Nahrung in Blutbahn gepumpt: Pflegerin vor Gericht

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DÜSSELDORF - Eine Pflegerin muss sich in Düsseldorf für den Tod eines Heimbewohners vor Gericht verantworten. Sie soll dem stark unterernährten 52-Jährigen Nahrung in die Blutbahn statt in den Magen gepumpt haben.

Es könne sein, dass sie "bei dem ganzen Stress" einen Fehler gemacht und etwas verwechselt habe, sagte die 49-jährige Angeklagte am Donnerstag beim Prozessauftakt unter Tränen aus. "Es tut mir furchtbar leid." Die Pflegerin ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Die Angeklagte arbeitet seit 22 Jahren in der Pflege und war in einem Monheimer Pflegeheim für den Wohnbereich "Gänsewiese" und damit auch für Armin M. zuständig. Der war in Thailand schwer erkrankt und gerade aus einer Klinik in Leverkusen zurück in das Heim verlegt worden. Er war stark unterernährt, magersüchtig und wog nur noch rund 40 Kilogramm: "Er hat einfach nicht gegessen." Seine Nasensonde habe sich der 52-Jährige immer wieder herausgerissen.

Die Anschlüsse des Venenkatheters und der Nahrungspackung waren allerdings so konstruiert, dass ein Versehen nicht möglich sein sollte. Außerdem gab es Warnhinweise auf den Packungen, hatten die Ermittler festgestellt. Doch die Frau soll die Anschlüsse kurzerhand mit Klebeband zusammengewickelt haben. Zudem soll sie die Anweisung des behandelnden Arztes ignoriert haben, keine Nahrung in den Katheter zu geben.

"Ich kann mir das einfach nicht erklären, ich grübele pausenlos darüber nach, warum das passiert ist", sagte die Pflegerin. Dass es sich bei dem Anschluss um den des Venenkatheters gehandelt habe, habe sie nicht erkannt, weil sie einen solchen Anschluss aus Gummi für die Vene noch nicht gesehen habe. Die Kartons mit der Sonden-Nahrung hätten im Zimmer gestanden und sie habe den 52-Jährigen gefragt, ob er einverstanden sei, etwas zu bekommen. Der habe das bejaht. "Er sollte ja zunehmen."

Es sei ein stressiger Tag gewesen und sie wisse nicht mehr, ob sie die bewusst inkompatibel gestalteten Anschlüsse mit Klebeband umwickelt habe: "Man macht es schon mal, wenn etwas abgebrochen ist, weil sich die Bewohner das herausgerissen haben. Man kann ja nicht immer einen neuen Beutel nehmen, die sind ja abgezählt." Der 52-Jährige starb an Lungenembolien und Gefäßverschlüssen im Herzen, als die Nahrung in seiner Blutbahn tödliche Wirkung entfaltete.

Der Arzt, der Stunden später gerufen wurde, berichtete am Donnerstag, dass er zwei jüngere Pflegerinnen bei der Leiche vorgefunden habe. Die hätten ihm weiszumachen versucht, dass es sich bei dem Katheter um einen speziellen Katheter einer Magensonde handele. "Ich dachte: "Was erzählen die mir hier? Entweder hast du ein Brett vor dem Kopf, oder hier stimmt etwas nicht.""

Er habe dann die behandelnde Ärztin in der Leverkusener Klinik angerufen, die ihm bestätigt habe, dass es sich um einen Venenkatheter handele. Daraufhin habe er die Polizei eingeschaltet. "Ich hatte den Eindruck, dass die entweder überhaupt nicht wussten, was sie da taten, oder mich in die Irre führen wollten."

Letzteres schloss das Gericht am Donnerstag auch nicht aus und empfahl mehreren Zeuginnen, sich einen Anwalt zu besorgen. Das Düsseldorfer Landgericht hat für den Fall vier Verhandlungstage angesetzt. - lnw

Quelle: wa.de

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