NRW-Ministerien kommen nur langsam zu Facebook und Twitter

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In der NRW-Regierung sind die „Twitterer“ noch eher die Ausnahme.

DÜSSELDORF - Politik im Internet: Der Erfolg der Piratenpartei in Berlin gilt als deutliches Signal dafür, dass Regieren und Opponieren nicht an der digitalen Welt vorbeikommen. Aber offizielle Stellen machen um trendige Kommunikationskanäle wie Twitter oder Facebook noch immer einen Bogen – auch die meisten Ministerien in Nordrhein-Westfalen.

Neun Ministerien kommen lieber ohne aus, nur drei machen mit: Die Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) lässt ab und an bei Twitter und im sozialen Netzwerk Facebook von sich lesen, ebenso das Wissenschaftsministerium. Das Umweltministerium ist seit kurzem bei Twitter zu sehen, Facebook wird noch gemieden. Kraft verbreitet zudem regelmäßig Videobotschaften im Netz.

Über Twitter können Mitglieder Nachrichten mit einer Länge von maximal 140 Zeichen verschicken. Außerdem lesen sie sämtliche Mitteilungen anderer Teilnehmer, denen sie folgen. Bei Facebook kann man Texte an eine virtuelle Pinnwand schreiben, Freunde auf interessante Links hinweisen oder Bilder und Videos hochladen.

Facebook und Twitter geben uns die Gelegenheit, ganz aktuell und gezielt auf neue Informationen hinzuweisen“, sagt Regierungssprecher Thomas Breustedt. Nutzer hätten die Möglichkeit, diese Informationen zu kommentieren und so ihre Fragen, Meinungen und Anregungen mitzuteilen. „Bei klassischen Websites ist das häufig nicht der Fall.“ Beim Umweltministerium heißt es, man habe das Twitter-Profil gestartet, weil sich das einige Bürger gewünscht hätten.

Experten sind geteilter Meinung über den Nutzen für die Bürgerkommunikation der Behörden.

Stefan Laurin vom Journalisten-Blog „Ruhrbarone“ sieht bei Twitter und Facebook „sehr gute Dialogmöglichkeiten“, die er jedem Ministerium empfehlen wolle.

Bürger würden dort eher etwas schreiben als per Mail oder mit der Post. Man müsse sehen, wie die Ministerialbeamten auf Anfragen reagierten.

Thilo von Pape hingegen glaubt, der Nutzen werde überschätzt. Der Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim sagt, bei Twitter seien hauptsächlich Journalisten und andere Multiplikatoren aktiv. „Man erreicht sehr wenig Privatleute.“ Trotzdem sei ein Ministeriumsangebot dort „mittelfristig sinnvoll“.

Bei Facebook seien mehr Bürger angemeldet, allerdings informierten sich dort nur diejenigen Menschen bei den Ministerien, die ein besonderes Interesse daran hätten.

„Damit erreicht man auch nicht die große Masse“, urteilt von Pape. Facebook sei dann interessant, wenn Nachrichten der Ministerien auch über den engen Kreis von Interessierten hinaus verbreitet würden – etwa bei kontroversen Themen wie Stuttgart 21. „Dann kann das extrem durchschlagen.“ „Es ist nicht so, dass wir es ablehnen“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums, einen speziellen Grund für das Fernbleiben gebe es nicht.

Das Innenministerium bereitet einen Auftritt in den sozialen Netzwerken vor: „Wir erhoffen uns einen besseren Zugang zu der jüngeren Zielgruppe“, sagt ein Sprecher. Beim Gesundheitsministerium heißt es, man habe nicht genügend Mitarbeiter, um ein Profil bei Twitter oder Facebook zu pflegen.

Ohne die entsprechenden Ressourcen können die Vorteile der neuen Medien womöglich in ihr Gegenteil umschlagen. „Sie müssen jemanden haben, der sehr schnell antwortet“, sagt Stefan Laurin von den „Ruhrbaronen“. „Ansonsten produziert man Frustration.“

Ärger macht auch der Datenschutz. Das Umweltministerium etwa ist nicht bei Facebook, wegen des „unzureichenden Datenschutzes“. Das Wissenschaftsministerium allerdings schon – dort sieht man keine Probleme, solange Facebook-Anwendungen nicht in die offizielle Internetseite eingebunden würden. - dpa

Quelle: wa.de

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