Zeitnahe Reformen geplant

NRW-"Turbo-Abi" soll besser werden - Keine Kehrtwende

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[UPDATE 16:30] DÜSSELDORF - Keine Kehrtwende, aber Reformen: Das Abitur nach schon acht Jahren bleibt. Doch der Weg dahin soll den Schülern etwas geebnet werden.

Vom kommenden Schuljahr an sollen Schüler in Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zum Abitur entlastet werden. Bis dahin sollten Reformen für eine Verbesserung des achtjährigen Gymnasiums greifen, kündigte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Dienstag im Sender WDR 2 an. Dass dies überall ankomme und verbindlich umgesetzt werde, sei "der Hauptkraftakt, der jetzt ansteht".

Am Montagabend hatte sich ein Runder Tisch mit Interessenvertretern aus Schulen, Politik und weiteren gesellschaftlichen Bereichen mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, nicht zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückzukehren. Damit ist aber die Grundsatzdebatte um G8 oder G9 keineswegs gestorben.

Gegen Schule als "Druckpresse für Humankapital"

Die Jugend-Organisationen von SPD und Grünen stehen bei der Reform des Turbo-Abiturs nicht hinter der Regierung. Sowohl die Jusos als auch die Grüne Jugend in NRW fordern eine Rückkehr zu G9. Der gesteigerte Stress seit Einführung der Schulzeitverkürzung 2005 sei nicht zu leugnen, stellten beide in einer gemeinsamen Mitteilung fest. "Schule darf nicht die Druckpresse für Humankapital sein, auf dessen schnellstmögliche Verwertung die Wirtschaft gierig wartet."

Am ersten Dezember-Wochenende werden sich SPD und Grüne auf kleinen Parteitagen mit den Empfehlungen des Runden Tisches befassen. Erst dann werde die Partei sich endgültig positionieren, versicherte der Vorsitzende der NRW-Grünen, Sven Lehmann. "Grünes Ziel ist und bleibt, dass Schule ein Ort des Lebens und Lernens sein soll."

Reform statt Rückkehr

In beiden Parteien ist allerdings kein Schwenk zur Abschaffung von G8 zu erwarten. Der Runde Tisch empfiehlt stattdessen, Schüler von übermäßigen Hausaufgaben, überfrachtetem Lehrstoff und zu viel Unterricht am Nachmittag zu befreien.

Zwar seien die Lehrpläne in den vergangenen Jahren bereits überarbeitet worden, erklärte Löhrmann. "Aber die Umsetzung ist noch nicht überall angekommen." Neue Erlasse sollen im kommenden Jahr für Verbindlichkeit sorgen. Dabei setze sie darauf, dass der Landtag noch in diesem Jahr zu einer breit getragenen Leitentscheidung zu den Reformen komme, sagte Löhrmann.

CDU und FDP drücken aufs Tempo. Es sei bereits zu viel Zeit vertan worden anstatt zu handeln, kritisierte CDU-Oppositionsführer Armin Laschet. Die Bildungsexpertin der FDP-Fraktion, Yvonne Gebauer, warnte: "Verbesserungen für die Gymnasien dürften nicht durch innerparteiliches Schaulaufen verzögert werden."

Gewerkschaften fordern längere Sekundarstufe 1

Die Piraten vermissen "Visionen von einer Schule 2025". Statt über innovative Modelle des Gymnasiums zu diskutieren, gehe es lediglich um "Schönheitsreparaturen und ein herzliches "Weiter so"", kritisierte die schulpolitische Sprecherin der Piratenfraktion, Monika Pieper.

Die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE sehen noch Korrekturbedarf an einem "Konstruktionsfehler" des G8: "Immer noch ist die Sekundarstufe I im Gymnasium fünf Jahre lang, während sie in den anderen Schulformen über sechs Jahre geht", bemängelte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann in einer Mitteilung. Beide Verbände forderten eine sechsjährige Sekundarstufe I für alle Schulformen. Nur so könne ein durchlässiges System geschaffen werden, dass Schulformwechsel erleichtere.

Quelle: wa.de

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