Islamistischer Terror: Angeschuldigten droht lange Haft

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DÜSSELDORF - Ein versuchter Bombenanschlag und der versuchte Mord am ProNRW-Vorsitzenden wird Islamisten aus NRW angelastet. Bald könnte das Verfahren beginnen.

Den von Generalbundesanwalt Harald Runge wegen Terrorverdachts angeklagten vier Islamisten aus Nordrhein-Westfalen drohen lange Haftstrafen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte der Hauptbeschuldigte Marco G. zu lebenslanger Haft verurteilt werden, teilte ein Sprecher des Oberlandesgerichts Düsseldorf am Freitag mit. Für die drei anderen Angeschuldigten seien Haftstrafen von bis zu 15 Jahren möglich. Der Staatsschutzsenat des OLG werde in den nächsten Wochen entscheiden, ob er das Hauptverfahren gegen die vier Angeschuldigten eröffnet.

Der Generalbundesanwalt macht den 26-Jährigen Marco G. für den versuchten Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof im Dezember 2012 verantwortlich. Er soll versucht haben, auf einem Bahnsteig eine selbstgebaute Rohrbombe zur Explosion zu bringen. Marco G. wird versuchter Mord und versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Zusammen mit den drei anderen Islamisten soll er zudem Anschlag auf den Vorsitzenden der islamfeindlichen Gruppe Pro NRW versucht haben.

Chronologie des Terrors:

März 2013: Die Polizei nimmt in Nordrhein-Westfalen vier Verdächtige fest, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splittergruppe "Pro NRW" geplant haben sollen. Die Beamten finden eine Liste mit neuen rot markierten Namen, darunter der des Vorsitzenden.

Dezember 2012: Im Bonner Hauptbahnhof wird ein Sprengsatz gefunden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem versuchten Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund aus. Die in einer Sporttasche entdeckte Bombe wurde wohl ausgelöst, detonierte aber nicht. Einer der vier im März 2013 verhafteten und jetzt angeklagten Männer soll dafür verantwortlich sein.

Oktober 2012: Das Bonner Landgericht verurteilt einen Salafisten zu sechs Jahren Haft. Bei einer Kundgebung gegen "Pro NRW" im Mai hatte er zwei Polizisten mit einem Messer verletzt.

April 2011: Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida- Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben sollen. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der "Düsseldorfer Zelle" gefasst. Im Juli 2012 beginnt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen die Angeklagten. Ein Ende ist nicht absehbar.

März 2011: Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Im Februar 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Juli 2006: Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Bomben gefunden. Nur wegen eines falschen Gasgemischs waren sie nicht explodiert. Im Dezember 2008 wird der "Kofferbomber von Köln" zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser für die Tat waren laut Urteil Mohammed-Karikaturen in Zeitungen.

Quelle: wa.de

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