NRW-Hochschulen bestreiten Forschung für US-Militärs

DÜSSELDORF - Gibt es an deutschen Hochschulen Rüstungsforschung für US-Militärs? Zumindest in NRW wird das vehement bestritten. Geld von militärnahen Forschungsträgern ist aber geflossen. Für Grundlagenforschung, sagen die Hochschulen.

Universitäten in Nordrhein-Westfalen haben den Verdacht zurückgewiesen, für das amerikanische Militär geforscht zu haben. Auf einer Liste deutscher Hochschulen, die mit vom US-Militär unterstützten Forschungsabteilungen kooperiert haben sollen, tauchen auch die Universitäten Aachen, Bochum und Wuppertal auf. Alle drei Hochschulen teilten auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, bei ihnen gebe es keine militärische Forschung. Der Landtag wird sich am Freitag auf Antrag der Piratenfraktion in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema beschäftigen.

Nach Berichten des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" sollen 22 deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute in den vergangenen Jahren mehr als 10 Millionen Dollar Forschungsgeld aus dem Haushalt des US-Verteidigungsministeriums erhalten haben. Bei den geförderten Projekten handele es sich sowohl um Grundlagen- als auch um Rüstungsforschung, zum Beispiel an Sprengstoffen.

Eine Sprecherin des Düsseldorfer Wissenschaftsministeriums sagte: "Die Hochschulen sind nicht verpflichtet, Kooperationen anzuzeigen." Militärische Forschung werde aber in NRW "nicht gefördert und nicht gefordert."

An den Lehrstuhl Werkstoffe der Mikrotechnik an der Ruhr-Universität Bochum sind 2010 rund 80 000 Euro geflossen. In einer Stellungnahme erläuterte Prof. Alfred Ludwig, bei dem Projekt habe es sich um Grundlagenforschung gehandelt. Konkret sollte demnach eine Methode entwickelt werden, wie mit optischen Verfahren dünne Schichten nicht-kristalliner Materialien in kristalline umgewandelt werden können.

"Einen militärischen Nutzen dieser Forschungsarbeiten gibt es meines Erachtens sicher nicht, sonst hätten wir das auch nicht gemacht", betonte der Materialwissenschaftler. In den USA werde Grundlagenforschung oft über Militäreinrichtungen gefördert. In Bochum sei der Drittmittelgeber das "European Office of Aerospace Research and Development" gewesen. Dabei handelt es sich um einen europäischen Ableger, der die Forschungsabteilung der US-Air Force unterstützt.

An die Bergische Universität Wuppertal flossen im Oktober 2000 rund 5100 Euro. Damit sei eine deutsch-amerikanische Tagung zur mathematischen Grundlagenforschung finanziert worden, bestätigte ein Sprecher. Dort sei etwa an Modellen berechnet worden, wie sich die Wärme von Heizkörpern im Raum verteilt. Geldgeber war wiederum die Forschungsabteilung der Air Force.

Die RWTH Aachen hielt sich demgegenüber sehr bedeckt. "Die RWTH kann nicht alle privaten Drittmittelgeber nennen"; sagte eine Sprecherin. Dies könne künftige Förderungen gefährden. Von US-Militärforschung an deutschen Hochschulen zu reden, sei "zu platt". In Amerika werde über das Pentagon auch Grundlagenforschung unterstützt wie hierzulande über die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Das neue Hochschulgesetz, das vom NRW-Wissenschaftsministerium vorbereitet wird, enthält eine Transparenzregelung. Künftig sollen die Präsidien der Hochschulen verpflichtet werden, die Öffentlichkeit über Forschungsthemen, Geldgeber und Fördervolumen zu informieren. Außerdem heißt es im Entwurf: "Die Hochschulen entwickeln ihren Beitrag zu einer nachhaltigen und friedlichen Welt. Sie sind friedlichen Zielen verpflichtet." Das Gesetz soll zum Wintersemester 2013/14 in Kraft treten. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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