Zahlen des NRW-Schulministeriums

NRW-Elternkonferenz zweifelt an Ausfallquote

DÜSSELDORF - Nach längerer Pause gibt es wieder eine Erhebung zum Unterrichtsausfall an nordrhein-westfälischen Schulen. Ergebnis: Nur 1,7 Prozent fallen ersatzlos aus. Kaum zu glauben, meint der Vorstand der Landeselternkonferenz.

Eberhard Kwiatkowski (61) ist ehrenamtlich als Vorstand der Landeselternkonferenz tätig.

Zur Person

Eberhard Kwiatkowski (61) ist ehrenamtlich als Vorstand der Landeselternkonferenz tätig, dem Zusammenschluss der Elternvertretungen der nordrhein-westfälischen Schulen.

Rund 1,7 Prozent des Unterrichts fallen an den Schulen in Nordrhein-Westfalen ersatzlos weg. Das hat eine vom Schulministerium veröffentlichte Stichproben-Erhebung ergeben. Aber zugleich nimmt Vertretungsunterricht zu - darunter fällt auch eigenverantwortliches Lernen der Schüler, Zusammenlegen von Lerngruppen oder fachfremder Ersatzunterricht.

Ebenso wächst der Anteil des "Unterrichts in besonderer Form", der Projekttage, Schulfahrten oder -feste umfasst. Eberhard Kwiatkowski, der Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW, äußert im Interview deutliche Zweifel.

Nur 1,7 Prozent des Unterricht fallen im Schuljahr 2014/2015 ganz ins Wasser. Sind Sie überrascht von dem Ergebnis?

Eberhard Kwiatkowski:  Ja, total. Das ist keine glaubhafte Zahl. 1,7 Prozent, das ist definitiv ein nicht nachvollziehbares Ergebnis. Das würde ja im nicht-spürbaren Bereich liegen. Fragen Sie mal die Eltern. Das glaubt Ihnen niemand (...). Die Zahl ist viel zu niedrig.

Vertretungsunterricht und Unterricht in besonderer Form nehmen ja zugleich zu. Spiegelt das denn die Realität?

Eberhard Kwiatkowski: Dass in der Stichprobe auf einer Seite der ersatzlose Unterrichtsausfall abnimmt und auf der anderen Seite unter anderem der Vertretungsunterricht zunimmt, weist darauf hin, dass geschönt wurde. Insgesamt wird die Realität jedenfalls nicht sauber gespiegelt. Das würde ich der Ministerin so auch gerne sagen.

Bei den Realschulen sieht es vergleichsweise schlecht aus, im Gymnasium in der Sekundarstufe II dagegen gut. Warum wohl? 

Eberhard Kwiatkowski: Das ist schwer zu sagen, es gibt sicher viele Faktoren. Neben den Realschulen fällt auch bei den Hauptschulen überdurchschnittlich viel Unterricht aus. Es könnte auch damit zusammenhängen, dass es bei neuausgebildeten Lehrkräften - zumindest bei den Hauptschulen - ein Attraktivitätsproblem gibt.

Was kann man tun gegen Unterrichtsausfall?

Mehr zu dem Thema lesen Sie hier:

Ärgernis Unterrichtsausfall: Mehr Lehrer gefordert

Antwort: Wir haben Verständnis für kranke Lehrer. Aber wir haben definitiv zu wenig Lehrer. Es gab mal eine Ausfallreserve von fünf Prozent. Wenn wir das wiederbekämen, würde das schon sehr helfen. Man muss auch im Vorfeld Konzepte gegen Ausfälle erarbeiten. An jeder Schule sollten für alle Fächer Aufgabenpakete für den Lernstoff eines Halbjahrs in den Schubladen liegen. Nach einer Einführung durch einen Ersatzlehrer, der den Lernstand abfragt und die passenden Aufgaben raussucht, könnten die Schüler dann konzentriert in Eigenbeschäftigung weiterarbeiten.

Welche Folgen hat der Ausfall für Schüler - mit Blick auf Unterrichtsqualität und Bildungserfolg?

Eberhard Kwiatkowski: Der Unterrichtsausfall spiegelt sich im schwachen Abschneiden bei Bildungsstudien wie Pisa wider. Ist ein Lehrer eine Woche krank und der Unterricht fällt ganz oder teilweise aus, heißt es danach bei der Stoffvermittlung: Schnelligkeit vor Qualität. Da kann man da nur sehr unzufrieden sein. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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