NRW-Kommunen sparen und schließen Spielplätze

WESTFALEN ▪ Die Kommunen sind klamm, und das bekommen auch die Kinder in der Region zu spüren. Städtische Spielplätze werden geschlossen, um Kosten für deren Instandhaltung einzusparen. Oder sogar, um als Bauland verkauft zu werden. Für den Deutschen Kinderschutzbund sind solcherlei Kürzungen der falsche Weg.

Durch die Presse gingen jüngst die Zahlen aus Warendorf und Gütersloh. In den beiden Städten werden zusammen 40 Kinderspielplätze aufgegeben. Aber auch andere Kommunen planen in die gleiche Richtung. In Schwerte wurden in diesem Jahr 14 der insgesamt 80 städtischen Spiel- und Bolzplätze geschlossen. Die Stadt möchte diese Areale verkaufen und verspricht sich dadurch einen Erlös von 480 000 Euro. Geld, dass der Kämmerer gut gebrauchen kann. Denn Schwerte hatte nach Angaben des Bundes der Steuerzahler Ende 2009 148 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Ein ähnliches Bild in Holzwickede, wo ebenfalls drastisch gespart werden muss. Fünf der 18 Spielplätze sollen weichen, nach Möglichkeit verkauft werden. Auch kleinere Kommunen greifen zum gleichen Konzept. In Erwitte beispielsweise gibt es 44 Spielplätze, auf neun davon möchte die Verwaltung zukünftig verzichten. In Drensteinfurt sollen drei wegfallen.

Den Bürgermeistern und Stadträten kommt bei der Spielplatz-Frage der demographische Wandel gewissermaßen zur Hilfe: Es werden immer weniger Kinder zur Welt gebracht. Horst-Heinrich Gerbrand vom Städte- und Gemeindebund NRW spricht von einem „spürbar sinkenden Bedarf, der planerische Reaktionen erforderlich macht. Der demographische Wandel schlägt in den nächsten Jahren voll durch.“ Dementsprechend müsse auch die Infrastruktur angepasst werden, sagt Gerbrand

Nicht jede Stadt streicht deshalb gleich Spielplätze zusammen. In Soest sei nichts dergleichen geplant, versichert Pressesprecher Klaus Peter Knäpper. Und das, obwohl Pflege und Sanierung das Stadtsäckel jährlich mit 375 000 Euro belasten. Auch in Lüdenscheid gibt es trotz angespannter Haushaltslage keine Pläne, auf solche Plätze zu verzichten. Die Verwaltung spare dort auf andere Weise, erläutert Heino Lange. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren die Standards der Pflege angepasst. Mit andere Worten: Die Spielplätze werden nicht mehr so intensiv gepflegt wie zuvor.

Für den Bund der Steuerzahler in Düsseldorf sind solche Methoden grundsätzlich in Ordnung, sofern bestimmte Maßgaben eingehalten werden. Pressesprecherin Bärbel Hildebrand sagt, es sei „nicht wegzudiskutieren, dass es weniger Kinder gibt“ und daher die Angebots-Dichte nicht aufrecht erhalten werden könne.

Dennoch mahnt sie an, dass die Kommunen für solche Kürzungen ein Konzept brauchten. Ob ein Spielplatz geschlossen werden sollte, hänge beispielsweise auch von den Alternativen vor Ort ab.

Der Deutsche Kinderschutzbund ist mit derartigen Maßnahmen zur Haushalts-Konsolidierung nicht einverstanden. „Es kann nicht angehen, dass Kinder unter den finanziellen Problemen der Städte leiden müssen“, sagt der Presse-Referent des Landesverbandes, Jürgen Kura. Er verweist auf Alternativen wie Spielplatz-Patenschaften und Spenden-Sammlungen, die in vielen Kommunen schon funktionierten. Den demographischen Wandel sieht Kura nicht als Rechtfertigung zur Kürzung der Angebote für Kinder, sondern als Anlass, diese zu verbessern: „Die Kommunen müssen entgegengesetzte Signale setzen.“

Dominic Heitz

Quelle: wa.de

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