Zahlen explodieren

Corona: Niederlande jetzt Hochinzidenzgebiet - Quarantäne nach Rückreise droht

Die Niederlande haben früh ihre Corona-Regeln gelockert. Nun explodieren die Zahlen. Das Land gilt seit Dienstag (27. Juli) als Hochinzidenzgebiet. Was das bedeutet.

Hamm - Die Corona-Zahlen in den Niederlanden sind in den vergangenen Tagen in die Höhe geschossen. Nachdem das Nachbarland von Nordrhein-Westfalen schon früh seine Beschränkungen gelockert hatte, spitzt sich die Lage immer weiter zu. Die Niederlande gelten seit Dienstag, 27. Juli, als Hochinzidenzgebiet. (News zum Coronavirus)

LandNiederlande
Fläche41.543 km²
Einwohner17.474.693 (Stand: 1. Januar 2021)

Corona: Niederlande jetzt Hochinzidenzgebiet - Quarantäne nach Rückreise droht

Die 7-Tage-Inzidenz in den Niederlanden lag zwischenzeitlich bei über 400. Umso erstaunlicher ist es, dass das NRW-Nachbarland lange nur als Risikogebiet und nicht als Hochinzidenzgebiet galt. Das hat sich jetzt geändert.

Zwar ist die Inzidenz im Land wieder etwas gesunken, das Auswärtige Amt hat in Absprache mit dem Gesundheits- und Innenministerium die Niederlande trotzdem hochgestuft. Ab Dienstag, 27. Juli, gilt das Land als Hochinzidenzgebiet. Das Gleiche gilt auch für Spanien, das ebenfalls hochgestuft wurde, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte.

Das hat harte Folgen für Urlauber aus NRW und Deutschland, allerdings nur für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene. Laut der Corona-Einreiseverordnung müssen Reisende, die aus einem Hochinzidenzgebiet zurückkommen, zunächst einen negativen Schnelltest, den vollständigen Impfschutz oder eine Genesung vorlegen. Nicht-Geimpfte/-Genesene müssen zudem erst einmal für zehn Tage in Quarantäne. Das sogenannte Freitesten mit einem zweiten Corona-Test ist frühestens nach fünf Tagen möglich. Ausnahmen von dieser Quarantänepflicht gelten für Durchreisende, Grenzpendler und Transportpersonal sowie bei Aufenthalten von bis zu 24 Stunden, bei Familienbesuchen, Pflegebeistand und medizinischer Versorgung.

Bislang galt die Niederlande als Risikogebiet, Urlauber konnten sich sofort nach Rückreise freitesten lassen. Es drohte keine Quarantäne. Vor dieser Pflicht fürchtet sich vor allem die Tourismusbranche derzeit. „Der Buchungskiller ist eine drohende Quarantäne bei Rückreise nach Deutschland“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig, im Gespräch mit dem RND.

Corona: Niederlande jetzt Hochinzidenzgebiet: Nachweis bei der Einreise und Einreiseanmeldung

Ausnahmen bei der Pflicht, Impfschutz, Genesung oder negativen Test vorzuweisen, gelten laut dem Land NRW für Personen, die beruflich bedingt grenzüberschreitend Personen, Waren oder Güter transportieren (wenn sie sich weniger als 72 Stunden in NRW aufhalten), für Grenzpendler (soweit ein Testnachweise zwei Mal pro Woche erfolgt) und für Durchreisende (in begründeten Einzelfällen auf Antrag beim zuständigen Gesundheitsamt).

Für die Einreise aus den Niederlanden nach Deutschland besteht dem Land NRW zufolge außerdem eine Anmeldepflicht auf www.einreiseanmeldung.de. Ausnahmen gelten auch dabei für Durchreisende, Aufenthalte bis zu 24 Stunden im Rahmen des Grenzverkehrs sowie Familienbesuche bis zu 72 Stunden. Außerdem gilt eine Ausnahme für Grenzpendler, die aus beruflichen Gründen oder wegen eines Studiums regelmäßig ein- und ausreisen.

Corona-Lage in den Niederlanden: Infektionsgeschehen wird beobachtet

Wie kam es nun überhaupt zur Hochstufung? Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt auf seiner Internetseite, dass die Hochstufung ab einer Inzidenz von 200 in Betracht gezogen wird. Die absoluten Zahlen sind aber nicht das einzige Kriterium.

„Maßgeblich für die quantitative Bewertung sind tatsächliche und stabile Trends des Infektions­geschehens, nicht Momentaufnahmen“, teilte das Auswärtige Amt dem Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) mit. Es würde die Entwicklung des Inzidenzgeschehens von mindestens einer Woche herangezogen.

Corona-Lage in den Niederlande: NRW-Nachbarland verschärft Regeln wieder

Die Niederlande hatte erst Ende Juni so gut wie alle Corona-Regeln im Land aufgehoben. Lediglich das Abstandsgebot sowie in manchen Situationen die Maskenpflicht galten. Die Sperrstunde für Restaurants wurde aufgehoben, Clubs und Diskotheken öffneten wieder.

Wenige Wochen später explodierten die Corona-Zahlen - die Niederlande verschärfte eine Reihe von Corona-Maßnahmen wieder. Clubs mussten schließen, die Sperrstunde für die Gastronomie kehrte zurück. Nach nur knapp zwei Wochen bedeutete das wieder das vorläufige Aus fürs Nachtleben.

Vermutlich war es eine Kombination aus der sich rasend schnell verbreitenden Delta-Variante des Coronavirus und den vielen Lockerungen, die in den Niederlanden die Zahlen explodieren ließen. Allein in einer Diskothek in Enschede nahe der deutschen Grenze hatten sich 600 Menschen infiziert, vor allem Jugendliche. Der Zugang war nur mit einem negativen Testergebnis möglich. Offenbar gab es aber viele Fälschungen. Auch auf einem Festival in Breda hatten sich mehrere Hundert Besucher infiziert.

Corona-Lage in den Niederlanden: Ministerpräsident fordert Tests bei Einreise

Besonders sorgenvoll blickt Niedersachsen auf die Entwicklung im Nachbarland. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat den Bund aufgefordert, endlich Voraussetzungen für Kontrollen des Autoreiseverkehrs zu schaffen.

„Wir sind der Auffassung, dass Tests, so wie wir sie aus unserem normalen Alltag kennen, bei jeder Einreise verlangt werden sollten. Und dass an der Grenze zumindest Stichproben vorgesehen werden“, sagte der SPD-Politiker dem Bremer Weser-Kurier. Die Bundesregierung müsse dafür schnell die angekündigte Änderung der Einreiseverordnung umsetzen.

Rubriklistenbild: © Bernd F. Meier/dpa

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