Neues Konzept für Grundschulen in NRW

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Grundschüler in NRW: Die Landesregierung will mit neuem Konzept das Schulsterben auf dem Land stoppen. ▪

DÜSSELDORF ▪ Von Detlef Burrichter ▪ Der demografische Wandel macht auch vor Grundschulen nicht halt. Auch hier ist die Schülerzahl immer weiter eingebrochen – innerhalb der letzten zehn Jahre um 140 000 Schüler (17, 6 Prozent). Auf der Strecke geblieben sind deshalb bereits 320 Grundschulen. Würde die Landesregierung jetzt nicht gegensteuern, wäre ein Schulsterben gerade im ländlichen Raum von bisher nicht gekanntem Ausmaß nicht mehr aufzuhalten.

Teil des großen Schulkonsenses von CDU, SPD und Grünen in diesem Sommer war es, die Grundschulen zukunftsfest zu machen. Die Landesregierung hat nun ein Konzept geliefert, das die wohnortnahe Grundschulversorgung flächendeckend erhalten soll. Anfang 2012 wird ein entsprechender Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht.

Kernstück des Konzeptes ist die Möglichkeit, Grundschulen künftig auch einzügig fortführen zu können. Dazu soll künftig die Mindestzahl von 92 Schülern ausreichen (heute 144). Schulen, die auch diese Grenze nicht mehr erreichen, können trotzdem weiter bestehen bleiben – als Teilstandorte einer anderen Grundschule. Dafür sind dann mindestens 46 Kinder nötig. Ist eine solche Grundschule die letzte in einer Kommune, kann sie sogar mit mindestens 46 Schülern in zwei jahrgangsübergreifenden Klassen als eigenständige Schule bestehen bleiben. „Damit wird auf absehbare Zeit keine Kommune in Nordrhein-Westfalen von der Schließung ihrer letzten Grundschule bedroht sein“, sagte gestern NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Bislang müssen Grundschulen mindestens zweizügig sein und mindestens 144 Schüler aufweisen.

Um vorhandene Grundschulkapazitäten gleichmäßiger und gerechter als bisher auszulasten, soll der Klassenfrequenzrichtwert von derzeit 24 auf 22,5 abgesenkt werden. Künftig werde es keine Grundschulklassen mit 30 und mehr Kindern mehr geben, sagte Löhrmann. Zurzeit gebe es pro Eingangsjahrgang landesweit mehr als 100 Grundschulklassen mit mehr als 30 Schüler haben. Ab 2013 muss eine Grundschulklasse in NRW mindestens 15 Schüler haben (heute 18), aber höchstens 29. Ziel sei auch, mehr Gerechtigkeit bei der Lehrer- und Unterrichtsversorgung zu erreichen, sagte die Ministerin.

Um die Übernahme einer Schulleiterfunktion attraktiver zu machen, soll die anzurechnende Leitungszeit (Freistellung von der Unterrichtsverpflichtung) an Grundschulen von acht auf elf Stunden erhöht werden. Kommen Teilstandorte hinzu, sollen künftig nochmals für den zweiten und jeden weiteren Standort einer Schule im ersten Jahr elf Stunden, im folgenden Schuljahr neun und ab dem dritten Schuljahr dauerhaft sieben zusätzliche Leitungsstunden gewährt werden. Heute gibt es für diesen zusätzlichen organisatorischen Aufwand nur drei zusätzliche unterrichtsfreie Stunden. „Wir wollen auch den Problemen bei der Besetzung von Schulleiterstellen entgegenwirken“, sagte Löhrmann.

Quelle: wa.de

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