NRW-Grüne bejubeln Ergebnis mit Stadionchören

Sylvia Löhrmann

DÜSSELDORF - Bei den Grünen kennt der Riesenjubel keine Grenzen. Begleitet von „Sylvia, Sylvia, Sylvia“-Rufen steigt Spitzenkandidatin Löhrmann auf die Mini-Bühne. Ihre Anhänger klatschen, andere schlagen sich die Hände vor den Kopf oder fallen sich einfach in die Arme.

Von Fabian Wahl und David Kordes

„Das ist ein ganz toller Arbeitssieg“, ruft Löhrmann, die mit ihrer Partei gerade eben laut Wahlprognose rund 12,0 Prozent eingefahren hat. Es ist fast das identische Ergebnis wie bei der vergangenen Landtagswahl 2010.

Löhrmann - mit feinem Seidenschal und einer bunten, langen Bluse - muss ihre „lieben Freunde und Freundinnen“ schon bremsen, um sich gegen den ohrenbetäubenden Freudentaumel Gehör zu verschaffen. Das Museumsbistro in Düsseldorf platzt aus allen Nähten: Parteianhänger - ob in Grün oder im Jackett - umringen ihr politisches Spitzenpersonal, drängen sich dicht aneinander und vor den offenen Türen wollen noch mehr Leute rein. „Ich habe nicht so viel Zeit“, beschwichtigt die grüne Frontfrau mit Schweißperlen auf der Stirn. „Ihr feiert jetzt.“ Sie habe noch Termine, drüben im Landtag.

Während Löhrmann umjubelt wird, hagelt es für den gescheiterten CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen nur Spott. Und davon reichlich. „Du kannst nach Hause fahren“ oder „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“ singen die rund 300 Gäste bei der Wahlparty am Rheinufer, als der zerknirschte Bundesumweltminister auf dem Bildschirm seine Niederlage eingesteht. In Anspielung auf den DFB-Pokalsieg von Borussia Dortmund am Samstag und die schwarz-gelbe Bundesregierung ruft Löhrmann: „Schwarz-Gelb war gestern, heute ist Rot-Grün.“

Der Parteivorsitzende Cem Özdemir wird mit „So sehen Sieger aus“-Chören begrüßt. Mitten in dem Trubel sitzt ein älteres Ehepaar und stochert mit der Gabel verloren in einem Omelett herum. Zwischen den feiernden Gästen wirken die Cafébesucher wie in einem falschen Film.

Schulministerin Löhrmann wirkt angeschlagen: Als sich die Kameras abwenden, drückt sie ihrem Mann alles Mögliche in die Hand und legt sich ein Kopftuch um. Sie habe starke Kopfschmerzen, sagt sie auf dem Weg zum Landtag. Das ist vergessen, als sie mit offenen Armen auf ihre Partnerin, die bisherige und künftige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), zustürzt. Beide strahlen bis über beide Ohren und drücken sich herzlich.

Es ist ein Akt, der für den Politikstil des Frauenduos steht. Löhrmann kündigt an, trotz der nun absoluten Mehrheit für Rot-Grün keine „Basta-Politik oder Durchregieren“ zu wollen. So äußert sich auch Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Ihre Partei werde weiter aufgeschlossen auf andere zugehen, sagt sie der Nachrichtenagentur dapd.

Im Museumsbistro am Rheinufer wird längst Sekt und Bier ausgeschenkt. Am Nachmittag gab es hier noch Nugattorte und Milchkaffee. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) und der Landesparteivorstand stoßen lautstark an. Der sonst zurückhaltende Remmel swingt befreit auf der Bühne und singt „Ole, Ole, Ole“. - dapd

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare