Bochumer wollen erneut über Tarifvertrag abstimmen - Opel lehnt ab

+
NRWs Regierung diskutiert heftig über Job-Perfspektiven für die Bochumer "Opelaner".

[UPDATE 16.30 Uhr] DÜSSELDORF - Nur die Bochumer Belegschaft hat den Sanierungsplan bei Opel abgelehnt, die Mitarbeiter der anderen deutschen Werke stimmten zu. Die Folge: Ende 2014 läuft die Autoproduktion in Bochum aus. Nun wünschen sich viele eine neue Abstimmung. Opel ist dagegen.

Immer mehr Opel-Mitarbeiter in Bochum wollen angesichts des nahenden Endes der Autoproduktion am Standort ihr Nein zum Sanierungstarifvertrag für den Autobauer korrigieren. Im März hatten sie den Plan abgelehnt, der eine Verlängerung der Autoproduktion um zwei Jahre bis Ende 2016 vorsah. Inzwischen wünschen sich nach Gewerkschaftsangaben viele Mitarbeiter eine erneute Abstimmung.

"Wir werden von zahlreichen Mitgliedern bei Opel angesprochen, die zwischenzeitig das Verhandlungsergebnis neu bewerten", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall in NRW, Knut Giesler, am Donnerstag. Ein Gewerkschaftssprecher sagte: "Viele Beschäftigte haben geglaubt, dass das nicht das letzte Wort ist." Für sie werde die Perspektive nun realer, dass 2014 wirklich Schluss sei. Zuvor hatten die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichtet.

Lesen Sie hierzu auch:

Opel schließt Werk in Bochum

Trotz GM-Investition für Opel: Keine Hoffnung für Bochum

Eine neue Abstimmung lehnt die Adam Opel AG aber ab. "Mit jeder neuen Diskussion und jeglicher Verzögerung verschwenden wir nur wertvolle Zeit", schrieb der Bochumer Werksleiter Manfred Gellrich in einem Brief an die Mitarbeiter. In der Opel-Zentrale in Rüsselsheim wird die Debatte über eine neuerliche Abstimmung als unsinnig zurückgewiesen. Das Votum sei ein demokratischer Akt gewesen, alle Fakten hätten auf dem Tisch gelegen.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel trat der Kritik entgegen, er habe die Opel-Mitarbeiter vor der Abstimmung nicht ausreichend informiert. "Die Bochumer Belegschaft war die bestinformierte und die einzige, die den Tarifvertrag vollständig vorliegen hatte", sagte Einenkel der dpa. Von Tendenzen in der Belegschaft, die Abstimmung zu wiederholen, wisse er nichts.

In Bochum sollen nach dem Ende der Autoproduktion möglichst viele alternative Industriearbeitsplätze entstehen. "Klar ist: Bochum wird eine Perspektive haben und die Beschäftigten werden eine Perspektive haben", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in einer Aktuellen Stunde des Landtags. In dem Bochumer Werk sind derzeit noch 3200 Mitarbeiter beschäftigt. Nach heutigem Stand werden ab 2015 nur noch rund 420 Menschen in einem Warenverteilzentrum arbeiten.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wies Vorwürfe zurück, sie persönlich habe sich nicht ausreichend für die Opelaner engagiert. Sie nehme ihre persönliche Verantwortung wahr. Aber: "Wir sind nicht die, die die großen Showtermine suchen." Solidarität bedeute, direkt mit der Belegschaft zu sprechen - ohne laufende Kameras.

CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann hielt Kraft vor, anders als die Regierungschefs der übrigen Bundesländer mit Opel-Standorten habe sie das Thema nicht zur Chefsache gemacht. Nun müsse sie sich persönlich dafür einsetzen, dass es zu einer verlässlichen Vereinbarung für möglichst viele Arbeitsplätze in Bochum komme. FDP-Fraktionschef Christian Lindner warf Kraft vor, sie trage eine Mitverantwortung für das Nein Opelaner zum Sanierungsplan. Kraft hätte zwischen Management und Belegschaft vermitteln müssen. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare