Update 13.59 Uhr / Absturz in Olsberg

Flugdatenschreiber und Stimmrekorder gefunden

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Ein Anwohner hat am Montag bei Elpe mit seinem Handy Trümmerteile an der Absturzstelle fotografiert.

[UPDATE 13.59 Uhr] OLSBERG - Was genau ist schiefgegangen bei der Übung über dem Sauerland, an der zwei Eurofighter und ein Passagierjet mit zwei Insassen beteiligt waren? Die Ermittlungen waren in der Nacht für einige Stunden unterbrochen und werden nun fortgesetzt.

Experten haben die Daten-Rekorder der Unglücksmaschine gefunden. Erste Zwischenergebnisse werde es allerdings erst in vier bis acht Wochen geben, sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) am Dienstag.

Der Flugdatenschreiber und der Gesprächs-Rekorder aus dem Cockpit seien bereits am späten Montagabend sichergestellt und nach Braunschweig zum Behördensitz gebracht worden. Die BFU ist seit dem Unglück mit drei Experten vor Ort.

Äußerlich seien die Geräte zerstört, die Mechanik sei aber intakt, sagte der Leiter der Untersuchung, Jens Friedemann, der dpa. Bisher deute alles auf eine Kollision in der Luft hin.

In den nächsten Tagen werde zudem der beteiligte Kampfjet auf Spuren untersucht. Dieser sei bereits am Stützpunkt in Nörvenich bei Köln festgesetzt worden.

Nach dem Absturz des Flugzeugs im Sauerland wird nicht nur gegen die Piloten von zwei Bundeswehr-Kampfjets ermittelt. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Arnsberg am Dienstag mit. Falls ein technisches Problem für den Absturz verantwortlich sein sollte, könnten sich die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung beispielsweise auch gegen Bodenpersonal richten.

Am Montag war es über dem Dorf Elpe bei Olsberg zu einer Kollision eines Eurofighters mit der an der Übung beteiligten zivilen Maschine gekommen. Die beiden 43 und 50 Jahre alten Männer in dem Learjet einer privaten Firma aus Norddeutschland, die aus Schleswig-Holstein stammen, kamen bei dem Absturz wahrscheinlich ums Leben.

Fotostrecke: Spurensuche im Sauerland

Spurensuche nach Flugzeug-Absturz im Sauerland

An der Absturzstelle direkt am Ortsrand wurden Leichenteile gefunden. "Wir gehen inzwischen davon aus, dass beide nicht überlebt haben", sagte ein Sprecher am Dienstag in Meschede.

Die Insassen waren ehemalige Militärpiloten. Das teilte die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) im schleswig-holsteinischen Hohn am Dienstag mit. Die Männer hätten am Montag in einem Learjet gemeinsam mit den Kampfjets einen sogenannten Renegade-Einsatz geflogen, sagte der GFD-Geschäftsführer Klaus Menzel der dpa. Die Maschine sei in Hohn im Auftrag der Bundeswehr gestartet. Das Manöver sollte über dem Sauerland beginnen.

Der Begriff "Renegade" stammt aus dem Englischen und steht für abtrünnig, Überläufer. "Es passiert jeden Tag, dass ein Flugzeug in den deutschen Luftraum eintritt und nicht identifiziert werden kann", sagte Menzel. Genau dieser Fall habe trainiert werden sollen. Die GFD ist ein Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space. Die Firma fliegt laut Menzel 15 Einsätze täglich für die Bundeswehr.

Deren beide Eurofighter, von denen einer beschädigt wurde, kehrten zu einem Luftwaffen-Stützpunkt zurück. Die Suche nach weiteren Trümmerteilen wird seit Dienstagvormittag fortgesetzt.

Die beiden Kampfjets der Bundeswehr waren nicht bewaffnet. Das sagte am Dienstag ein Sprecher der Luftwaffe. Eine der Maschinen habe einen Zusatztank über der Unglücksstelle verloren. Ob dieser auch mit Treibstoff gefüllt war, konnte der Sprecher nicht sagen.

Fotostrecke: Erste Bilder vom Unfallort

Flugzeug-Absturz in Olsberg-Elpe

Federführend ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Sie wird am Dienstag mit drei Experten an der Absturzstelle vor Ort sein.

Nach Polizeiangaben kam es zu der Kollision in rund 2500 Metern über Elpe. Der Learjet habe der im Auftrag der Bundeswehr eine Flugzieldarstellung durchgeführt. Hierbei wurde ein Triebwerk des Learjets abgerissen und prallte auf die Fahrbahn der K16. Das Wrack des Learjets stürzte in einer Entfernung von ca. 90 Meter zu einem Wohnhaus in ein bewaldetes Hanggelände.

Neben zahlreichen Kräften der Feuerwehr und des Rettungsdienstes waren rund 150 Polizeikräfte zur Durchführung der erforderlichen polizeilichen Maßnahmen im Einsatz. - dpa/WA

Quelle: wa.de

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