Noch immer Unklarheit

Totes Baby in Soest: Wird Verfahren neu aufgerollt?

SOEST - Auch ein halbes Jahr nach dem Mordprozess gegen eine 22-jährige Soesterin steht noch immer nicht fest, ob das Verfahren neu aufgerollt wird.

Die wegen Mordes verurteilte Frau, die ihr Neugeborenes im Stich und verdursten hatte lassen, hat Revision wegen der Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe eingelegt. Wie ihr Anwalt Matthias Meier gegenüber dem Anzeiger sagt, hat der Bundesgerichtshof noch nicht über den Antrag der 22-Jährigen entschieden. Die entscheidende Frage für eine mögliche Neuaufnahme des Prozesses lautet: Sind die Merkmale für einen Mord tatsächlich erfüllt? Der Anwalt bezweifelt dies, denn ein „zielgerichtetes Handeln“, tatsächlich das kleine Mädchen umbringen zu wollen, sei in dem Gerichtsprozess und auch in der Verurteilung „nicht erkennbar“ geworden.

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Die junge Frau hatte Ende Oktober ihr erst vier Monate altes Baby allein in der Wohnung in der Soester Friedrichstraße gelassen und sich nach Münster zu ihrem Freund aufgemacht, um mit ihm Drogen-Partys zu feiern. Drei Tage lang dauerte die Fete, und erst weitere zwei Tage später – am 5. November 2013 – reiste sie zurück nach Soest. Der Säugling war inzwischen gestorben.

Dennoch setzte sich die zur Tatzeit 21-Jährige erneut in den Zug, um weitere Zeit mit ihren Bekannten in Münster zu verbringen. Erst als die am 18. November erneut zurückkehrte und sich bei ihrem Betreuer meldete und sich wegen des Gesundheitszustands ihres Kinds in Widersprüche verhedderte, kam das grauenhafte Verbrechen ans Tageslicht.

Die Angeklagte mit ihrem Anwalt Matthias Meier im Gerichtssaal.

Das Arnsberger Schwurgericht erkannte im Juli nach einer Reihe von Prozesstagen, vielen Zeugen und Sachverständigen auf Mord und verhängte die Höchststrafe, weil „besonders verabscheuungswürdige Mordmerkmale“ erfüllt seien: Die Soesterin habe grausam gehandelt, weil sie ihrer Tochter über das für das Töten erforderliche Maß hinaus „körperliche und seelische Schmerzen“ zugefügt habe.

Und es seien „niedrige Beweggründe“ gewesen, die sie zu dem Verbrechen veranlasst hätten. Es sei der Täterin nur um ihren Vorteil und um ihr Vergnügen gegangen, als sie das grauenhafte Leid ihres Babys in Kauf nahm. Wörtlich sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung: „Das ist sittlich unterste Stufe!“ Keine Frage, so sieht es auch Anwalt Meier, „die Frau hat in sträflicher Weise ihre Pflichten als Mutter verletzt“ und gehöre dafür bestraft. Doch der eindeutige Vorsatz, das Kind töten zu wollen, sei nicht erwiesen. Die junge Frau habe vielmehr geplant gehabt, nach der ersten Partynacht zurück nach Soest zu ihrem Kind zu fahren. Doch der Drogenrausch habe ihr die Sinne vernebelt und diesen Plan zunichte gemacht.

Die 22-Jährige sitzt seit ihrer Festnahme im November 2013 in Haft. „Ihr geht es schlecht“, sagt ihr Anwalt, „sie selber sieht sich nicht als Mörderin.“ - hs

Quelle: wa.de

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