NRW hält an möglichen Castortransport in USA fest

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DÜSSELDORF - Die nordrhein-westfälische Landesregierung hält sich die Möglichkeit eines Atommülltransports in die USA offen. Mit Blick auf die Brennelemente im Forschungszentrum Jülich würden derzeit drei Optionen geprüft.

Das sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch im Forschungsausschuss des Düsseldorfer Landtags. Denkbar sind demnach die Rückführung der Brennelemente in die USA, ein Transport in das Zwischenlager Ahaus sowie ein Verbleib in Jülich.

Der Ausgang der Prüfung sei derzeit offen. Für die Landesregierung habe die Sicherheit der Bevölkerung höchste Priorität, betonte Schulze. Das Parlament werde laufend unterrichtet. Ein Transport in die USA ist nach Worten der Ministerin nur dann denkbar, wenn eine Umweltverträglichkeitsprüfung in den Vereinigten Staaten zu einem positiven Ergebnis kommt. Die Transportkosten bezifferte Schulze auf etwa 10 Millionen Euro.

Im Forschungszentrum Jülich fehlt derzeit eine Genehmigung für die Lagerung der Brennelemente. Die Atomaufsicht hatte wegen mangelnder Erdbebensicherheit angeordnet, den Atommüll so schnell wie möglich von dort zu entfernen.

Im April 2014 war eine Absichtserklärung zwischen dem US-Energieministerium und den Forschungsministerien von Bund und Land NRW unterzeichnet worden. Laut NRW-Wissenschaftsministerium schafft die Übereinkunft den Rahmen, "hochangereichertes Uran mit Ursprung USA wieder in die USA zurückzuführen, um es dort einer schadlosen Verwertung zuzuführen". Darin sei auch eine technische und rechtliche Prüfung vereinbart, hieß es.

Nach Einschätzung von Atomkraftgegnern könnten durch diese Vereinbarung insgesamt 455 Atomkugel-Castoren aus dem Forschungszentrum Jülich und dem Zwischenlager Ahaus nach Amerika verschifft werden. 152 Castoren lagern in Jülich, weitere 303 in Ahaus. Umweltgruppen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace und die Deutsche Umweltstiftung halten den möglichen Transport in die US-Wiederaufbereitungsanlage "Savannah River Site" für illegal.

In Deutschland sei der Transport und die Aufbereitung von heimischem Atommüll in ausländischen Wiederaufbereitungsanlagen seit Juli 2005 durch das Atomgesetz verboten, argumentierte der BUND. Wissenschaftsministerin Schulze hält einen Transport hingegen für legal, da es sich bei Jülich um einen Forschungsreaktor gehandelt habe. Für Forschungsreaktoren gelte das Transportverbot nicht. Umweltschützer betrachten die Anlage in Jülich dagegen als stromproduzierenden Versuchsreaktor. - lnw

Quelle: wa.de

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