Nach Entschärfungsaktion

Dortmund kehrt zur Normalität zurück

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DORTMUND - Wenige Stunden nach de Entschärfung eines gefährlichen Weltkriegsblindgängers ist Dortmund zur Normalität zurückgekehrt. In der Nacht zum Freitag hatten Feuerwerker im Klinikviertel mit einem Miniroboter eine Zehn-Zentner-Bombe mit beschädigtem Säurezünder entschärft.

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Die Bombe hätte sonst vor Ort gesprengt werden müssen, sagte ein Stadtsprecher. Tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. In drei Kliniken wurden Patienten in ungefährdete Bereiche verlegt. Der Innenstadtbezirk wurde großräumig abgesperrt und eine Bahnlinie unterbrochen. Noch in der Nacht konnten die Einschränkungen aufgehoben werden. Auch Schulen und Kindergärten waren am Morgen geöffnet.

Innerhalb einer halben Stunde war es zwei Feuerwerkern vom Kampfmittelräumdienst, gelungen den bei Baggerarbeiten schwer beschädigten Säurezünder unschädlich zu machen. Die Zehn-Zentner-Bombe, die er zünden sollte, gehörte zu den größten Fliegerbomben des Krieges. Hätten die Feuerwerker die Entschärfung aus Sicherheitsgründen abbrechen müssen, wäre die Bombe noch in der Nacht mitten in dem Viertel gesprengt worden. In ähnlichen Fällen kam es in München und im niederrheinischen Viersen zu großen Schäden.

Im 500-Meter-Umkreis um die Bombe, der als gefährdet galt, leben mehr als 7000 Menschen. Dazu kommen tausende Patienten aus dem angrenzenden Universitätsklinikum, dem Johannes-Hospital und einer Kinderklinik. Nachdem zunächst eine Evakuierung aller Kliniken geplant und Krankenwagen aus dem ganzen Land angefordert worden waren, schraubten die Feuerwerker nach einer Begutachtung die Anforderungen zurück. Patienten wurden innerhalb Kliniken in ungefährdete Räume verlegt. Patienten, die ohnehin bald gehen sollten, wurden vorzeitig nach Hause geschickt. Tausende Anwohner mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen.

Zu einer Verzögerung kam es, als die Polizei eine geschlossene Gesellschaft in einem Restaurant auflösen musste. Die Feiernden hatten sich eingeschlossen. Die Polizei drang durch den Hintereingang ein und löste die Weihnachtsfeier auf. Insgesamt waren bei der wohl größten Nachkriegs-Evakuierung in Dortmund mehr als 1000 Rettungskräfte im Einsatz.

Die Kohle- und Stahlstadt gehörte im Zweiten Weltkrieg zu den bevorzugten Bomberzielen der Alliierten. Hunderte Krater in einem Waldgebiet südlich des Dortmunder Fußballstadions, über dem Flieger auf dem Rückflug Restbomben abwarfen, zeugen noch heute von der enormen Zerstörungskraft. Der Krieg hatte auch unzählige Blindgänger als Altlast hinterlassen. Besonders Säurezünder sind heute schwer zu entschärfen. Dann müssen die Bomben gesprengt werden wie zuletzt vor wenigen Tagen in Duisburg. Die Schäden dort blieben aber gering, weil die Feuerwerker die Bombe mit Hunderten Tonnen Sand zugedeckt hatten.

 

Säurezünder gelten als besonders heimtückisch:

Die im Zweiten Weltkrieg über Deutschland abgeworfenen Bomben wurden von unterschiedlichen Zündern ausgelöst. Als besonders gefährlich bei der Entschärfung von Blindgängern gelten Säure- oder Langzeitzünder. Eine Scheibe aus dem Kunststoff Celluloseacetat hält dabei einen Schlagbolzen, der letztlich die Zündung auslöst. Zerbricht eine mit Aceton gefüllte Glasampulle im Zündergehäuse, so löst sich die Kunstoffscheibe langsam zu Essigsäure auf. Der Schlagbolzen wird freigegeben, die Bombe explodiert.

Nur rund zehn Prozent der Sprengbomben waren mit derartigen Säurezündern ausgerüstet. Weil sie aber häufig versagten, ist ihr Anteil an den Blindgängern hoch. Die Aufschlagzünder arbeiten dagegen rein mechanisch, das Entschärfen gilt als weit weniger gefährlich.

Quelle: wa.de

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