22-Jährige fühlt sich missverstanden

Nach Urteil: Spenderkind Sarah P. schreibt Buch

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Sarah P. erlangte im Februar einen großen Erfolg am Oberlandesgericht in Hamm – sie hat nun das Recht zu erfahren, wer ihr biologischer Erzeuger ist. Bis heute bereut sie ihren Schritt nicht und will nun alles in einem Buch festhalten.

PLETTENBERG - Vor rund zwei Monaten hat Spenderkind Sarah P. aus Plettenberg den Prozess am Oberlandesgericht in Hamm gewonnen. Sie hat nun offiziell das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Sie will über ihre Erlebnisse ein Buch schreiben.

Auch wenn der Weg für sie nicht leicht war, hat er sich dennoch gelohnt. „Für mich ist es ein unglaublich großer Erfolg“, sagt die 22-Jährige.

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Sarah P. aus Plettenberg ist diesen Schritt nicht nur für sich allein gegangen: „Das Urteil ist nun allgemeingültig und jeder kann sich darauf berufen.“ Rein rechtlich gesehen war das Urteil nicht überraschend, aber die offizielle Verkündung ist trotzdem ein Schritt von großer Bedeutung. „Recht zu bekommen und das gegen einen Arzt, ist ein unbeschreibliches Gefühl und eine große Anerkennung meiner Rechte und natürlich auch als Spenderkind.“

Die Anerkennung durch die Gesellschaft und auch die Akzeptanz des Urteils in der Öffentlichkeit fehlen aber noch. Das merkt man an vielen Kommentaren zu zahlreichen Artikeln über den Fall. Viele Menschen glauben, dass es in Zukunft weniger Samenspenden aufgrund des Urteils geben wird. Kritisiert wird auch die Möglichkeit einer Unterhaltsklage durch das Spenderkind, sobald es weiß, wer der biologische Vater ist. Doch Sarah betont immer wieder, dass sie kein Geld will. Trotz der vielen negativen Kritik war es für sie ein Punkt, an dem ihr klar wurde, „dass alles nur noch gut werden kann und die größte Hürde überwunden ist“.

In ihrem Fall müsste der zuständige Arzt aus Essen nun die Daten freigeben, doch der sei sehr unkooperativ und sagte noch im Prozess, dass er die Daten gar nicht mehr habe. Er beruft sich darauf, dass zu dem damaligen Zeitpunkt eine Aufbewahrungsfrist der Daten von nur zehn Jahren vorgeschrieben war. Inzwischen müssen die Unterlagen 30 Jahre verwahrt werden. Trotz allem muss er nun alles dafür tun, um Sarah bei der Suche nach ihrem biologischen Vater zu helfen.

Bisher weiß sie allerdings noch nicht viel. Für sie liegen einige Akten zur Einsicht bereit, die aber keinen Namen beinhalten, sondern nur Spendernummer und äußerliche Merkmale des Spenders, wie die Augenfarbe. Was sie in Zukunft vorhat, um weiter Informationen zu bekommen, ist noch nicht klar. Die 22-Jährige bereut aber nichts, sie ist froh, dass sie ihren Weg gegangen ist. Auch wenn der Schritt schwer war. „Ich wurde sehr stark angegriffen, bekam Morddrohungen und hatte kurzzeitig Zweifel“, erzählt sie. Aber Sarah hat es durchgestanden und ihr Ziel erreicht. Inzwischen ist es ihr eine Ehre, dass ihr Name mit dem Prozess in Verbindung gebracht wird. „Es lohnt sich für Sachen zu kämpfen, das habe ich gelernt.“ Die Studentin fühlt sich heute selbstbewusster und reifer: „Ich bin erwachsener geworden, weil ich sehr an meine Grenzen gekommen bin.“ Noch immer stehen viele Fernsehanfragen offen. Aber sie ist froh, erst einmal ihre Ruhe zu haben und einfach „ein normales Leben führen zu können, ohne angesprochen oder angeguckt zu werden“.

Um nun endgültig mit diesem Abschnitt ihres Lebens abzuschließen, schreibt Sarah mit einer befreundeten Journalistin ein Buch. Darin wird sie alles noch einmal aus ihrer Sicht schildern, ihre Perspektive deutlicher machen. „Jetzt, da ich oft missverstanden werde, möchte ich meine Geschichte erzählen.“ Mit ihrem Buch möchte sie anderen Menschen Mut machen und zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man es wirklich will. „Das Ende des Buches wird spannend und wird wahrscheinlich ein Happy End haben.“

Quelle: wa.de

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