Dortmunder Neonazis als Zeugen im NSU-Prozess

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[UPDATE 16.30 Uhr] MÜNCHEN/DORTMUND - Haben Dortmunder Neonazis das NSU-Mordopfer Mehmet Kubasik ausgespäht? Das wollen die Nebenkläger im NSU-Prozess wissen und haben darum beantragt, einen Thüringer Zielfahnder und zwei Dortmunder Neonazis zu vernehmen.

Die Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess wollen der Frage nachgehen, ob der "Nationalsozialistische Untergrund" Helfer in Dortmund hatte. Sie könnten dort das Mordopfer Mehmet Kubasik ausgespäht haben, sagte Rechtsanwältin Antonia von der Behrens am Donnerstag.

Die Anwälte beantragten, zwei Dortmunder Neonazis als Zeugen zu vernehmen. Sie wollen außerdem einen Zielfahnder des Thüringischen Landeskriminalamtes laden lassen. Kubasik war am 4. April 2006 hinter der Theke seines Kiosks in der Dortmunder Nordstadt erschossen worden. Er gilt als achtes der zehn Mordopfer des NSU.

Die Todesschützen waren nach Überzeugung der Anklage Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Der "Nationalsozialistische Untergrund" soll außerdem zwei Sprengstoffanschläge verübt haben. Kurz nach dem Abtauchen des Trios im Januar 1998 hatte ein Zielfahnder des Thüringer LKA mit der Suche nach Mundlos, Böhnhardtund Zschäpe begonnen.

Dabei stieß er auf einen mutmaßlichen Unterstützer aus der Chemnitzer rassistischen "Blood & Honour"-Szene. Die Nebenkläger präsentierten am Donnerstag Unterlagen, nach denen dieser Mann von 1998 bis 2000 in Neuenrade (Märkischer Kreis) wohnte.

In einer von der Zielfahndung abgefangenen SMS hatte der Chemnitzer einem Gesinnungsgenossen seinen Eindruck aus Dortmund so geschildert: "Bin gestern Nachmittag mal hier ein Stück gelaufen, nur Türken, da fällt dir nichts mehr ein."

Der Mann hatte eingeräumt, das Trio gekannt und mit Zschäpe ein Verhältnis gehabt zu haben. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Von zwei Dortmunder Neonazis erhoffen sich die Nebenkläger Aufschluss über die Gründung einer konspirativen Zelle des Netzwerks "Combat 18" mit mindestens sieben Mitgliedern. "Combat 18" gilt als militanter Arm von "Blood & Honour".

Die beiden Neonazis hätten Exemplare der "Turner-Tagebücher" verteilt, die in der Szene als Anleitung für einen "führerlosen Widerstand" gehandelt werden. Zu der Gruppe soll auch ein Brieffreund Zschäpes gehört haben. Zschäpe hatte ihm mehrere Briefe aus der Untersuchungshaft in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne schickte.

MÜNCHEN/DORTMUND - Im Münchner NSU-Prozess haben am Donnerstag mehrere Nebenkläger die Vernehmung von Dortmunder Neonazis als Zeugen beantragt. In Dortmund soll die als militant geltende Organisation "Combat 18" eine Zelle aus sieben Mitgliedern gegründet haben. - dpa

Quelle: wa.de

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