Nationalpark-Projekt Teutoburger Wald vor dem Aus

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Ein Protestplakat "Nationalpark? Nein danke!" im Teutoburger Wald in der Nähe des Ortes Schlangen

DETMOLD - Nationalpark-Projekt Teutoburger Wald vor dem Aus Seit vielen Jahren wird an der Idee eines zweiteiligen Nationalparks in Ostwestfalen-Lippe gebastelt. Jetzt steht das Projekt im Teutoburger Wald vor dem Aus und das in der Senne in den Sternen.

Das umstrittene Nationalpark-Projekt im Teutoburger Wald steht vor dem Aus. Der vom Kreistag eingesetzte Schlichter Günter Kozlowski räumte am Donnerstag ein, er könne keinen sinnvollen Schlichtungsvorschlag vorlegen. Der lippische Landrat Friedel Heuwinkel (CDU), erklärter Befürworter des Projekts, zeigte sich enttäuscht und legte seine Aufgabe als Moderator der widerstreitenden Interessen offiziell nieder. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) bedauerte den Ausstieg des Schlichters. Man werde nunmehr die politische Entwicklung vor Ort abwarten.

Im Kreis Lippe sollte ein Nationalpark entstehen, der später mit einem möglichen Nationalpark in der noch von den britischen Streitkräften genutzten Senne zusammengelegt werden sollte. Dabei ging es immer wieder um die Grenzen des Nationalparks.

Nur 29,8 Prozent des ursprünglich mit 8600 Hektar geplanten Nationalparks Teutoburger Wald sind im Besitz des Landes. 45,2 Prozent gehören dem Landesverband Lippe (LVL), 20,3 Prozent Privatleuten, 4,4 Prozent der Stadt Horn-Bad Meinberg. Privatbesitzer und die Stadt wollen nicht verkaufen. Das Land verhandelt darum mit dem LVL über einen Flächentausch, um so ein zusammenhängendes Gebiet für einen Nationalpark zu formen. Der Plan sieht vor, 3160 Hektar Landesfläche gegen 2567 Hektar des LVL zu tauschen.

Am Vorabend hatte der Landesverband, der zahlreiche Flächen und Immobilien des ehemaligen Fürstentums Lippe besitzt und verwaltet, einen Vorschlag Remmels abgelehnt. Der sah vor, auf das Gebiet von Horn-Bad Meinberg zu verzichten. Damit wären nur noch 6500 Hektar Fläche verfügbar.

Außerdem sollten umstrittene Flächen im Norden des Gebiets beim LVL bleiben, aber zugleich als sogenannte Managementzone des Nationalparks ausgewiesen werden. Damit wären rechtliche Probleme des Tauschs umgangen worden und der LVL hätte die Flächen weiterhin bewirtschaften können. Das wollte der Verband allerdings nicht. Man werde weiter über den Flächentausch verhandeln, beschloss der LVL.

Der Schlichter Kozlowski sagte, zuletzt habe es nur noch die Variante des großen Flächentauschs mit zahlreichen Fragezeichen gegeben. So sei die Zulässigkeit des Tauschs ungewiss, ebenso die dafür notwendige Zustimmung des Innenministeriums als Aufsichtsbehörde des LVL. Eine gerichtliche Klärung könne viele Jahre dauern. Er sehe zudem keine Kompromissbereitschaft bei Waldbesitzern, Holz- und Landwirtschaft. Dazu komme die ungelöste Frage einer Bürgerbeteiligung. Fazit: "Das, was jetzt noch übrig ist, ist nicht vorschlagswürdig."

"Ein solcher Nationalpark kann der Region zahlreiche finanzielle, touristische und ökologische Vorteile und Chancen bringen, die gutachterlich bestätigt wurden", hieß es in einer Erklärung Remmels. Zu Heuwinkels Entscheidung sagte Remmel: "Es ist bedauerlich, dass sich ein solch profilierter und aktiver Verfechter eines Nationalparks letztendlich wegen innerparteilicher Auseinandersetzungen in der CDU mit einer passiven Rolle in dem künftigen Prozess begnügen muss." Die Kreis-CDU hatte sich immer weiter von der Nationalpark-Idee abgewandt.

LVL-Vorsteherin Anke Peithmann sagte, der Schlichterspruch müsse jetzt geprüft werden. Die Grünen im Kreistag betonten, es sei noch zu früh, den Nationalpark zu beerdigen. Das müsste der Kreistag beschließen. Die Kritiker des Projekts begrüßten die Stellungnahme des Schlichters.

Auch die Zukunft eines Nationalparks in der Senne ist ungewiss. Die Briten haben einen Abzug bis 2020 in Aussicht gestellt. Aber dann könnte die Bundeswehr den Truppenübungsplatz für sich beanspruchen. - lnw

Quelle: wa.de

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