Nicht alles ist Bio: Zwei Prozesse um Fördergeld

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„Keine Genehmigung für konventionelles Futter.“ Bioland, hier Landes-Geschäftsführer Heinz-Josef Thuneke, trennte sich sofort von dem Geflügelzüchter. ▪

PADERBORN ▪ Wer Bio haben will, muss das teuer bezahlen. Aber nicht immer ist auch alles Bio, wenn Bio draufsteht.

Ein Geflügelzüchter und -vermarkter aus dem ostwestfälischen Delbrück bei Paderborn muss sich vom 20. September an vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Betrug. Bereits heute geht es um rund 100 000 Euro Fördergeld. Gegen den Rückforderungsbescheid der Mittel klagt der Züchter vor dem Verwaltungsgericht Minden.

Der Betrieb Franzsander galt einst als Pionier der Biogeflügelhaltung, als Vorzeigebetrieb und war Mitglied im renommierten Bioland-Verbund. Dann die Ernüchterung: Drei Jahre lang, von 2005 bis 2007, soll er konventionell erzeugtes Geflügel zugekauft und mindestens die Hälfte mit einem kräftigen Aufschlag als Bio-Geflügel verkauft haben. Der Gesamtschaden liege bei rund 1,3 Millionen Euro, meint die Staatsanwaltschaft. Insgesamt habe es 685 Abnehmer gegeben. Zehntausende Bio-Hühner und -Puten sollen auch an eine Braterei auf dem Oktoberfest in München geliefert worden sein.

2008 hatten Kontrollen bei Futterhändlern den Stein ins Rollen gebracht. Demnach hatte Franzsander große Mengen konventionellen Futters zugekauft, ein klarer Verstoß gegen die Regeln. Der Öko-Verband Bioland trennte sich umgehend von ihm und erstattete Anzeige. Die Behörden, nämlich der Direktor der Landwirtschaftskammer als Landesbeauftragter, forderten knapp 100 000 Euro Fördergelder für die Förderung ökologischer Anbau- und Produktionsverfahren zurück.

Franzsanders Geflügelhandel, die RoBert's Bio-Geflügel GmbH & Co KG, stellte zum 31. Januar 2009 die Geschäftstätigkeit ein. Berthold Franzsander klagte in einem Interview, das Land habe ihn in den Ruin getrieben. Er prüfe eine Schadenersatzklage in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz habe falsche Schlüsse aus Futtermittelkontrollen gezogen. Ähnlich wie andere Öko-Betriebe habe auch er eine Ausnahmegenehmigung zum Zukauf konventioneller Ware gehabt, behauptet der 46-Jährige. Das Landesamt LANUV und Bioland halten das für ausgeschlossen. In dem Zeitraum habe es keine nennenswerten Engpässe beim Angebot von Öko-Futter in Europa gegeben, die den Zukauf konventionellen Futters möglicherweise begründet hätten, hieß es. „Bio-Futter ist um 50 bis 60 Prozent teurer als konventionelles Futter“, sagt der Geschäftsführer von Bioland NRW, Heinz-Josef Thuneke.

Der Geflügelzüchter wollte dazu jetzt keine Stellung nehmen. In einem Brief an seine Kunden hatte er im Januar 2009 eingeräumt, einige Wochen konventionelles Futter an Putenküken verfüttert zu haben. Die Küken hätten plötzlich das Bio-Futter verweigert. „Ich habe Fehler gemacht und es tut mir aufrichtig leid.“ In einem Interview behauptete er damals, er habe nur 250 der 900 Tonnen konventionellen Futters den Puten gegeben, den Rest seinen konventionell gehaltenen Rindern. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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