Polizei startet Kampagne gegen Taschendiebe

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Lutz Müller (rechts) von der Polizei Essen zeigt in dieser Szene, wie Taschendiebstahl funktioniert: Sein Partner lenkt das Opfer ab, er selbst greift zu.

ESSEN - 50 000 angezeigte Taschendiebstähle hat es im vergangenen Jahr in NRW gegeben, bereits 29 000 in der ersten Hälfte 2014 – und die Aufklärungsquote ist erschreckend niedrig. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) eröffnete am Monatg die NRW-weite Aktionswoche „Augen auf und Tasche zu! – Langfinger sind immer unterwegs“, um für das Thema zu sensibilisieren.

Von Eike Rüdebusch

„Diese Zahlen sind alarmierend“, sagte Jäger am Montag am Essener Hauptbahnhof. Man könne viel tun, um nicht Opfer zu werden, sagte Jäger. Vor allem gelte es wachsam zu sein und die Wertgegenstände immer nah am Körper zu tragen. Gerade angesichts der anstehenden Weihnachtsmärkte und verkaufsoffenen Sonntage sei das ganz wichtig. „Jeder kann Opfer werden, aber vor allem, wer unaufmerksam und ablenkbar wirkt.“

Um das zu unterstreichen, haben drei Essener, die selbst ausgeraubt worden sind, ihre Erfahrungen geteilt. Der 45 Jahre alte Christian Schnettelker etwa ist Opfer des „Kumpel-Tricks“ geworden, wie er sagt. Auf der Straße sei er nach dem Weg gefragt worden. „Der Mann hat mir dabei den Arm um die Schulter gelegt.“ Kurz danach habe er allerdings den Verlust seiner Geldbörse bemerkt. Glücklicherweise früh genug, denn er konnte den Täter noch einholen und stellen. „Ich war einen guten Kopf größer als er, da hat der keine Anstalten gemacht.“

NRW-Innenminister Ralf Jäger eröffnete in Essen Aktionswoche „Augen auf und Tasche zu! – Langfinger sind immer unterwegs“.

Trotz des glücklichen Ausgangs habe ihn das Erlebnis stark beeinflusst, sagte Schnettelker. „Man wird schnell misstrauisch, auch wenn man freundlich angesprochen wird – und auch wenn man das nicht will, besonders bei Menschen aus anderen Kulturkreisen.“ Auch wenn dieser Verdacht für viele naheliegen mag, sagte Stephania Fischer-Weinsziehr, Polizeipräsidentin der Polizei Essen, es gebe keine statistischen Anhaltspunkte für eine höhere Diebstahlquote bei Migranten. „Ob ein anderer Kulturkreis oder der eigene, das spielt keine Rolle. Die Taschendiebe kommen aus allen Gruppen.“

Lutz Müller vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei Essen sagte aber, es gebe klare Hinweise auf eine organisierte Kriminalität hinter den Taschendiebstählen. Welchen Anteil diese Gruppen ausmachen, ließe sich jedoch schlecht beziffern. „Die Aufklärungsquote liegt gerade einmal bei vier Prozent“. Das veranlasse „nicht grade zu Begeisterungsstürmen“, weiß er. Zudem lassen sich so wenige Erkenntnisse über die Täter und deren Hintergründe ermitteln. Das Problem sei, so Müller, dass die Bestohlenen den Verlust der Wertgegenstände nicht direkt bemerken. Sie wüssten nicht, wo und wann ihnen ihr Besitz abhanden gekommen ist. „So hat die Polizei keine Ermittlungsansätze“, bedauerte Müller.

Die Aktionswoche beinhalte jetzt zwei Teile, erklärte Müller. Zum einen sollen Bürger darüber informiert werden, welche Tricks Taschendiebe nutzen und wie sie sich davor schützen können, selbst darauf hereinzufallen. Die Täter gingen meist arbeitsteilig vor, so Müller. Einer lenke das Opfer ab, frage nach dem Weg oder blockiere den Ausgang in der Bahn – der andere greife dann zu. Zum anderen gebe es operative Maßnahmen der Polizei. „Wir werden etwa die Zahl der Zivilkräfte bei Großveranstaltungen erhöhen“, so Müller. „Taschendiebstahl darf kein Bagatelldelikt sein. Auch nicht der Versuch“, betonte Innenminister Jäger. Denn angesichts der Daten, die man bei sich trage, der Karten oder Smartphones, grenze Taschendiebstahl an Identitätsdiebstahl.

Quelle: wa.de

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