Tödlicher Unfall zwischen Balve und Sundern 

Raserprozess wird zu einer Schlacht um Details

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Nur noch Schrott blieb von dem Golf übrig, der auf der B229 bei Beckum mit dem gelben Audi des Unfallfahrers (im Hintergrund) kollidiert war.

Beckum/Arnsberg - Ein Urteil wäre den Überlebenden der schweren Kollision auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum zu wünschen gewesen.

Stattdessen muss sich das Schwurgericht am Arnsberger Landgericht mit Sprungterminen durch die Sommerferien hangeln und sich ab dem 2. September erneut der Frage widmen, ob es nicht endlich ein Urteil im Raserprozess sprechen möchte – wie auch immer dieses ausfallen mag. 

Es wäre zu einfach, den Anwälten der Angeklagten aus Hemer und Soest die Schuld für die Verzögerung des Prozesses anzulasten. Sie überzogen die Kammer am Donnerstag allerdings mit einer Reihe von Beweisanträgen, die die Kammer größtenteils ablehnte. Daraus entwickelte sich eine Schlacht um die letzten Details, für die es bei den Zuschauern wenig Verständnis gab. 

Greift der neue Paragraf nicht?

Halsbrecherisch mutete die Argumentation von Rechtsanwalt Constantin Kirschbaum an, der den Unglücksfahrer aus Hemer verteidigt. Er schätzte die Maximalgeschwindigkeit, mit der die Unfallkurve durchfahren werden kann, auf 110 km/h. „Es ist ein deutlich dreistelliger Bereich möglich.“ Laut Gutachten des Sachverständigen sei sein Mandant kurz vor dem Unfall in der 70er-Zone aber „nur“ mit 85 bis 95 km/h unterwegs gewesen – „deutlich von der erzielbaren Höchstgeschwindigkeit entfernt“. Diese verlange der neue Paragraf 315d des Strafgesetzbuches aber für eine Verurteilung wegen eines illegalen Autorennens. 

Auch das Auto des Unfallfahrers war schwer beschädigt. Der Mann selbst kam jedoch mit leichten Verletzungen davon.

Der Paragraf bedroht den Fahrer eines Kraftfahrzeuges mit Strafe, wenn dieser sich „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“. Diese Höchstgeschwindigkeit habe sein Mandant aber deutlich verfehlt. Das klang nach einer kreativen, aber nicht unbedingt überzeugenden Auslegung des Gesetzbuches. 

Kritik an Öffentlichkeitsarbeit der Polizei

Volker Cramer, Anwalt des mitangeklagten Porsche-Fahrers aus Soest, arbeitete sich hauptsächlich an der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ab und schreckte dabei auch vor Verschwörungstheorien nicht zurück: Der ehemaligen Freundin seines Mandanten warf er bewusste Lügen vor mit der „Intention, das Gericht in die Irre zu führen“. Aufgrund ihrer ersten Aussagen habe es „eine gezielte Desinformation der Presse gegeben, um den Popanz des Autorennens aufzubauen. Es wurde entschieden, die Presse falsch zu informieren“. 

Lesen Sie hier unsere Berichterstattung zum Unfall und dem Prozess

Dieser Polizeibeamte wurde im Strafverfahren bisher nicht vernommen, obwohl die Kammer seine Ladung angeblich in Aussicht gestellt hatte. Die Möglichkeit, diese Vernehmung nachzuholen, gehörte zu den wenigen guten Gründen, das Strafverfahren erst im September zu Ende zu bringen. 

Porsche: Motor ausgetauscht

Die Zeugin hatte unter anderem behauptet, dass der Soester den Motor eines fabrikneuen Porsche durch seine unangemessene Fahrweise kaputt gefahren habe. Diese Darstellung wies der Angeklagte zurück. Er legte Dokumente über den kostenlosen Austausch des Motors vor, der einen auch für Porsche überraschenden Fabrikationsfehler aufgewiesen habe.

Der Fall

Am 1. August 2018 sollen sich ein 42-jähriger Mann aus Hemer und ein 57-jähriger Soester ein illegales Autorennen auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum geliefert haben. Bei einem Überholversuch kollidierte das Fahrzeug des Hemeraners mit einem VW Golf, in dem fünf Unbeteiligte saßen. Die Beifahrerin starb noch an der Unfallstelle, die übrigen vier Insassen wurden allesamt schwerst verletzt. Der 42-Jährige muss sich nun wegen verbotenen Autorennens, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Körperverletzung mit Todesfolge und vierfacher fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ihm droht eine lange Haftstrafe. Dem Soester wirft die Staatsanwaltschaft Unfallflucht und die Beteiligung an dem illegalen Rennen vor.

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Quelle: wa.de

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