„Netto-Räuber“ gestehen

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Der Angeklagte Marius L. (rechts) kommt in Köln in den Gerichtssaal, links sein Anwalt Gerhard Schaller.

KÖLN - Er hatte Insidertipps von einem 39-jährigen Freund und gab sich als Kontrolleur der Firmenzentrale aus. Mit dieser Masche soll ein 38-Jähriger zahlreiche Supermarkt-Filialen überfallen haben – vor allem Läden des Discounters Netto. Die Beute: rund 750 000 Euro.

Die als „Netto-Räuber“ bekannt gewordenen Serientäter haben gestern vor dem Landgericht Köln ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die beiden 38 und 39 Jahre alten Angeklagten räumten zum Prozessauftakt ein, Raubüberfälle auf verschiedene Supermärkte in ganz Deutschland geplant und begangen zu haben. In 34 Fällen hatten die beiden Schulfreunde laut Staatsanwaltschaft insgesamt rund 750 000 Euro erbeutet.

Der Komplize, der bis zu seiner Festnahme als Gebietsverkaufsleiter bei Netto arbeitete, hatte den Hauptangeklagten mit Insiderwissen versorgt. Der 38-jährige Haupttäter und frühere Polizist gab sich wiederum als Mitarbeiter der Revisionsabteilung aus und raubte die Supermärkte hinterhältig aus. Sein Kollege steuerte in 21 der 34 Fälle den Fluchtwagen und half ihm bei den Vorbereitungen.

„Jeder Überfall, der funktioniert hat, hat ihn auch ein Stück weit selbstbewusster gemacht“, sagte der Rechtsanwalt des Hauptangeklagten gestern. Bei den Aktionen sei er besonders selbstsicher und seriös aufgetreten.

Das Täuschungsmanöver funktionierte: Als „Revisor“ hatte er dem Personal glaubhaft versichert, er würde eine Überfall-Übung simulieren, um das Verhalten im Fall eines Raubüberfalls zu testen. Anschließend bedrohte er die Angestellten mit einer Schreckschusspistole und ließ sich die Tageseinnahmen aushändigen. Dann versprach er, nach zehn Minuten mit einem Kollegen zurückzukehren und das Verhalten des Personals zu besprechen. In Wirklichkeit jedoch flüchtete er anschließend mit dem geraubten Geld.

Beide Männer waren zusammen zur Schule gegangen und steckten 2005 in finanziellen Schwierigkeiten. Der 39-jährige ehemalige Netto-Verkaufsleiter gilt als spielsüchtig, er soll seinen Anteil aus den Raubüberfällen „verzockt“ haben. Der Hauptangeklagte war nach eigenen Angaben mit dem Geld nach Kenia geflohen.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland im Sommer vergangenen Jahres war er gefasst worden. Die Polizei hatte zuvor immer wieder seine Handynummer im Bereich der Tatorte festgestellt und ihn überwacht. Auf dem Weg zum nächsten Überfall klickten dann die Handschellen. Zeitgleich wurde auch sein Komplize in Weeze festgenommen.

Beiden Männern drohen nun lange Gefängnisstrafen. Bei einer Verurteilung wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung müssen sie mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Das Urteil soll spätestens am 19. April verkündet werden. - dapd/dpa

Quelle: wa.de

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