Pioniere im "Dschungeldorf"

Bundeswehr-Panzer räumen in Düsseldorf auf

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Ein Pionierpanzer vom Typ Dachs fährt in den Mobilmachungsstützpunkt der Bundeswehr in Düsseldorf.

[UPDATE 15.30 Uhr] DÜSSELDORF - Pioniere der Bundeswehr haben mit Panzern und anderem schweren Gerät im sturmgebeutelten Düsseldorf mit dem großen Aufräumen begonnen. Seit Freitag packen 300 Soldaten mit an. Es ist seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten der erste zivile Hilfseinsatz in einer westdeutschen Großstadt.

Panzer und schwere Lastwagen mit Tarnanstrich säumen die vornehme Villengegend, Kettensägen kreischen ununterbrochen, Pioniere schleppen schwere Baustämme. Plötzlich gesellt sich zum Geräusch der Sägen ein dumpfes Grollen. Pionierpanzer "Dachs" hat seinen 830-PS-Dieselmotor gestartet. Spätestens jetzt ist in Düsseldorf der jüngste Hilfseinsatz der Bundeswehr in vollem Gang. Erstmals seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten muss die Armee in einer westdeutschen Großstadt mithelfen und hat dazu intern Katastrophen-Alarmstufe 1 ausgerufen. Das Pionierregiment 100 ist mit schwerem Gerät in die Landeshauptstadt eingerückt und hat mit dem großen Aufräumen begonnen.

Die Folgen des großen Gewittersturms sind in Düsseldorf auch vier Tage danach noch an jeder Ecke sichtbar. Die Spätfolgen werden für manchen Düsseldorfer erst an der Straßensperre spürbar: "Wie? Wir können nicht zum Golfclub? Aber morgen ist doch das Turnier!"

"Der Einsatzbefehl hat uns überrascht, es ging alles sehr schnell", berichtet Stabsunteroffizier Brian Udich (25). Mit 35 Fahrzeugen ist das Panzerpionierbataillon 1 angerückt. Das Feldlager wurde eilig in einer Halle für Popkonzerte aufgeschlagen. Und auf die Bundeswehr kommt möglicherweise noch mehr Arbeit zu: Am Freitag bittet auch die Ruhrgebietsstadt Essen das Militär um Hilfe.

Panzer "Dachs" hat es in Düsseldorf gleich zum Auftakt mit einem mächtigen Gegner aufgenommen, wie sich herausstellen wird: Eine riesige Rotbuche mit mehr als einem Meter dickem Stamm liegt quer über der Straße. Der Panzer zieht und schiebt, aber der Baum bewegt sich kaum.

Der Motor heult auf, die Panzerketten drehen auf dem Asphalt durch, die Pioniere kommen ins Schwitzen. Es dauert eine geschlagene halbe Stunde, erst dann gibt die Buche ihren Widerstand auf und der Panzer zieht den tonnenschweren Stamm mit seinem mehr als zwei Meter hohen Wurzelballen wie eine Trophäe hinter sich her. "Das war auch das größte Kaliber, beim zweiten Baum geht es besser", sagt Kompaniechef Sven Richter (29). Er hat sich am Vorabend bei einer Erkundung einen Eindruck verschafft vom Krisengebiet: "Zerstörte Laternen, liegengebliebene Straßenbahnen, kaputte Autos".

Der nächste Einsatz für den "Dachs": Der Pionierpanzer fährt seinen mächtigen Arm mit der Baggerschaufel aus und hievt einen Baumstamm von einem Kleinwagen. "Es kommt jetzt erstmal drauf an, die Wege freizumachen", sagt Bundeswehrsprecher Uwe Kort. "Für lose Äste in der Innenstadt wird die Bundeswehr nicht gebraucht."

Gut 300 Soldaten sollen auf Anforderung der Stadt mindestens bis Sonntag in den Waldgebieten Straßen und Wege freiräumen. Das Pionierregiment 100 ist für die Bundeswehr weltweit unterwegs: Afghanistan, Mali, Kosovo. Nun also Düsseldorf, wegen der vielen Baumkronen auf den Wegen derzeit "Dschungeldorf" genannt. Vom niedersächsischen Holzminden, wo Truppenteile stationiert sind, war das ein vergleichsweise kurzer Weg: etwa 280 Kilometer.

Die Pionierpanzer waren kurzerhand auf Ketten mit Gummipolstern über die Autobahn nach Düsseldorf gerollt. Für eine Verladung auf Tieflader blieb keine Zeit. "Nur" 540 Liter Diesel habe der "Dachs" dabei verbraucht. Die Pioniere, die nicht Panzer fahren, sind als "mobile Kettensägetrupps" ausgeschwärmt.

Es gibt noch viel zu tun: Tief "Ela" hatte am Montagabend Gewitter mit Orkanböen über Düsseldorf wüten lassen. 17.000 Bäume wurden ein Opfer des Sturms - jeder vierte Baum der Stadt. Die Hauptverkehrsstraßen sind zwar freigeräumt und befahrbar, für Parks und Waldgebiete heißt es aber nach wie vor: "Betreten verboten!" - lnw

Quelle: wa.de

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