußgeldkatalog und auch strafrechtliche Vorschriften ausreichend seien, sagte Remmel. "Die Bußgelder und das Strafrecht müssen eine abschreckende Wirkung haben, Unrechtsgewinne müssen wie im Kartellrecht abgeschöpft werden können." - lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare