Hannelore Kraft - Von der Trümmerfrau der SPD zur Hoffnungsträgerin

DÜSSELDORF - Ausgerechnet eine Minderheitsregierung wurde ihr Meisterstück. In Nordrhein-Westfalen schaffte Hannelore Kraft, was kaum jemand nach der Landtagswahl 2010 für möglich gehalten hatte: Sie regierte das bevölkerungsreichste Land 20 Monate lang mit rot-grüner Minderheit, bis der Landtag sich Mitte März nach gescheiterten Haushaltsberatungen auflöste.

Von Bettina Grönewald

Lesen sie auch:

Hannelore Kraft im Interview

Zuvor hatte sie zahlreiche Gesetze mit wechselnden Mehrheiten durch das Parlament gebracht - oft mit der Linken, mal mit CDU oder FDP. Als das Experiment Minderheitsregierung platzte, hatte Kraft dennoch viel erreicht: Umfragen sehen sie auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. In der Bundes-SPD war ihr Einfluss nie größer. Bei den Vorstandswahlen der SPD im vergangenen Dezember erzielte die 50-Jährige das beste Ergebnis der gesamten Führungsspitze. Sie gilt inzwischen als die „Herzdame der SPD“ und vielen an der Basis als Kanzlerkandidatin nach Maß.

Das hastige Erklimmen möglichst vieler Sprossen der Karriereleiter ist jedoch nicht ihre Sache. „Mein Herz ist in Nordrhein-Westfalen“, bekräftigt die Mutter eines erwachsenen Sohnes immer wieder. Langjährige Wegbegleiter wissen, dass sie das ernst meint. Der Weg an die Spitze war Kraft nicht in die Wiege gelegt. „Wir sind eine wirkliche Ruhrgebietsfamilie“, erzählte sie einmal über sich selbst. Ihre Eltern waren in Mülheim bei der Straßenbahn beschäftigt. „Wir lebten in einfachen Verhältnissen.“

1994 trat die bodenständige Unternehmensberaterin in die SPD ein, sparte sich aber „die Ochsentour“ durch Ortsvereine und Seilschaften. Richtig los ging ihre Karriere nach dem Machtverlust der SPD bei der Landtagswahl 2005. Als nur noch Scherben aufzulesen waren, machten die verstörten Genossen sie erst zur Fraktions- und 2007 auch zur Landesparteivorsitzenden.

Nach einer weiteren schweren SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 ging Krafts Aufstieg weiter - zur Vizechefin der Bundespartei und zum Mitglied im SPD-Präsidium. Nach und nach wurde „die Trümmerfrau der SPD“ zur sozialdemokratischen Hoffnungsträgerin. 2010 brachte sie Jürgen Rüttgers' schwarz-gelbe Regierung zu Fall. Im selben Jahr wurde sie als erste Frau Bundesratspräsidentin und nutzte das Parkett, um ihr Gewicht in der Bundespolitik zu stärken. Im SPD-Vorstand hat sie die Themen Wirtschaft, Industrie und Energie übernommen.

Bei der Landtagswahl im Mai will sie eine absolute Mehrheit für Rot-Grün, um umzusetzen, was ihr am meisten am Herzen liegt: „Kein Kind zurücklassen“. Die offene Flanke ihrer Regierung bringen CDU und FDP auf den Nenner: „Wohltaten auf Pump“. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare