„Nichts ist mehr, wie es einmal war“

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Kein Vergessen, kein Vergeben: Zeichen der Trauer in Duisburg. ▪

DUISBURG ▪ „Der Himmel hat 21 neue Sterne. Wir denken an Euch“, haben Freunde von Loveparade-Toten auf ein Plakat geschrieben.

Eine Tanja hat eine Leinwand mit rosa Herzen und einem Text sorgfältig gestaltet: „Nichts ist mehr, wie es einmal war“ ist er überschrieben. Auf einem anderen, im Unglückstunnel niedergelegten Zettel steht: „Gott! Du hast so viele Engel. Warum hast Du unsere genommen?“

Am Samstag haben mehrere hundert Bürger, Opfer und Angehörige in Duisburg nochmal Abschied genommen, innegehalten und geweint. Dort, wo am 24. Juli 21 junge Menschen zu Tode kamen und mehr als 500 verletzt wurden. Gestern wurde der Tunnel wieder für den Verkehr freigegeben.

 Bürger sammelten die zahlreichen Trauergaben wie etwa Grablichter, Engelfiguren oder Plüschtiere ein und legten sie in einen containerartigen Kubus mit einer Glasfront. Er steht in der Nähe des Unglückstunnels und soll für die nächsten Monate eine Art provisorische Gedenkstätte bilden. „Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade“ ist darin zu lesen – genauso wie auf einer Gedenktafel, die am Samstag am eigentlichen Unglücksort, der Zugangsrampe zum Veranstaltungsgelände, angebracht wurde.

  Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete unterdessen von einem Durcheinander bei aktuellen Absprachen zwischen Polizei, Stadt, Feuerwehr und Veranstalter am Unglückstag. Eine Telefonkonferenz sei „chaotisch und undiszipliniert“ verlaufen, zitierte das Magazin einen Ermittler. Noch während des Krisengesprächs habe es offenbar bereits Schwerverletzte gegeben. Seit Wochen schieben sich Stadt, Veranstalter und Polizei die Verantwortung für die Katastrophe zu.

Die Duisburger Ratsfraktionen von SPD, FDP und Linke wollen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) bei einer Sondersitzung heute zum sofortigen Rücktritt auffordern. Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Petra Vogt, rechnete jedoch nicht damit, dass der Oberbürgermeister dem Antrag Folge leisten wird.

Debattiert wird auch über einen Abwahlantrag der drei Fraktionen nach der Gemeindeordnung. Eine Abstimmung darüber ist für den 13. September geplant. Spricht sich dann eine Zweidrittel- Mehrheit der Ratsmitglieder für eine Abwahl aus, müssen die Bürger entscheiden. Ein Erreichen dieser Mehrheit gilt wegen der Sitzverteilung im Rat allerdings als unwahrscheinlich. ▪ lnw

Quelle: wa.de

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